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Kultur Lembke: „Wir wollen ein Weltmuseum sein“
Nachrichten Kultur Lembke: „Wir wollen ein Weltmuseum sein“
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13:25 27.08.2011
Von Simon Benne
Katja Lembke führt seit dem 1. Mai als Direktorin das hannoversche Landesmuseum. Quelle: Martin Steiner

Das Landesmuseum gilt vielen seit Jahren als eine Art schlafender Riese: Einerseits hat es großes Potenzial, andererseits herrschen auch Stagnation, Lethargie und Ideenlosigkeit ...

Zur Vergangenheit kann ich wenig sagen. Doch meine erste Bilanz nach einem Vierteljahr am Haus fällt ausgesprochen positiv aus. Es herrscht Teamgeist, und unsere jüngste Ausstellung „Nah und Fern“ mit Landschaftsmalerei war ein Publikumsmagnet. Im Juli hatten wir etwa 10 000 Besucher, fast doppelt so viele wie im Vorjahresmonat. Und das lag nicht nur am Regenwetter.

Dennoch brauchen Sie ein Konzept, um das Museum wieder attraktiv zu machen.

Für unsere Sonderausstellungen haben wir jetzt einen Plan bis 2014 erarbeitet. In der Vergangenheit war es ein Problem, dass diese oft zu kurzfristig geplant wurden. Dabei ist es beispielsweise auf Tourismusmessen üblich, Ausstellungen schon zwei Jahre im Voraus zu bewerben. Jedes Jahr soll es künftig eine Sommerausstellung der Landesgalerie geben. Mit „Im Reich der Tiere“ wollen wir dort im nächsten Jahr Brückenschläge zwischen Naturkunde und Kunst wagen. Dabei wollen wir stärker als bisher Familien ansprechen. Wir dürfen nicht zu elitär denken.

Sie setzen also auf stärkere Kooperation der Abteilungen Ihres Hauses?

Wir müssen diese besser vernetzen. In der großen Marco-Polo-Ausstellung etwa, die Ende September eröffnet, wollen wir auch Stücke aus der Tibet-Sammlung unserer Ethnologie-Abteilung und Venedig-Gemälde aus der Landesgalerie zeigen. Als Mehrspartenhaus sind wir kein Gemischtwarenladen, sondern ein Universal- oder Weltmuseum. Das ist unsere größte Stärke.

Die Kooperation mit anderen Museen ist in den vergangenen Jahren dabei allerdings etwas auf der Strecke geblieben ...

... was wir ändern werden. Wenn das Braunschweigische Landesmuseum im Herbst 2013 die Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug“ über die Schlacht am Harzhorn zeigt, planen wir, parallel dazu archäologische Zeugnisse der Römerzeit aus Südniedersachsen zu präsentieren. Bereits im Herbst 2012 wollen wir mit ethnologischen Leihgaben aus Hildesheim und Göttingen die Ausstellung „TABU – Verborgene Kräfte, geheimes Wissen“ eröffnen. Im Frühjahr 2013 möchten wir eine gemeinsame Ausstellung mit dem benachbarten Sprengel Museum über die Geburt der Moderne machen, und mit dem Museum August Kestner ist eine Kooperation geplant, bei der es um etwas Ägyptisches geht...

Das größte Manko an Ihrem Haus ist die verstaubte Dauerausstellung, in der sich teils seit Jahrzehnten nichts geändert hat.

Wir haben dem Kulturministerium bereits konkrete Pläne zur Umgestaltung vorgelegt: Im Erdgeschoss soll unser Universalmuseum künftig „Naturwelten“ zeigen, im ersten Stock „Menschenwelten“ und im Obergeschoss „Kunstwelten“. Ich hoffe, dass wir schon im kommenden Jahr mit der Umgestaltung des Erdgeschosses beginnen können. Dort wollen wir Vivarium und Naturkunde verbinden. Es reicht nicht, dass wir – wie derzeit im Vivarium – nur bunte Fische zeigen. So werden wir unserem Bildungsauftrag nicht gerecht. Dort muss es spannende Info-Inseln geben, die naturkundliches Wissen vermitteln. Wir wollen dort ein Alleinstellungsmerkmal für unser Haus schaffen; etwas, das es in der Stadt so weder im Zoo noch im Sealife gibt.

