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Die besten Bilder der Welt auf der Expo-Plaza

Lumix-Festival Die besten Bilder der Welt auf der Expo-Plaza

Minen, Masken, Macken und Menschen: Junge Top-Fotografen zeigen in Hannover auf dem fünften Lumix-Festival ihre besten Bilder aus aller Welt. Der beste Fotograf gewinnt mit dem Freelens Award 10.000 Euro. Noch bis Sonntag können die Bilder auf dem Expo-Plaza bestaunt werden.

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Julius Schrank hat diese Szene in New York vor die Linse bekommen.

Quelle: Julius Schrank

Hannover. Es ist nicht schön, Durchschnitt zu sein. Oder? Durchschnitt ist Mittelmaß, graue Maus, nicht schlecht, aber auch nicht gut und herausragend oder besonders schon gar nicht. Durchschnitt eben. Aber manches ist eben so besonders durchschnittlich, dass es schon wieder herausragend ist. Haßloch zum Beispiel. Die rheinland-pfälzische Gemeinde ist der offiziell durchschnittlichste Fleck in Deutschland – zumindest was die Alters- und Sozialstruktur angeht. Das hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelt und die 20. 000-Einwohner-Stadt zum Testgebiet für neue Produkte oder gar das politische Wahlverhalten erklärt. Was der Haßlocher kauft, kauft auch der Rest in Deutschland.

Sie setzen ihr Leben aufs Spiel, um das Leid von Menschen in Kriegs- und Krisengebieten zu dokumentieren. Die Arbeiten herausragender junger Fotografen sind auf dem früheren Expo-Gelände in Hannover zu bewundern.

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Der Fotograf Janek Stroisch, der ganz in der Nähe in Heidelberg geboren ist, hat Haßloch besucht. Das Bierfest mit Bierfestkönigin Cathrin, die Terrarienbörse, eine Beerdigung und natürlich auch Supermärkte. Alles so weit ganz normal. Dem Betrachter bleibt überlassen, wie sich sein Eindruck von Durchschnitt mit dem pfälzischen Kleinstadtalltag deckt.

Stroischs Reportage jedenfalls sei über dem Durchschnitt, befanden die Juroren des fünften Lumix-Festivals für jungen Fotojournalismus und wählten die Serie aus weit über tausend Einsendungen für den Wettbewerb aus. Von Mittwoch an bis zum Sonntag sind die insgesamt 60 Bildstrecken rund um die Expo-Plaza zu sehen – im Design Center und seinen Nebengebäuden, im Skywalk entlang des Schnellwegs und auf dem Expo-Ostgelände, dort auch in den Gärten des Wandels unter freiem Himmel.

Dass Stroisch vor Ort an der Hochschule Hannover studiert, sieht nur auf den ersten Blick nach Heimvorteil aus. Der Studiengang für Fotojournalismus und Dokumentarfotografie ist mittlerweile Europas Top-Adresse für angehende Bildjournalisten, selbst weltweit ist Hannover vorn dabei – und stellt im Festivalwettbewerb um den mit 10 000 Euro dotierten Freelens Award, den HAZ-Publikumspreis und weitere Auszeichnungen mit zehn Studierenden und acht Absolventen die größte Gruppe. Dabei ist auch HAZ-Fotografin Insa Hagemann, die junge Menschen mit schweren, seltenen Krankheiten begleitet hat.

Das Lumix-Festival, nahezu im Alleingang von den Studenten und Mitarbeitern der Hochschule organisiert, ist alle zwei Jahre zugleich Nabelschau der Gastgeber und Treffpunkt für die Branche. Zahlreiche Verbände halten ihre Jahrestagungen diese Woche in Hannover ab, Studiengruppen aus Russland, Spanien, England, Dänemark und den USA sind zu Gast, und der renommierte Erich-Salomon-Preis wird am Freitag hier vergeben – an Rolf Nobel, den Erfinder des Festivals, der im August als Hochschulprofessor in den Ruhestand geht.

Es sei das breiteste Themenspektrum der bisherigen Lumix-Historie, sagte Nobel bei der Vorstellung des Festivals. Es ist auch sein Verdienst, dass es so eine raumgreifende Fotoausstellung überhaupt noch gibt. Denn wir haben eigentlich genug von Bildern, wir stecken bis zum Hals drin. Es wird immer schwerer, in der Schnellschnell- und Exhopp-Kultur der Sozialmedien zu vermitteln, dass gute Bilder Zeit, Mühe und Geld kosten. Und auch Überwindung. Wie bei der Amerikanerin Nancy Borowick, die ihre krebskranken Eltern mit der Kamera bis in den Tod begleitet und entschieden hat, diese intimen, berührenden Bilder öffentlich zu zeigen.

