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Männer am Abgrund im Drama „Company Men“ mit Ben Affleck

Filmkritik Männer am Abgrund im Drama „Company Men“ mit Ben Affleck

Wenn die Krise Führungskräfte kalt erwischt: Das Sozialdrama „Company Men“ mit Ben Affleck, Tommy Lee Jones, Chris Cooper und Kevin Costner startet am 7. Juli in den deutschen Kinos.

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Männer am Abgrund: Gene (Tommy Lee Jones, links) und Bobby (Ben Affleck) schlittern gut gekleidet in die Arbeitslosigkeit.

Quelle: Senator

Zur Wirtschaftskrise ist Hollywood noch nicht viel eingefallen. Das hat gewiss mit den langen Produktionszeiten von Filmen zu tun, die nur ein zeitversetztes Reagieren zulassen – aber diese Entschuldigung reicht bald vier Jahre nach dem großen Crash nicht mehr hin. Die Zurückhaltung hat wohl eher substanzielle Gründe: Immer schon wurde das US-Kino in schwierigen Zeiten von Weltfluchtgedanken befallen, das war auch in der großen Depression in den Dreißigern so. Niemand soll mit einer Misere behelligt werden, die er womöglich schon aus seinem Alltag kennt. Betrachtet man die zunehmende Zahl der Fantasy- und Animationsfilme, dann ist Mainstream-Hollywood heute mehr denn je dabei, sich aus der Wirklichkeit zu verabschieden.

Ein paar mehr oder weniger hilflose Versuche gibt es jedoch, sich der ökonomischen Misere zu stellen. Oliver Stone reduzierte den Börsencrash in „Wall Street 2“ auf ein Familiendrama. George Clooney legte in „Up in the Air“ eine immerhin elegante Bauchlandung hin. Tom Hanks instrumentalisiert momentan in „Larry Crowne“ Krise und Arbeitslosigkeit für eine Romanze.

Ende September ist endlich mal eine ernstzunehmende Auseinandersetzung aus der Höhle des Löwen zu erwarten: Das schon vor mehr als einem Jahr bei der Berlinale präsentierte Drama „Margin Call“ beleuchtet den großen Knall aus der Perspektive von Investmentbankern. Zudem gibt es einige erhellende Dokumentationen über kriminelles Finanzgebaren wie etwa „Inside Job“. Und jetzt hat noch ein US-Regisseur seinen Film unter ökonomischen Verlierern angesiedelt: John Wells zeigt in seinem Drama „Company Men“, wie Männer an den Abgrund geraten, die nie damit gerechnet hatten, dass ihnen so etwas passieren könnte.

Wells’ Regiedebüt ist in der oberen Mittelklasse angesiedelt. Bobby Walker (Ben Affleck) lebt bislang den personifizierten amerikanischen Traum. Bei dem lässigen Mittdreißiger ging es immer nur aufwärts. Guter Job, tolle Frau (Rose­marie DeWitt), nettes Kind, ein mit Konsumartikeln vollgestopftes Haus – und beim morgendlichen Start ins Büro röhrt satt der Porsche.

Am 7. Juli startet das Drama „Company Men“ mit Ben Affleck in der Hauptrolle in den deutschen Kinos.

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Dann kommt es für Bobby dicke. Beim ersten Meeting am Morgen will er noch mit seinen Erfolgen bei der jüngsten Golfrunde prahlen, Minuten später hält er die eigene Kündigung in Händen. Sein Bostoner Unternehmen soll im Dienste der Aktienbesitzer für die Übernahme fit gemacht werden – und befreit sich erst einmal vom mittleren Management. Sogar altgediente Führungskräfte werden abserviert, darunter Gene (Tommy Lee Jones) und Phil (Chris Cooper).

„Company Men“ zeigt exemplarisch, was Arbeitslosigkeit mit Menschen macht – auch wenn diese nicht den letzten Cent umdrehen müssen und am Hungertuch nagen. Man hat deshalb, jedenfalls zunächst, nur begrenzt Mitleid mit Bobby. Er muss lernen, auf seine Statussymbole zu verzichten: Aus dem Golfklub wird er rausgeworfen, den Porsche muss er verkaufen, und das großzügige Haus ist auch nicht zu halten.

Schlimmer als all dies ist jedoch Bobbys verletzter Stolz. Tief in ihm nagt, dass er als Verlierer gilt. In einer Gesellschaft, die sich vorrangig über Arbeit ­definiert, fühlt sich ein Arbeitsloser beinahe zwangsläufig als Ausschuss­produkt. Da helfen auch die seltsamen Motivationsversuche in der Auffanggesellschaft nichts („Wir sind Tiger!“), in die er zunächst abgeschoben wird.

Bald laufen einige traurige Gestalten durch diesen Film, für die teure Anzüge und Schlipse nur noch eine Art Verkleidung darstellen. Phil hält den schönen Schein so lange aufrecht, bis er endgültig zerbricht. Gene dagegen beharrt auch in der enthemmten Wirtschaftswelt auf Moral und Anstand – egal, was das kostet.

Bobby muss für sich einen eigenen Ausweg finden. Der, den Regisseur Wells bietet, ist allerdings allzu geradlinig geraten. Durch ehrlicher Hände Arbeit tankt Bobby neues Selbstvertrauen. Er überwindet seinen Stolz und verdingt sich als Hilfsarbeiter auf dem Bau bei seinem Schwager Jack (Kevin Costner). Schmerzende Knochen und Solidarität helfen ihm, die bohrenden Zweifel zu überwinden.

Damit zollt der Regisseur, bislang bekannt als Produzent gefeierter Fernsehserien („Emergency Room“, „The West Wing“), dem Glücksversprechen Hollywoods seinen Tribut. Aber sei’s drum, ein bisschen Trost kann nicht schaden. „Company Men“ ist trotzdem ein Beispiel für Hollywoodkino, das seinen Blick auf aktuelle Bedrängnisse richtet und trotzdem an der Verpflichtung zu guter Unterhaltung festhält.

Opfer der Wirtschaftskrise: Sozialdrama mit starker Besetzung. Cinemaxx Nikolaistraße.

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