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Heftige Debatte um Auftritt von Augstein

Literarischer Salon Heftige Debatte um Auftritt von Augstein

Monatelang stand er unbeachtet auf der Gästeliste. Seit Wochen aber gibt es heftige Debatten um die Einladung des Mannes, der in einigen Tagen nach Hannover kommen sollte: Jakob Augstein, Sohn des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein, Kolumnist und Herausgeber der Wochenzeitung „Der Freitag“, sollte am Montag Gast des Literarischen Salons der Leibniz Universität sein.

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Umstrittener Streiter: Jakob Augstein.

Quelle: Archiv

Hannover. Doch um den Auftritt des Mannes, der vor gut einem Jahr im Ranking antisemitischer Äußerungen, die das Simon-Wiesenthal-Center herausgibt, auf Platz neun landete, wurde in Hannover heftig gestritten. Dass die Auftrittspläne studentische Diskussionen befeuern, ist im Conti-Hochhaus seit Wochen an Plakaten zu erkennen, die unter dem Titel „Der ehrbare Antisemit“ dazu aufrufen, man müsse „Jakob Augstein eine Absage erteilen“. Augsteins „antisemitischen Wahnvorstellungen“ dürfe „keine Bühne“ geboten werden, heißt es in einem Aufruf. Mittlerweile hat Jakob Augstein seine Lesung in Hannover abgesagt.

Was im Internet nach Boykottaufruf klingt und die Zeitung „Die Welt“ bereits zur Schlagzeile „Ein Saboteur wird sabotiert“ verleitet hat, ist bei näherem Hinsehen nur ein Aufruf zur kritischen Auseinandersetzung mit Augstein. Aufgrund des Beschlusses einer studentischen Vollversammlung Ende vergangenen Jahres und nach einem Treffen mit den Veranstaltern des Literarischen Salons sei man übereingekommen,  „gegen Augstein zu protestieren und mit ihm zu diskutieren“, sagt Monty Maximilian Ott, Sprecher der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hannover und Mitglied im DIG-Jugendforum. Das unterstütze zwar die Plakataktion in der Universität, setze aber auf einen differenzierteren Umgang mit Jakob Augstein. „Wir wollen nicht darum streiten, ob Augstein Antisemit ist, wir stufen aber seine Äußerungen als Israel-bezogene Judenfeindschaft ein.“

Kay Schweigmann-Greve, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hannover, betont, dass es nicht darum gehe, Augstein einen überkommenen, rassistisch argumentierenden Antisemitismus nachzuweisen. „Seine impertinenten Äußerungen zu Israel sind Zeugnisse einer ganz grundsätzlichen Ablehnung des Staates Israel, die sich ihre Anlässe sucht.“ Auch das Wiesenthal-Center hatte Augstein zunächst nicht als antisemitische Person eingestuft, sondern Augsteins Äußerungen auf der Liste der „Top Ten Anti-Israel/Anti-Semitic Slurs“, also der Top-Liste antiisraelischer oder antisemitischer Verunglimpfungen, aufgeführt.

Jens Meyer-Kovac, Mitgründer des Literarischen Salons und Moderator der Veranstaltung am Montag, sagt, die Israel-kritischen Äußerungen Augsteins ließen sich „zwar ambivalent deuten, zu einem Antisemiten machen sie ihn allerdings nicht“. Der Salon habe in den mehr als zwanzig Jahren seines Bestehens nie im Verdacht gestanden, die Diskriminierung von Minderheiten oder Bevölkerungsgruppen zu unterstützen. „Ganz selbstverständlich wenden wir uns als Veranstalter gegen jede Form des Antisemitismus.“

Gegenstand der für Montagabend geplanten Debatte mit Augstein solle dessen neues Buch „Sabotage“ und das darin kritisierte politische System in Deutschland sein. In dem Buch, das auch ein Gespräch mit dem Soziologen Oskar Negt enthält, mahnt Augstein, dass „wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen“.

Im Publikumsgespräch soll auch Gelegenheit zu Debatten um Augsteins Israel-Kritik sein. DIG-Vertreter Ott erklärte, er wolle das neue Augstein-Buch „kontextualisieren“, also in den Zusammenhang von Augsteins sonstigem Denken stellen.
Augstein war 2012 mit Sätzen wie „Die Atommacht Israel gefährdet den Weltfrieden“, „Israel züchtet sich seine Feinde selbst in Gaza“ oder „Israels Fundamentalisten sind vom selben Zuschnitt wie seine islamistischen Gegner – sie folgen der Logik der Revanche“ auf der Top-Ten-Liste des Simon-Wiesenthal-Centers gelandet.

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Nach Antisemitismus-Debatte

Der Kolumnist und Herausgeber Jakob Augstein hat seine umstrittene Lesung in Hannover abgesagt. Er wollte am Montag im Literarischen Salon sein neues Buch vorstellen – doch der Auftritt fand nicht nur Befürworter. Boykottaufrufe und Warnungen vor „antisemitischen Wahnvorstellungen“ machten die Runde.

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