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So war die Eröffnung des Leibniz-Kongresses

Jubiläum in Hannover So war die Eröffnung des Leibniz-Kongresses

Mehr als 340 Vorträge werden bis zum Ende des Leibniz-Kongresses am 23. Juli gehalten werden. 444 Teilnehmer aus 32 Ländern sind dabei. Bericht vom Auftakt zu einem Jubiläums-Kongress, der auf vielen Ebenen Anlass zum Feiern gibt.

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Reden über Leibniz, Glück und das Gemeinwohl: Erich Barke, Vorsitzender der Leibniz-Gesellschaft, Hannovers Bürgermeister Thomas Hermann, Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic, Volker Epping, Präsident der Leibniz-Universität Hannover, und Wenchao Li, Inhaber der Leibniz-Stiftungsprofessur.

Quelle: Rainer Droese

Hannover. Wahrscheinlich ist es besser, den Durchmesser der Erde nicht gerade in Millimetern anzugeben. Schließlich verändert sich die Erde. Gebirge wachsen und erodieren, das Meer steigt und sinkt, und überhaupt hat die Erde nicht die Form einer perfekten Kugel, sondern gleicht eher einer Kartoffel. Millimeterangaben sind für Sandkörner brauchbar (ein durchschnittliches Sandkorn hat einen Durchmesser von etwa 0,2 Millimeter), bei Planeten versagen sie, und bei der Messung der Distanz von der Erde bis zu einem Fixstern funktionieren sie schon gar nicht.

Auf die Verwirrung, die beim Vergleich des sehr Kleinen mit dem sehr Großen entstehen kann, wies der in Hannover lehrende Philosoph Herbert Breger bei der Eröffnungsveranstaltung zum zehnten internationalen Leibniz-Kongress im Schloss Herrenhausen hin. In seinem Festvortrag „Vom Sandkorn und der Unendlichkeit des Himmels“ beschäftigte er sich mit der Relativierung des unendlich Kleinen und verteidigte Gottfried Wilhelm Leibniz gegen einige seiner Interpreten, die in seiner Auffassung von inkomparabel kleinen Größen einen Fehler zu entdecken meinten. Unwichtig ist die Sache nicht, denn das Rechnen mit unendlich kleinen Intervallen gehört zum Kern der Infinitesimalrechnung, die Leibniz (und unabhängig von ihm auch Newton) entdeckt hatte.

Breger versuchte Leibniz zu rehabilitieren, indem er die Bedeutung des Wortes „inkomparabel“ genauer untersuchte. „Bei diesem Thema sieht man, dass man sich mit Worten leicht missverstehen kann“, sagte er - und schloss dann mit einem mathematischen Beweis.

Worte aber wird es in den kommenden Tagen beim Leibniz-Kongress reichlich geben. Mehr als 340 Vorträge werden bis zum Ende des Kongresses am 23. Juli gehalten werden. 444 Teilnehmer aus 32 Ländern sind dabei. Es ist der bisher größte Leibniz-Kongress in Hannover. Und es ist in mehrfacher Hinsicht eine Jubliäumsveranstaltung: Vor 50 Jahren hat die Leibniz-Gesellschaft ihren ersten Kongress veranstaltet, seit zehn Jahren schmückt sich Hannovers Universität mit dem Namen des Universalgelehrten, und in diesem Jahr gab und gibt es weitere Anlässe, an Leibniz zu erinnern: seinen 370. Geburtstag (am 1. Juli) und seinen 300. Todestag (am 14. November).

Von einem „Leibniz-Marathon“ in Hannover sprach dann auch Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic in ihrem Grußwort. Sie fragte danach, was uns heute mit Leibniz verbindet - und fand die Antwort vor allem in der interdisziplinären Art, Wissenschaft zu betreiben. Leibniz’ universalen Ansatz, die Welt als Ganzes zu sehen, hätten wir (nicht gerade zum Wohl der Menschen, nicht zum Wohl der Umwelt) etwas aus den Augen verloren. Kooperation zwischen unterschiedlichen Disziplinen beflügelt durch die Digitalisierung aber könnte diese Perspektive wiederherstellen.

In Vertretung des Oberbürgermeisters („Stefan Schostok lässt aus dem Urlaub grüßen“) sprach Hannovers Bürgermeister Thomas Hermann das Grußwort der Stadt. Er verglich den Leibniz-Kongress (nicht gerade glücklich) mit einem Evangelischen Kirchentag und lobte die Stadt dafür, dass sie die Leibniz-Stiftungsprofessur in den vergangenen Jahren mit jährlich 100 000 Euro förderte: „Die Investition in die Marke Leibniz hat sich gelohnt.“

Dass sich auch die Beschäftigung mit Leibniz’ Schriften lohnen kann, zeigte Catherine Wilson, Philosophin an der Universität York. Sie sprach über Leibniz’ Ansichten zu Krieg und Frieden und dem Gemeinwohl. Das Gemeinwohl ist eines der großen Themen des Kongresses. Schließlich trägt er das Motto „Für unser Glück oder das Glück anderer“.

Am Mittwoch, 20. Juli, gibt es im Rahmen des Kongresses um 18.30 Uhr einen öffentlichen Abendvortrag im Lichthof der Leibniz-Uni, Welfengarten 1. Der Philosoph Volker Gerhardt spricht über „Die Individualität bei Leibniz“.

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