Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Marco Goecke wird ab 2019 Ballettdirektor am Staatstheater Hannover
Nachrichten Kultur Marco Goecke wird ab 2019 Ballettdirektor am Staatstheater Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:42 24.02.2018
„Ich musste schon eine Weile überlegen“: Marco Goecke. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

 Das neue Leitungsteam für die Staatsoper Hannover nimmt Formen an. Marco Goecke wird mit Beginn der Opernintendanz von Laura Berman zur Spielzeit 2019/20 neuer Ballettdirektor an dem Haus. Er folgt auf Jörg Mannes, der Hannover nach 13 Jahren verlassen wird.

Es ist eine durchaus spektakuläre Entscheidung: Der 44-jährige Goecke ist international als Choreograf aktiv und einigen wichtigen Kompagnien eng verbunden. 2005 wurde er Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts – dieses prestigeträchtige Engagement endet allerdings in dieser Spielzeit. 2013 wurde er zudem Associate Choreographer beim renommierten Nederlands Dans Theater. Er hat bislang rund 60 Choreografien erarbeitet, die auf der ganzen Welt gezeigt werden. Mehrfach waren seine Stücke auch bei den Movimentos-Festwochen in der Wolfsburger Autostadt zu sehen.

Was planen Sie in Hannover, Herr Goecke?

Herr Goecke, herzlichen Glückwunsch zum neuen Job! Mussten Sie länger überlegen, ob Sie ihn annehmen?

Ich musste schon eine Weile nachdenken. Mein Leben als freier Choreograf ist ja in gewisser Hinsicht seht bequem. Ich hatte zuletzt aber schon Sehnsucht nach so etwas wie einer künstlerischen Familie. Ich habe mich nach etwas Tieferem gesehn, was man als Gast nicht bekommen kann. Darum habe ich mich über die Anfrage gefreut.

Ein Unterschied zu Ihrer bisherigen Arbeit besteht darin, dass Sie für ein Ensemble verantwortlich sein werden. Haben Sie schon eine Vorstellung, wie das aussehen könnte?

Ich werde mir zunächst einmal die bestehende Kompanie intensiv anschauen. Ich bin ganz sicher niemand, der erst einmal alle rausschmeißt. Mein größtes Glück bei der Arbeit ist schließlich das gute Verhältnis zu den Tänzern. Ich muss also sehen, wer überhaupt Lust hat, mit mir zu arbeiten.

Wie groß wird das Ensemble denn sein?

Die Größe mit etwa 30 Tänzern möchte ich gern erhalten. Das ist eine gute Größe: intim und trotzdem eine Masse, ein Körper, mit dem man choreografisch etwas anstellen kann.

Sie stellen derzeit ja auf der ganzen Welt choreografisch Dinge an. Werden Sie das beibehalten, wenn Sie in Hannover sind?

Ich werde meine Freiräume haben und auch meine Verbindung zum Nederlands Dans Theater wird weiterbestehen – die Priorität liegt aber klar auf Hannover. Ich denke, dass sich so gute Verbindungen ergeben. Wenn ich international arbeite, ist das auch für meine Kompanie gut.

Wie viele Arbeiten werden Sie in Hannover zeigen?

Ich werde für zwei Produktionen verantwortlich sein. Zusätzlich lade ich Gäste ein. Ich bleibe zum Beispiel sicher mit dem holländischen Repertoire befreudet, da gibt es ja einige interessante Namen. Und ich bin sehr interessiert daran, den Nachwuchs zu fördern. Wir brauchen gute Choreografen für die Zukunft. Ich möchte hier Leute entdecken! 

Das hat in Hannover Tradition: Hier gibt es den Choreografenwettbewerb.

Das weiß ich natürlich, ich war hier vor 18 Jahren selbst. Ich bin damals aber leider nicht ins Finale gekommen.

Also schlechte Erinnerungen an Hannover?

Nein, ich war später öfter da. 2005 habe ich sogar auf Einladung des damaligen Ballettdirektors Stephan Thoss einmal an der Oper gearbeitet. Und neulich habe ich mich mit meiner Freundin Caroline von Hannover unterhalten, und sie sagt, sie habe in Hannover viele interessante Menschen kennengelernt. Da dachte ich: Dann probiere ich das auch mal.

„Goeckes Choreografien sprechen mich wie viele Zuschauer stark an, weil er mit seiner prägnanten Bewegungssprache die Stimmung der heutigen Zeit abbildet“, teilte die designierte Intendantin Berman gestern mit.  „Ich bin glücklich, dass ich einen so starken und konsequenten Künstler für Hannover gewinnen konnte“, so Berman. 

Goecke soll nach Bermans Vorstellungen neben eigenen Werken auch fremde choreografische Handschriften in der Oper präsentieren: „Er arbeitet mit Ballettkompanien weltweit und verfügt über beste Kontakte. Wir dürfen uns auf ein abwechslungsreiches Programm freuen, das den künstlerischen Ruf des Staatsballetts und Hannovers als Tanzstadt weiter ausbaut.“

Christiane Winter, Leiterin des Festival Tanztheater International, zeigte sich gestern überrascht, aber erfreut von der Wahl. Die Personalie sei „ein Wurf“ und „eine absolute Zusage für den Tanz“. Sie schätze Goeckes Arbeiten, von denen ihr stets „bestechende, große Bilder“ im Kopf geblieben seien. 

Als Ballettdirektor wird Goecke, der bislang ausschließlich als Choreograf gearbeitet hat, vom kommenden Jahr an in Hannover erstmals ein eigenes Ensemble aufbauen.

Von Stefan Arndt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein 24-Stunden-Challenge wird zum Albtraum. Youtuber begeben sich in „Heilstätten“ (Kinostart am 22. Februar) in eine verlassene Klinik, die als Spukhaus gilt. Tatsächlich müssen die vorwitzigen Kids bald um ihr Leben fürchten. Horrorfilm im pseudodokumentarischen Found-Footage-Stil.

11.03.2018

Ein 24-Stunden-Challenge wird zum Albtraum. Youtuber begeben sich in „Heilstätten“ (Kinostart am 22. Februar) in eine verlassene Klinik, die als Spukhaus gilt. Tatsächlich müssen die vorwitzigen Kids bald um ihr Leben fürchten. Horrorfilm im pseudodokumentarischen Found-Footage-Stil.

11.03.2018

In seiner neuen Kunstschau „Fake News“ zeigt das Sprengel-Museum gefälschte Originale und echte Kunsterfindungen – und wirft damit die alte Frage nach der künstlerischen Aura von neuem auf

23.02.2018
Anzeige