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Kultur Mit Thomas Reiter hinter den Horizont
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22:13 08.11.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
„Das macht man nicht wegen des Essens“: Thomas Reiter in einer Sojus-Kapsel. Quelle: dpa
Hannover

Es läuft ganz gut im Literarischen Salon. Die Lesung des ehemaligen Drogenabhängigen Sick im Audimax - ausverkauft. Der Pianist Igor Levit im Gespräch mit HAZ-Musikkritiker Stefan Arndt - ausverkauft. Kommende Woche wird „Tagesthemen“-Moderator Ingo Zamperoni mit HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt über die medialen Begleiterscheinungen der Wahl in den USA sprechen - der Abend ist bereits ausverkauft. Jetzt war der Astronaut Thomas Reiter im Literarischen Salon zu Gast. Auch er berichtete vor ausverkauftem Haus von seinen Reisen in den Weltraum.

Gut gelaunt erzählte Thomas Reiter, der zweimal für jeweils etwa ein halbes Jahr im All war und jetzt als ESA-Koordinator für die Internationale Raumstation arbeitet, vom Alltag eines Astronauten. Das Essen im All sei so lala, sagt er; auf der Internationalen Raumstation sei die Auswahl zwar etwas größer als auf der ehemaligen russischen Weltraumstation Mir, aber im Ganzen doch überschaubar: „Wegen des Essens wird wahrscheinlich niemand in den Weltraum fliegen.“ Reiter kann sich noch gut daran erinnern, wie eine Versorgungskapsel neben viel anderem Material einmal auch vier frische Grapefruits zur Raumstation brachte: „Wenn ich daran denke, läuft mir heute noch das Wasser im Munde zusammen“, sagt er.

Der ehemalige Astronaut ist begeisterungsfähig, und er vermag seine Zuhörer zu begeistern. Wenn er den Blick von der Raumstation auf die Erde beschreibt („diese zarte, dünne Schicht unserer Atmosphäre“) oder den Blick von der Nachtseite der Erde ins Weltall („Die Sterne sind gestochen scharf, sie funkeln nicht. Und es sind so viele, dass die bekannten Sternbilder kaum zu finden sind“), dann wird es ganz still im Saal.

Die bekannte Frage, ob die Milliardenausgaben für die Raumfahrt angesichts des Hungers in der Welt überhaupt vertretbar seien, konnte sich Moderator Joachim Otte nicht verkneifen. Thomas Reiter gab zwei Antworten. Zum einen erwähnte er die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die die Raumfahrt hervorbringe (wie Untersuchungen zur Viskosität von Metallschmelzen oder zu Wachstumsmechanismen bei Pflanzen); zum anderen wies er darauf hin, dass es beim Vorstoß ins Weltall schlicht um die Erweiterung unseres Wissens gehe: „Die Geschichte der Menschheit ist durch die Entdeckung dessen, was hinter dem Horizont liegt, gekennzeichnet.“

In diesem Zusammenhang machte Reiter, der auch Brigadegeneral der Luftwaffe ist, eine interessante Bemerkung. Er sagte: „Ich bin überzeugt, dass der Nachweis von außerirdischem Leben bereits in diesem oder dem nächsten Jahrzehnt erbracht werden kann.“ Und: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da draußen bei diesen Milliarden von Sternen kein anderes - möglicherweise intelligentes - Leben geben soll.“

Noch vor zehn, 20 Jahren hätte man solche Aussagen als esoterisch belächelt. Heute aber wirkt das ganz normal.

Am Montag, 21. November, sind zwei Fußballschiedsrichter im Literarischen Salon zu Gast. Titel der Veranstaltung: „Wir pfeifen!“ Dafür gibt es noch Karten.

Salut Salon erobert mit intelligenten Respektlosigkeiten seit fast 15 Jahren die internationalen Bühnen. Und schafft es, in einer höchst unterhaltsamen Melange aus klassischen Klängen, Pop- und Filmmusik, Parodie, Instrumentalakrobatik und Klamauk ein großes Publikum zu begeistern. Am Sonntag spielten sie im Theater am Aegi.

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