Dann werden Sie an der antiquierten Präsentation der Goldenen Tafel, des berühmten Altars in der Landesgalerie, vorerst wohl nichts ändern?

Wir haben einen Förderantrag zur Erforschung und Restaurierung der Goldenen Tafel gestellt. Es geht bei dem großen Projekt um eine hohe sechsstellige Summe, und natürlich denken wir dabei auch über die Präsentation dieses Schatzes nach. Wenn es so weit ist, werden die Restauratoren wohl in der Landesgalerie arbeiten, vor den Besuchern, die den Prozess dabei dann mit eigenen Augen verfolgen können. Da machen wir aus der Not eine Tugend: Die riesige Tafel abzubauen wäre ein enormer Aufwand.

Zu den Problemen des Landesmuseums zählt auch, dass es keinen Etat für Ankäufe und Ausstellungen hat. Wie sehr erschwert das Ihre Arbeit?

Im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim war das für mich nicht anders. Es bringt nichts, nur nach der öffentlichen Hand zu rufen. Wir müssen stattdessen selbst stärker nach Sponsoren suchen. Für die kommende Ausstellung über den Weltreisenden Marco Polo haben wir die TUI als Kooperationspartner gewonnen – das passt doch wunderbar. Auch die verschiedenen Freundeskreise unseres Museums sind eine große Hilfe. Im September werden wir Museumsvertreter uns erstmals überhaupt mit all ihren Vorständen an einen Tisch setzen, um zu sehen, wie wir uns gegenseitig unterstützen können.

Unter Ihrer Ägide ist das Landesmuseum zu einem der Ausstellungsorte für die Landesausstellung zur Epoche der hannoversch-britischen Personalunion 2014 avanciert, obwohl das anders geplant war. Was sagen die Direktoren der anderen beteiligten Museen dazu?

Sie sind wohl alle der Meinung, dass unser Ausstellungsbeitrag gut ins Gesamtkonzept passt. Mit Stücken aus unserer Sammlung wollen wir 2014 zeigen, wie stark Hannover um 1780 global vernetzt war, mit Amerika, Indien oder der Südsee. Ich bin übrigens sehr froh, dass wir für die Ausstellung anstelle des ursprünglich geplanten „1714“ jetzt einen anderen Titel gefunden haben: „Als die Royals aus Hannover kamen“ klingt nicht so sehr nach trockener Wissenschaft.

Zuletzt stand den Direktoren des Landesmuseums ein Betriebswirtschaftlicher Direktor an der Seite, und teils knirschte es bei der Zusammenarbeit. Hat sich dieses Modell überlebt?

Einen Betriebswirtschaftlichen Leiter soll es auch künftig geben, und über diese Entlastung bin ich heilfroh. Mit so einer Doppelspitze habe ich in Hildesheim gute Erfahrungen gemacht. Ich hoffe, dass das Ministerium die Stelle bald ausschreibt.

Wie erfolgreich Museumsarbeit ist, lässt sich am greifbarsten in Besucherzahlen messen. Im Jahr 2010 hat Ihr Haus mit nur noch 101 000 Besuchern einen Tiefstand erreicht. Wagen Sie eine Prognose?

Es muss natürlich auch darum gehen, was die Besucher von ihrem Aufenthalt mitnehmen. Wie gut wir unseren Bildungsauftrag erfüllen, spiegeln solche Zahlen nicht wider. Dennoch sage ich bei aller gebotenen Vorsicht, dass wir 2011 deutlich über der Vorjahresmarke liegen werden.

Interview: Simon Benne

Katja Lembke führt seit dem 1. Mai als Direktorin das hannoversche Landesmuseum. Die promovierte Archäologin, die an mehreren Ausgrabungsprojekten in Ägypten beteiligt war, leitete zuvor seit 2005 das renommierte Hildesheimer Roemer- und Peli- zaeus-Museum (RPM). Die Mutter von drei Kindern wohnt in Hildesheim.

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