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Leonard Cohen bringt neue CD heraus

„Old Ideas“ Leonard Cohen bringt neue CD heraus

Pläne machen mit 77: Leonard Cohen will wieder mit dem Rauchen anfangen – und bringt eine neue CD heraus.

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Stilvoll wie immer: Leonard Cohen grüßt mit einer neuen Platte und alten Ideen.

Quelle: dpa

Es ist immer gut, sich Ziele zu setzen. Mit dem Rauchen anzufangen gehört zwar nicht zu den klassischen Erstrebenswertigkeiten, besonders nicht, wenn man ein junger Mensch ist, aber im Alter von 77 bekommt die Sache schon wieder etwas sehr Lässiges. Leonard Cohen hat genau dieses Alter, und mit 80 will er nach eigenem vorfreudigen Bekunden mit dem Rauchen anfangen. Es ist zwar ein Wiederbeginn – der Poet existierte weite Teile seines Lebens nur mit Kippe im Mundwinkel –, aber mit 80 Jahren etwas zu beginnen  gibt dem Leben einen winzigen Hauch Unendlichkeit und dreht dem Tod eine Nase. Cohen scheint jedenfalls noch viel vorzuhaben. Die Tournee vor zwei Jahren hat wohl einiges in Gang gesetzt, nicht nur bei seinen entzückten Fans, sondern auch bei ihm selbst. In dieser Woche erscheint sein neues Album, Konzerte geben will er auch wieder.

„Old Ideas“ heißt die Liedersammlung, und der Titel drückt ziemlich genau aus, um was es bei dem Projekt geht. Cohen hat Notizen ausformuliert, die er irgendwann im Laufe der Karriere aufgeschrieben hatte. Wer jetzt denkt, es sei ein Bruchteil dessen, was sich in einem Dichterleben so ansammelt, liegt nur bedingt richtig, wie Cohen gerade in einem vom „Rolling Stone“ initiierten Gespräch mit dem vierzig Jahre jüngeren Rocksänger Jarvis Cocker bekannt hat. Nein, er sei einfach kein Ideenquell, sondern müsse seine Songs mehr oder weniger zusammenkratzen. Eine Schublade voller kreativer Ansätze, die man bei Bedarf einfach hervorkramen und ausformulieren müsse, gebe es in seinem Schreibtisch auch nicht.

Das darf man durchaus verwunderlich finden bei den Songmonumenten, die der Kanadier im Laufe der vergangenen viereinhalb Jahrzehnte in die Musikgeschichte gemeißelt hat. Andererseits ist Cohen immer schon der Antitypus dessen gewesen, was man zuvorderst mit Quantität in Verbindung bringen würde. Ein Schwätzer war er noch nie, er sprach immer nur, wenn er wirklich etwas zu sagen hatte. Das gibt seinem künstlerischen Gesamtwerk etwas Verbindliches und auch Vertrautes, fast Intimes. In einer gestreamten 3-D-Welt zwischen Newsletter und Cloudcomputing wirkt Cohen wie ein alter Fels, den die Brandung ein bisschen dunkler färbt, dem sie aber nichts anhaben kann.

So erleben wir auch auf „Old Ideas“ das zelebrierte Wort. Vorgetragen mit einer Stimme, die sich noch ein Stück tiefer eingepegelt hat, obwohl man eigentlich schon seit zehn Jahren das Gefühl hat, dass das gar nicht mehr geht. Wenn er dann wieder raucht, werden seine Brummtöne vermutlich nur noch von Elefanten wahrgenommen. Bis dahin umschmeichelt Cohen uns mit hörbarer, fast fühlbarer Stimme, die zu wärmen scheint, auch wenn es um Abschied oder Dunkelheit geht. „Darkness“ ist eine fast heitere Betrachtung düsterer Gedanken. Über Cohens gehauchten Sätzen ertönt eine beschwingte Orgel, während der Song gemütlich dahinrumpelt. „Crazy to love you“ könnte eine seiner ganz alten Ideen sein, eine bittersüße Beziehungserinnerung, die auch auf „Songs from a Room“ gut gepasst hätte. Bei „Come Healing“ erklingen die engelsgleichen Stimmen der Webb Sisters, zweier Damen, die schon bei seinen jüngsten Konzerten für schwebende Momente zwischen Abba und Manhattan Transfer sorgten. Und mal ehrlich: Von wem möchte man sich lieber ein „Lullaby“ singen lassen als von Leonard Cohen?

Die Songs sind luftig und klug arrangiert, weil für alles Platz zu sein scheint, neben den wunderbaren Stimmen Bluesgitarren, Banjos, Streicher, Klavier, Orgel, Mundharmonikas, sogar kleine elektronische Spielereien. Auch hier gilt: Lieber alles nur einmal als alles auf einmal. Cohen umgibt sich mit Könnern, das gehört zu seinem Stil. Und wenn er sich eins bewahrt hat in seiner Karriere, dann ist es Stil. Schade, dass davon demnächst nur noch Elefanten profitieren. Aber vielleicht überlegt er sich die Sache mit dem Rauchen ja noch einmal.
Leonard Cohens CD „Old Ideas“ erscheint am Freitag.

Uwe Janssen

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