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Lutherhaus Eisenach wird wiedereröffnet

Die Bibel als Lebenswerk Lutherhaus Eisenach wird wiedereröffnet

Martin Luther und Eisenach – damit verbinden die meisten Menschen vor allem die Bibelübersetzung auf der Wartburg. Doch die Beziehung des Kirchenreformators zu der Stadt ist älter.

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Magneten mit dem Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde liegen im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) auf einem Tisch.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Eisenach . Das grün-weiße Fachwerkhaus mit seinen schiefen Wänden, Sprossenfenstern und dem farbenfrohen Wandschmuck fällt auf in Eisenach. Touristen bleiben staunend stehen und fotografieren das mittelalterliche Haus, dessen ältester Balken aus dem Jahr 1269 stammt. Hier, im Stadtzentrum von Eisenach, soll der spätere Kirchenreformator Martin Luther (1483-1546) drei Jahre gewohnt haben. Zwei Jahre vor dem Reformationsjubiläum 2017 präsentiert sich das Eisenacher Lutherhaus nun von Grund auf saniert als modernes Museum. An diesem Samstag wird es nach zweijähriger Bauzeit mit einer neuen Dauerausstellung „Luther und die Bibel“ wieder eröffnet.

Das Lutherhaus ist das einzige klassische Museum unter den von der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland (EKM) betriebenen Lutherstätten in Thüringen und Sachsen-Anhalt, wie Kirchensprecher Ralf-Uwe Beck am Freitag sagte. Auf 100 000 Besucher hofft das Lutherhaus 2017, wenn der 500. Jahrestag des Reformationsbeginns begangen wird.

Der junge Luther hatte von 1498 bis 1501 in Eisenach gelebt, um sich hier auf sein Studium an der Universität Erfurt vorzubereiten. In Eisenach ging er zur Lateinschule, hier sang er im Kirchenchor der Georgenkirche - der Taufkirche des Komponisten Johann Sebastian Bach, dessen Taufeintrag im Kirchenbuch eines der 120 Exponate ist.

Rund 20 Jahre später fand Luther, inzwischen Kirchenrebell und vom Papst unter Bann gestellt, Zuflucht auf der nahegelegenen Wartburg.  In seinem Versteck übersetzte Luther 1521/22  das Neue Testament  vom Griechischen ins Deutsche übertragen und schuf damit die Voraussetzung für eine einheitliche deutsche Schriftsprache. „Diese hatte es so bis dahin nicht gegeben“, erläutert der wissenschaftlicher Leiter und Kurator des Museums, Jochen Birkenmeier.

Gemeinsam mit anderen Reformatoren  übersetzte Luther später auch das Alte Testament.  Luthers Wunsch, jedem Menschen Zugang zur Bibel zu verschaffen, erfüllte sich jedoch erst lange nach seinem Tod. „Erst im 18. Jahrhundert hat sich die Bibel zum erschwinglichen Massenprodukt entwickelt“, so Birkenmeier.

Das heikle Thema der Judenfeindlichkeit Luthers spart die Ausstellung nicht aus. Sie dokumentiert, wie von Luther in dessen späten Lebensjahren verfasste judenfeindliche Schriften später im Nationalsozialismus gezielt verbreitet wurden. Das in Eisenach ansässige Institut zur „Entjudung“ der evangelischen Kirche gab ein Neues Testament heraus, aus dem alles Jüdische getilgt war. Die Rolle dieses Instituts und der evangelischen Kirche in der Nazi-Zeit soll voraussichtlich in einer Sonderausstellung beleuchtet werden. Nach der Sanierung und der Erweiterung durch einen Anbau verfügt das Lutherhaus jetzt auch über einen Raum für Sonderausstellungen.

In Sanierung und Umbau des Lutherhauses sind  rund 3,95 Millionen Euro geflossen. Investiert wurde nicht zuletzt auch in moderne Sicherheitstechnik. Aus gutem Grund: Im Jahr 2013 waren zwei wertvolle Luther-Erstdrucke aus dem Museum verschwunden. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt.

dpa

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