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Landesmuseum zeigt Leben in Südafrika

Dauerausstellung „Menschenwelten“ Landesmuseum zeigt Leben in Südafrika

Im Landesmuseum bereiten zwei Kuratorinnen aus Südafrika einen Brückenschlag nach Niedersachsen vor. Die Partnerschaft zwischen Eastern Cape und Niedersachsen hat den Südafrika-Schwerpunkt innerhalb der Dauerausstellung "Menschenwelten" ermöglicht.

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Die Gastkuratorinnen Pumla Nolutando Rodolo und Nandipha Mlonyeni-Mtshagi (von links) vor der Skyline von East London im Landesmuseum.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Es ist der Stoff, aus dem textile Träume sind. Träume, die deutsche Siedler im 19. Jahrhundert nach Südafrika mitgebracht haben - und die dort bis heute als „German Garment“ hergestellt werden. Kostproben dieses Kleidungsstils werden bald vielleicht im Landesmuseum gezeigt, in einem kleinen Südafrika-Schwerpunkt innerhalb der Dauerausstellung „Menschenwelten“.

Jetzt schon ist dort die Skyline der Provinzhauptstadt Port Elizabeth zu sehen, womit das Landesmuseum einen Blick auf die Gegenwart der Ostkapregion eröffnet - aus Anlass der seit 20 Jahren zwischen Eastern Cape und Niedersachsen bestehenden Partnerschaft. Die hat es auch möglich gemacht, dass diesen Teil der „Menschenwelten“ zwei südafrikanische Museumskuratorinnen gestalten, die dazu sechs Wochen in Hannover zu Gast sind.

Vor allem wegen des erst 1994 überwundenen Apartheidsregimes stehen diese Museumsmacherinnen in ihrer Heimat vor ganz anderen Aufgaben als ihre Kollegen in Niedersachsen. „Es liegen Welten dazwischen“, sagt Pumla Nolutando Rodolo. Sie leitet das Barkly East Museum der Kleinstadt Barkly East in den mehr als 3000 Meter hohen Drakensbergen. „Da bin ich für alles zuständig - für die Tickets, das Bildungsprogramm und die Ausstellungen.“ Und als Ausstellungsfläche stehen ihr ganze 20 Quadratmeter zur Verfügung.

Wie die Perspektive der Opfer von Kolonisation und Apartheid aussehen kann, ist im Landesmuseum zu besichtigen – in der Fotoausstellung „Unsettled“. Die Bilder dieser Ausstellung über weiße Kolonisation am Kap stammen von dem renommierten südafrikanischen Fotografen Cedric Nunn.

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Vergleichbarer mit dem Landesmuseum Hannover, das rund 7000 Quadratmeter Platz für seine Ausstellungen hat, ist das Museum von East London, der mit 260 000 Einwohnern zweitgrößten Stadt der Ostkapregion. „Unser Haus ist eines von vier großen Museen in der Ostkapregion“, sagt Nandipha Mlonyeni-Mtshagi vom East London Museum. „Die Ausstellungsflächen sind da in Anthropologie, Naturkunde und Humangeschichte aufgeteilt.“

Die Dauerausstellung des East London Museum ist nach den Worten von Nandipha Mlonyeni-Mtshagi rund 30 Jahre alt und dokumentiert damit noch die Perspektive der Apartheid. Ein musealer Blickwinkel im Museum? „Natürlich achten wir in unseren Führungen und in der Bildungsarbeit darauf, die schwarze Tradition und Kultur zu schildern“, betont die Kuratorin. Reformpläne seien schon vor Jahren erarbeitet worden. „Aber es gibt kein Geld, um sie umzusetzen.“

Wie die Perspektive der Opfer von Kolonisation und Apartheid aussehen kann, ist auch im Landesmuseum zu besichtigen - in der Fotoausstellung „Unsettled“. Der Titel lässt sich nicht nur mit „unbesiedelt“, sondern auch mit „unruhig“ oder „ungeklärt“ übersetzen. Und die Bilder dieser Ausstellung über weiße Kolonisation am Kap stammen von dem renommierten südafrikanischen Fotografen Cedric Nunn. Er hat schon in den Achtzigerjahren den schwarzen Widerstand gegen die Apartheid fotografisch dokumentiert - und spürt hier dem jahrhundertelangen Kampf des Xhosa-Volkes gegen weiße Landnahme in Südafrika nach.

Solche Geschichte von unten, die Perspektive der Unterprivilegierten also, war in Südafrika die große Ausnahme, und die Museen des Landes sind bis heute nicht ohne Weiteres ein Ort dafür. „Für die schwarze Mehrheit war das Barkly East Museum traditionell ein Ort der Weißen“, sagt Pumla Nolutando Rodolo. „Ich habe mehrfach erlebt, wie erstaunt viele sind, wenn sie darin auch schwarze Traditionen entdecken.“ Die hat sie in ihrem kleinen Haus bereits platzieren können - und zeigt darin die Kultur von Zulus, Sothos oder Xhosa neben Ochsenkarren der Buren oder den viktorianischen Kleidern der britischen Kolonisatoren. „Wer jetzt mein Museum betritt, merkt: Oh, wir gehören dazu!“

„Cedric Nunn: Unsettled. 100 Jahre Widerstand der Xhosa gegen weiße Landnahme und die Folgen bis heute“. Bis 6. Dezember im Landesmuseum, Willy-Brandt-Allee 5. Unter demselben Titel gibt es zu der Fotoausstellung einen Katalog (Verlag Das Wunderhorn, 192 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 38 Euro).

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