Jun Michael Park und das große Unglück

Der Koreaner Jun Michael Park hat sich einer landesweiten Tragödie angenommen, dem Unglück der Fähre Sewol, bei dem vor gut zwei Jahren 304 Menschen starben, zumeist Kinder auf einem Schulausflug. Die Umstände des Unglücks und der Rettungsbemühungen sind weiter im Dunkeln, die Regierung sträubt sich gegen die Aufklärung. Park hat die Eltern der Kinder auf ihrer verzweifelten und beharrlichen Suche nach Antworten begleitet. Elena Chernyshova hat die nordrussische Großstadt Norilsk am Polarkreis besucht, eine Stadt der Extreme: Dreiviertel des Jahres fest im Griff von Schnee und bis zu minus 50 Grad Kälte, bis 1956 sowjetisches Gulag, heute im zweifelhaften Ruf, mit seiner hochprofitablen Nickelfabrik eine der dreckigsten Städte der Welt zu sein.

Fast das Gegenbeispiel liefert, nicht nur in seinen Bildern, der Kanadier Aaron Vincent Elkaim. Er hat Menschen am Rande des brasilianischen Flusses Riu Xingu beobachtet wie die vier Jungen, die auf einem im Wasser stehenden Baum herumklettern. Eines der größten Wasserkraftwerke der Welt soll bis 2019 fertig sein, riesige Stauseen wurden dafür angelegt, sie beeinflussen das Ökosystem im Amazonasgebiet und wirken sich auf das Leben der Bevölkerung aus.

Die Flüchtlingswelle hat ihren Platz in den Ausstellungen, aber sie dominiert nicht so wie beim Vorgängerfestival der Arabische Frühling. Das liege auch an der „Boykottpolitik der Betreiber von Flüchtlingsheimen“, beklagte Rolf Nobel gestern. Es werde immer mit Schutz der Flüchtlinge argumentiert, dabei könne eine Berichterstattung über die tatsächliche Situation in den Heimen rechte Propaganda konterkarieren. Eine der Storys hängt an der Fassade des Deutschen Pavillons, in dem zurzeit mehrere Hundert Flüchtlinge untergebracht sind.

Osteuropa übt ungebrochenen Reiz auf viele Dokumentarfotografen aus. Aber auch der amerikanische Kontinent ist vertreten, ob es Bego Antons patriotische Dogdance-Fans in den USA sind, Christopher Capozziellos düstere Geschichte über den heutigen Ku-Klux-Klan oder Jonas Wreschs bemerkenswerter Blick auf Kolumbiens Weg zum Frieden. Und selbst bei Amerika auf dem „Lumix“ kommt Hannover ins Spiel. Eine Story über das Urban Farming in US-Metropolen stammt von Mario Wezel, sie wurde im vergangenen Herbst mit dem VGH-Preis ausgezeichnet.

Bis Sonntag von 10 bis 20 Uhr. Karten im Design Center, Expo Plaza 2. Alle Infos, Lageplan, Begleitprogramm und Technikschau:  www.fotofestival-hannover.de

Die HAZ vergibt Publikumspreis

Die HAZ-Redaktion stiftet beim Lumix-Festival erneut den mit 1000 Euro dotierten Publikumspreis. Von heute an erhalten Besucher die Abstimmungskarten direkt mit der Eintrittskarte und können ihren Favoriten wählen. Unter den abstimmenden Teilnehmern werden drei Kameras DMC-G70AEG-K von Panasonic verlost. Die Abstimmungskarten können im neuen Containerdorf auf der Expo-Plaza abgegeben werden. Dort stellen sich auch erstmalig junge HAZ-Fotografen mit eigenen Bildern vor. Die HAZ kooperiert seit fast genau zehn Jahren mit dem Studiengang Fotojournalismus der Hochschule Hannover. Ausstellen werden mit Unterstützung von PosterXXL bis einschließlich Sonntag die Fotografen Insa Cathérine Hagemann, Philipp von Ditfurth, Alexander Körner, Katrin Kutter, Tim Schaarschmidt und Jan Philipp Eberstein. Ihre Bilder prägen regelmäßig die Berichte der HAZ – und finden auch international Anerkennung. Im Containerdorf laden die Aussteller auch regelmäßig zu Diskussionsrunden ein. So diskutieren morgen um 13 Uhr HAZ-Redakteur Volker Wiedersheim und HAZ-Fotograf Philipp von Ditfurth unter dem Titel „Kreativ bleiben zwischen Schützenfest und Scheckübergabe“ über den täglichen Widerspruch zwischen künstlerischem Anspruch und redaktioneller Wirklichkeit samt Zeit- und Termindruck. Am Sonntag geht es um 13 Uhr mit HAZ-Fotograf Alexander Körner um „Arbeiten im Krisengebiet“. Die Talks sind kostenlos.

Unter dem Titel „Hannover mit Lumix-Augen“ werden zudem von heute an täglich internationale Fotografen Fotos von Hannover machen. Die Ergebnisse des internationalen Blicks auf Hannover werden jeweils am Abend exklusiv auf www.haz.de zu sehen sein.

Das Lumix-Festival läuft bis Sonntag täglich von 10 bis 20 Uhr auf dem Expo-Gelände. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro.

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Lumix-Festival

Beim Lumix-Festival für junge Fotojournalisten zieht jeden Tag ein junger Fotograf durch Hannover. Auf HAZ.de zeigen wir täglich, wie dieser Blick auf Hannover aussieht, "Hannover mit Lumix-Augen" ist der Titel dieser kleinen Serie. Am Donnerstag ist Bego Antón durch die Landeshauptstadt gezogen.

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