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Warum schiebt er die Waschmaschine durchs Land?

Ludger Bücker Warum schiebt er die Waschmaschine durchs Land?

Schon zwei Mal hat Ludger Bücker seine Waschmaschine Mikaela auf einer Sackkarre durch ganz Deutschland geschoben. Den Grund für seine Reise und rührende Begegnungen auf seinem Weg erklärt Buchautor Ludger Bücker im Interview.

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Ludger Bücker hat eine Waschmaschine durch Deutschland geschoben – und ein Buch darüber geschrieben

Quelle: Stephan Schütze

Herr Bücker, Sie sind mit einer Waschmaschine durch Deutschland gelaufen ...

Ja, nun schon zweimal. Das erste Mal vom Bodensee am Rhein entlang bis nach Wesel, dann die Lippe hoch bis zu meinem Heimatdorf. Die zweite Tour führte mich an Nord- und Ostsee: von Emden bis Sylt und dann von Dänemark bis zur polnischen Grenze.

Aber in Ihrem Buch, das am 18. Januar erscheint, berichten Sie nur von der ersten Reise.

Genau. Meine Freundin hatte mich angestiftet, das alles doch mal aufzuschreiben. Bei der Reise habe ich Tagebuch geführt und später ist dann das Buch daraus entstanden.

Soll es über die anderen Reisen auch Bücher geben?

Das überlege ich noch. Wahrscheinlich werde ich es versuchen, mal sehen, ob es klappt. Die erste Reise war schon spektakulär, gerade auch von den Bekanntschaften, die ich da machen konnte. Bei der zweiten Reise war das nicht so, an der Ostseeküste war ich oft stundenlang unterwegs, ohne jemanden zu treffen. Aber ich werde auch versuchen, darüber etwas zu Papier zu bringen.

Warum sind Sie eigentlich mit einer Waschmaschine losgezogen?

Zuerst hatte ich mir überlegt, mit dem Fahrrad loszuziehen. Aber einerseits hatte ich Probleme mit dem Knie und andererseits war mir das auch zu schnell. Wenn du mit dem Fahrrad fährst, winkst du den anderen höchstens mal zu, mehr passiert nicht. Mit einer Waschmaschine ist man natürlich langsamer unterwegs. Und da öffnen sich viele Gelegenheiten für Gespräche.

In Ihrem Buch schildern Sie sehr viele Begegnungen. Die Waschmaschine, die von Ihnen auf den Namen Mikaela getauft wurde, schien dabei so eine Art Türöffner zu sein.

Ja, sie war ein Eisbrecher. Ich wurde oft darauf angesprochen. Das Witzige aber war, dass sich die Gespräche nur ein paar Minuten um die Maschine drehten, dann ging es immer um etwas anderes. Die Leute haben mir von ihrem Leben und von ihren Problemen erzählt.

Da haben Sie sicher auch einige traurige Geschichten gehört.

Natürlich. Es waren nicht nur witzige Geschichten. Wie das Leben so ist. Ich habe von Eheproblemen und Scheidungen gehört, von Todesfällen und Krankheiten. Einmal bin ich mit einem Mann ins Gespräch gekommen, dem der Arzt kurz zuvor eröffnet hatte, dass er Bauchspeicheldrüsenkrebs hat. Das war schon heftig. Und es war beeindruckend, wie redebedürftig die Menschen sind. Mich hat das immer sehr nachdenklich gemacht, dass so ein Wildfremder wie ich der Adressat so vieler Geschichten war.

Wenn Sie mit einem Staubsauger unterwegs gewesen wären, hätte das wahrscheinlich nicht so gut funktioniert.

Das liegt auch daran, dass so eine Waschmaschine einigermaßen imposant ist. Die meisten haben so ein Ding zu Hause herumstehen und wissen, wie schwer das ist. So eine Maschine 1200 Kilometer mit der Sackkarre vor sich herzuschieben ist wohl ziemlich beeindruckend. Daher hat mir Mikaela viele Gesprächsmöglichkeiten eröffnet.

Wie ist das mit dem Zweifel? Haben Sie unterwegs öfter mal über die Sinnhaftigkeit der Angelegenheit nachgedacht?

Wenn man über Stunden am Tag unterwegs ist, fragt man sich schon, was man da eigentlich macht. Aber je mehr man den Sinn sucht, umso einfacher wird die Antwort: Es war einfach sinnfrei. Nicht sinnlos, aber sinnfrei. Je länger ich unterwegs war, umso positiver habe ich die Sache empfunden: Ich war in Bewegung, ich war an der frischen Luft, ich habe abgenommen und ich habe Leute kennengelernt. Eigentlich sollte man immer mit der Waschmaschine auf Reisen gehen.

Eine Kunstaktion war das, was Sie unternommen haben, aber nicht. Oder?

Nein. Ich würde es nicht als Kunst ansehen. Es ging eher darum, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Und ihnen vielleicht kurz die Idee zu vermitteln, mal auf die Bremse zu treten. Im Grunde war es eine Entschleunigungsaktion.

Wann geht’s wieder los mit der Waschmaschine?

Das ist ein bisschen schwierig zu organisieren. Ich muss dafür ein paar Wochen Urlaub am Stück bekommen. Die letzte Aktion mit Mikaela war ein 24-Stunden-Lauf.

Oha.

Ich wollte an meine Leistungsgrenze gehen. Da habe ich auf dem Sportplatz unseres Dorfes mit der Waschmaschine 100 Kilometer am Stück zurückgelegt.

Und was ist mit einer neuen Wanderung?

In diesem Jahr soll es die dritte Tour mit der Waschmaschine geben. Die soll uns von West nach Ost über die Alpen führen. Ich fänd’s auch schön, mit Mikaela in der Gondel auf die Zugspitze zu fahren.

Müssen Sie dann an der Seilbahnkasse eine Waschmaschinenkarte lösen?

So ein Problem hatte ich am Rhein öfter mal bei den Fähren. Mikaela ging dann meist als Lastentransport durch.

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