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Longlist für Deutschen Buchpreis steht fest

Rothmann reicht nicht ein Longlist für Deutschen Buchpreis steht fest

Dicke Wälzer mit höchst unterschiedlichen Themen: Die 20 Titel auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stehen fest. Ein möglicher Favorit hat sich selbst aus dem Rennen genommen.

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Quelle: dpa

Frabkfurt/Main . Ein emeritierter Professor trifft auf junge afrikanische Flüchtlinge in Berlin - und in einem Heim für Behinderte spielt sich in einer Art Dreiecksverhältnis ein kompliziertes Psychodrama ab. Die neuen Romane von Jenny Erpenbeck und Clemens J. Setz könnten thematisch kaum unterschiedlicher sein. Doch beim Deutschen Buchpreis können sich beide Bücher begründete Hoffnungen auf einen Platz im Finale am 12. Oktober machen.

Erpenbeck und der erst 32 Jahre alte Setz gehören zu den prominentesten Autoren auf der am Mittwoch in Frankfurt veröffentlichten Longlist für den Buchpreis. Eine siebenköpfige Kritikerjury hat dafür fast 200 Titel der deutschsprachigen Verlage gesichtet. Am 16. September wird daraus eine Shortlist von sechs Romanen erstellt. Am Vorabend der Frankfurter Buchmesse steht dann fest, wer die inzwischen wichtigste literarische Auszeichnung des Landes bekommt. Im vergangenen Jahr gewann Lutz Seiler mit dem DDR-Aussteigerroman "Kruso".

Vielseitigkeit von überall

"Es geht um erste und letzte Dinge", sagt Jury-Sprecherin Claudia Kramatschek zur Bandbreite der Longlist. Ganz egal, ob der Roman nun in Deutschland oder in fernen anderen Ländern spiele. Aus Sicht der Jury ein Beweis dafür, wie vielfältig die deutschsprachige Literatur derzeit ist.

Auffallend ist auch, dass es in diesem Jahr auf der Longlist viele Wälzer gibt. Der Roman von Setz ("Die Stunde zwischen Frau und Gitarre") bringt es auf 1000 Seiten, Feridun Zaimoglus Familiensaga ("Siebentürmeviertel"), angesiedelt im Istanbul der Vorkriegszeit, ist fast ebenso dick. Erpenbecks Roman ("Gehen, ging, gegangen") ist mit 350 Seiten vergleichsweise schmal.

Ein Kandidat für die Shortlist ist auf alle Fälle auch Ilija Trojanow mit seinem neuen Polit-Roman "Macht und Widerstand", für den er - ähnlich wie Zaimoglu die Türkei - seine bulgarische Heimat besucht hat. Alina Bronsky wiederum erzählt in ihrem neuen Roman ("Baba Dunjas letzte Liebe") die wundersame Geschichte einer Tschernobyl-Heimkehrerin, die sich im Niemandsland einrichtet.

Setz, Erpenbeck, Zaimoglu, Trojanow, Bronsky: Sie alle standen bereits mit früheren Romanen auf der Longlist. Das gilt auch für die beiden Schweizer Rolf Lappert und Ralph Dutli. Auch die 26-jährige Grazer Autorin Valerie Fritsch, die vor wenigen Wochen beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb zwei Preise abräumte, hat es auf die Longlist geschafft. Und Ulrich Peltzer ist vertreten. In "Das bessere Leben" beschäftigt er sich erneut mit den politisch bewegten Zeiten der 1970er Jahre.

Rothmann reicht nicht ein

"Da sind viele interessante Bücher dabei", lobt Bettina Fischer, Leiterin des Literaturhauses Köln, die Jury. "Eine Wundertüte aus Kleinem und Großem", meint ihr Kollege Rainer Moritz vom Literaturhaus in Hamburg eher spöttisch. Alles auf der Longlist sei fast zu sehr abgewogen worden. Dies gelte für große und kleine Verlage, Frauen und Männer sowie die Autoren aus den drei Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz. Beide freuen sich, dass auch Steffen Kopetzkys historischer Abenteuerroman "Risiko" von der Jury berücksichtigt wurde.

Der prominenteste Autor, der auf der Longlist fehlt, ist Ralf Rothmann. Sein Bestseller "Im Frühling sterben" über die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs, als ein blutjunger Soldat seinen desertierten Freund exekutieren muss, gehört zu den meistdiskutierten Romanen des Jahres. Der Autor wollte aber - ohne Angabe von Gründen - trotz mehrfacher Jury-Aufforderung sein Drama über den Zweiten Weltkrieg nicht einreichen. "Die Bücher auf der Liste stehen aber Rothmann nicht nach", versichert Jurysprecherin Kramatschek.

dpa

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