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Eintauchen in den Lanegan-Kosmos

Mark Lanegan im Musikzentrum Eintauchen in den Lanegan-Kosmos

Ruhig, konzentriert, zurückhaltend: Rockmusiker Mark Lanegan gastierte mit seinem aktuellen Album „Phantom Radio“ im Musikzentrum Hannover. Eine Konzertkritik von Thomas Kaestle.

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Rotstichig: Mark Lanegan und Mitstreiter im Musikzentrum Hannover.

Quelle: Nancy Heusel

Hannover. Keiner macht besonders viele Worte an diesem Abend. Keine Ansagen oder Vorstellungen. Die Musik passiert einfach so. Wer Mark Lanegan schon kannte, hatte zweifellos keine leutseligen Plaudereien erwartet. „Dark Mark“ wird er gerne mal genannt. Dabei ist er einfach nur ruhig, konzentriert, zurückhaltend. Ausschließlich präsent mit seinen Songs und diesem rauhen, abgründigen Gesang, in dem sich ganze Welten ereignen. Jetzt gastierte er mit seinem aktuellen Album „Phantom Radio“ im Musikzentrum Hannover.

Er sei „getrieben von der Suche nach dem perfekten Verhältnis von laut und leise“, versuchte Lanegan sich einmal in einem Interview zu erklären. Die Zwischentöne findet er seit vielen Jahren in immer neuen Projekten, Instrumentierungen, Experimenten und Menschen. Kaum jemand aus der alternativen US-Rockszene, mit dem er noch nicht aufgetreten wäre oder gar etwas aufgenommen hätte. Mark Lanegan ist sein eigener musikalischer Kosmos.

Einmal durch die Rockgeschichte

Im Musikzentrum beschwört er mit seiner Band ein beeindruckend dichtes Konzentrat aus 50 Jahren US-Rockgeschichte. Inklusive historischer Anleihen an Pop und Wave der frühen Achtzigerjahre, die auch das aktuelle Album prägen. Das ist eindringlich, episch, unbeirrbar. Und begeistert die zahlreichen Fans.

Mark Lanegan weiß genau, dass er die Kraft seines Auftritts auch seinen brillanten Mitstreitern zu verdanken hat. Er bietet ihnen viel Raum. So spielen die belgische Band „Faye Dunaways“ und der britische Gitarrist Duke Garwood nicht als klassische Vorbands. Sie sind Teil des Lanegan-Kosmos, haben mit ihm komponiert, aufgenommen, sind Mitglieder seiner Band. Sie präsentieren eher einen Prolog, öffnen den musikalischen Baukasten, ob mit einem roh drohenden, knisternd-expressionistischen Soundteppich oder mit melancholisch geweiteten Geschichten auf einer halbakustischen Gitarre.

Wer all diese Menschen sind, erfährt man nicht während der Show. Sondern nur von der Frau am Plattentisch, die geduldig all die Verstrickungen zwischen angebotenen Konzertmitschnitten, Kooperationen und Soloprojekten erklärt. Sie ist die einzige, die viel redet an diesem Abend: als Reiseführerin durch Mark Lanegans Welt.     

Von Thomas Kaestle

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