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Kultur Malerischer Garten
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00:17 20.08.2016
Von Ronald Meyer-Arlt
Verbissschutz kann so schön sein: Pfahlkunst von Ricardo Saro im Untergut Lenthe. Fotos: Philipp von Ditfurth Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Was macht man so im Garten? Schauen und Lustwandeln, sagen die einen. Wäsche aufhängen, meinen die anderen. Der hannoversche Künstler Degenhard Andrulat gehört zu den anderen. In den wunderschönen und weitläufigen Gärten des Ober- und des Unterguts Lenthe hat er Objekte installiert, die in witzigem Widerstreit zur Großzügigkeit der Anlagen stehen. Andrulats Kunst spielt mit der kleinbürgerlichen Nützlichkeitsperspektive: Er hat Wäscheleinenobjekte in die Gärten gestellt. Im Garten des Unterguts hat er einige hundert Meter bunte Leine aufgehängt. Die Leinenstücke sind nur ganz kurz und miteinander verknotet. Mit den Linien der Leinen und den vielen Knoten rhythmisiert er die Landschaft. Er legt ein buntes Netz auf die Welt und gibt ihr wie mit Notenlinien fast eine Melodie.

Im Obergut hat er billige Wäscheständer übereinander gestapelt. Das so entstandene Objekt wirkt gleichzeitig wuchtig und fragil. Bunte Wäscheklammern, vertikal farbig geordnet, sorgen auch hier für einen eigenen Rhythmus - und sie erinnern an die Malerei des Künstlers. Auch auf Leinwänden zeigt er sonst gern farbige vertikale Linien. So ist seine Kunst im Garten auch ein raumgewordenes Bild.

Maler machen Skulpturen: Am Sonntag eröffnet die Ausstellung „Neue Kunst in alten Gärten“ im Unter- und Obergut Lenthe.

Das ist durchaus beabsichtigt. Hannes Malte Mahler, der vor einem Monat im Alter von 48 Jahren bei einem Verkehrsunfall gestorbene hannoversche Künstler, hat zusammen mit seinem Kollegen Hartmut Stielow einen originellen Plan für die von ihnen kuratierte Veranstaltungsreihe „Neue Kunst in Alten Gärten“ entwickelt. Die beiden wollten nach vielen Bildhauern in den vergangenen Jahren in diesem Jahr vorrangig Maler animieren, Kunstwerke für die Landschaftgärten zu schaffen.

Auch Ricardo Saro hat ein sehr malerisches Werk in den Garten gestellt: „Manhattan Transfer“ besteht aus bunten Pfählen und Verbissschutzhüllen - das sind halbtransparente Hartplastikhüllen, mit denen man in der Forstwirtschaft junge Bäume davor schützt, von Tieren abgeknabbert zu werden. Auch Saros Werk setzt viele Farbtupfer in den Garten, der witzige und politische Trotz der Andrulatschen Wäscheleinen fehlt ihm allerdings.

Meike Zopf, Malerin aus Hannover, hat eine Art Universum im Baum geschaffen. Unter einer großen Kastanie hängen ihre Objekte: Wolken, die aussehen, als wären sie aus Granit. Auf diese Steinwolken hat sie Häuser aus dem „Faller“-Modellbaukasten gesetzt. Den schwebenden Häuschen ist eine schöne Traurigkeit eigen. In den isolierten Welten wirken die Sprechblasen neben den Häusern besonders bizarr. Jeder brüllt etwas in die Welt hinaus, aber alles bleibt doch auf dem eigenen kleinen Kometen.

Die Malerin und Performancekünstlerin Lilla von Puttkamer bleibt zweidimensional. Sie hat flächige Figuren wie eine Lesende, Objekte wie eine Handtasche oder Tiere wie einen Wal geschaffen und sie an verschiedenen Orten im Park platziert. Der Wal steckt zwischen den knorrigen Ästen einer 160 Jahre alten Süntelbuche fest. Von Puttkamer nutzt den Park als Bühne. Das Stück, das sie aufführt, ist eher unspektakuläres Papiertheater. Aber schön.

Im Gegensatz zu ihr hat Lienhard von Monkiewitsch die dritte Dimension ins Bild gesetzt. Er hat Holzquadrate, die auf dem See schwimmen, so gestaltet, dass es aussieht, als würde in ihnen ein gigantischer Abfluss in die Tiefe führen. Maler können solche Effekte erschaffen. Und manchmal hat es einen ganz eigenen Reiz.

Vom 21. August bis zum 25. September in den Parks des Unter- und Oberguts Lenthe. Öffnungszeiten sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Führungen jeweils um 15 Uhr.

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