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„Das erzeugte viel Heiterkeit“

Mario Adorf im Theater am Aegi „Das erzeugte viel Heiterkeit“

Bevor er die Bühne überhaupt betritt, hat Mario Adorf sein Publikum schon für sich eingenommen: Der Schauspieler liest und spielt im hannoverschen Theater am Aegi.

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Mario Adorf bei seinem Auftritt im Theater am Aegi.

Quelle: Marta Krajinovi

Hannover. Auf einer Leinwand läuft als Einstimmung eine kleine Fotoschau: Die Bilder zeigen Adorf, Adorf, Adorf; immer jünger wird er auf den Fotografien. Erst sieht man den Mann von heute, einen gut erhaltenen 84-Jährigen, dann den Schauspieler in berühmten Rollen wie dem „Großen Bellheim“; irgendwann ist ein charmant lächelnder Mittzwanziger zu sehen und schließlich, ganz zum Schluss, ein kleiner Junge, der selbstbewusst in die Kamera schaut. Das Publikum im hannoverschen Theater am Aegi ist entzückt von diesem Schnelldurchlauf durchs Leben des beliebten Schauspielers. Als Adorf die Bühne im nahezu ausverkauften Haus betritt, applaudieren die Zuschauer schon enthusiastisch.

Das Foto des Jungen ist ungefähr zu der Zeit entstanden, als Mario Adorf seine erste, nun ja, Theaterrolle spielte. 1934 war das, als der damals Vierjährige der siebte Zwerg bei einer „Schneewittchen“-Aufführung im Waisenhaus der Eifelstadt Mayen war. Dorthin hatte die alleinerziehende Mutter das Kind für eine Weile geben müssen. Bei der Märchenaufführung fiel Mario der angeklebte Bart ab, und der eigentlich stumme Zwerg musste bitterlich weinen. „Das erzeugte viel Heiterkeit und etwas Mitleid“, sagt Adorf in Hannover.

Heiterkeit erzeugt auch seine Erzählung dieser Szene; und ab diesem Moment ist nahezu jeder im Saal hingerissen von dem Schauspieler. „Schauen Sie mal böse!“ heißt das Programm. Und mit dem toure er, sagt Adorf, „weil es mir Spaß macht“. Um mal gleich die Frage zu beantworten, die viele Besucher ihm wohl am liebsten stellen würden: „Warum macht er das noch? In seinem Alter? Kann der nicht Rosen züchten?“

Adorf liest Episoden aus seiner Kindheit und Jugend, er spricht über seine Zeit beim Studententheater und über die Schauspielschule. Er plaudert über eigenen Schwächen und Fehler - auch an diesem Abend ein gutes Manöver, um Sympathien zu gewinnen. Etwa als er erzählt, warum er nach einem grauenhaften Vorsprechen doch an der Schauspielschule angenommen wurde: Die Lehrer seien, habe er später erfahren, von seiner „Kraft und Naivität“ angerührt gewesen.

Adorf kann reichlich Anekdoten aus dem Theater und von Filmarbeiten zum Besten geben. Er schmückt seine Erzählungen mit Ausschnitten aus berühmten Monologen (Hamlet! Shylock!) und stimmt sogar die eine oder andere Arie an. Der Schauspieler will unterhalten, und das gelingt ihm. Das thematische Spektrum ist da ziemlich weit: Er redet über seine Zusammenarbeit mit Regielegenden wie Fritz Kortner und Robert Siodmak - und über Versprecher und Alkoholexzesse auf und hinter der Bühne. Da driftet der Abend dann Richtung Schenkelklopferhumor ab. Irgendwann, kurz vor Ende des Auftritts, ist Adorf bei den Episoden angekommen, in denen es um geöffnete Reißverschlüsse auf der Bühne geht. Man ist dann doch erleichtert, dass er an diesem Punkt Schluss macht.

Das Publikum applaudiert im Stehen, und Adorf schaut gar nicht böse.

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