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Kultur Netzaktivist Markus Beckedahl im Gespräch
Nachrichten Kultur Netzaktivist Markus Beckedahl im Gespräch
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00:20 07.06.2018
Markus Beckedahl, Chefredakteur von Netzpolitik.org. Quelle: Daniel Müller, Greenpeace Germany
Hannover

Markus Beckedahl, einer der einflussreichsten Blogger des Landes, kommt zu einem Vortrag nach Hannover. Am Telefon erzählt er über die Veranstaltungsreihe „re:publica“, die er mitgegründet hat.

Herr Beckedahl, Sie sind am 6. Juni beim Hanns-Lilje-Forum in Hannover zu Gast, das sich dann der „digitalen Gesellschaft“ widmen will. Fühlen Sie sich eigentlich manchmal wie ein Seelsorger, der den Menschen, die angesichts des digitalen Wandels verunsichert sind, Trost , Zuspruch und Orientierung geben muss?

Ich bin zuerst einmal Journalist und ordne technologische, gesellschaftliche und politische Entwicklungen ein. Als Bürger engagiere ich mich dafür, dass mehr Menschen mitbekommen, dass die Regeln für eine sich entwickelnde digitale Gesellschaft im Moment geschrieben werden und dass mehr Menschen sich selbst in die Debatten einbringen sollten.

Meinen Sie, dass solch ein protestantisches Forum der richtige Ort ist, um über digitalen Wandel zu sprechen? Die Bibel hilft bei diesen Fragen ja eigentlich kaum weiter.

Einer der Grundgedanken des Protestantismus sind Aufklärung und Selbstbestimmung, das sind auch die Werte von Open Source Communities wie Wikipedia oder von freier Software wie Firefox und Linux. Und gerade deswegen finde ich den Dialog mit der evangelischen Kirche so wichtig, weil sie noch mehr ihre Perspektive und damit auch gemeinsame Werte in die gesellschaftliche Debatte einbringen könnte.

Ein Forum für solche Debatten haben Sie mitbegründet: die re:publica, die mittlerweile wichtigste Plattform, auf der über Digitalangelegenheiten aller Art diskutiert wird. Die jüngste Ausgabe fand Anfang Mai statt. Waren Sie damit zufrieden?

Auf der zwölften re:publica kamen 10.000 Besucherinnen und Besucher und diskutierten in zahlreichen Vorträgen und Diskussionen über viele Facetten einer digitalen Gesellschaft. Wir sind sehr zufrieden, dass unser Format ankommt, das in Verbindung mit einer besonderen Atmosphäre steht, für die die re:publica bekannt ist. Aber vor allem sind wir zufrieden, dass wir viele Menschen mit unserem Programm ermächtigen können, diese Debatten über die Digitalisierung an anderen Orten weiterzuführen.

Ist die re:publica - weil die Digitalisierung längst alle Lebensbereiche erfasst hat - mittlerweile nicht eine Veranstaltung über alles geworden? Mit entsprechend einem entsprechend ausgefransten Themenangebot?

Die Stärke der re:publica war immer diese Vielfalt. Zu jeder Stunde können Sie aus bis zu 20 verschiedenen Bühnen das für Sie interessanteste Programm aussuchen. Von Politik über Kultur, Medien, Business oder einfach nur Spaß. Wenn Sie lieber Freunde und Bekannte treffen und beim Bier draußen im Hof stehen, geht das auch. Denn die meisten Programmpunkte stehen direkt im Anschluss im Netz zum Nachschauen und Nachholen bereit.

Arbeiten Sie jetzt am Programm der „re:publica 19“? Wissen Sie schon, was die großen Themen sein werden?

Viele Themen, die wir schon häufig auf re:publica diskutiert haben, bleiben als große Themen dabei. Auch weil es manchmal Jahre dauert, bis die bei uns geführten Debatten in der Mitte der Gesellschaft ankommen. In diesem Jahr bestand ein Teil des Programmes auf den großen Bühnen aus Debatten und Vorträgen über unser Verhältnis zu Künstlicher Intelligenz und der demokratischen Gestaltung von algorithmischen Entscheidungssystemen. Das wird auch die nächsten Jahre noch groß bleiben.

Kommen neue Themenfelder hinzu?

Jedes Jahr. In diesem Jahr haben wir kleine Schwerpunkte zu den Themen Blockchain und „Smart City"“ hinzugenommen.

Merken Sie, dass sich die Besucherstruktur der „re:publica“ ändert? Kommen statt der Nerds jetzt die Medienschaffenden, die Anregungen für neue Netzaktivitäten brauchen?

Wir haben das Privileg, dass viele unterschiedliche Besuchergruppen zu „re:publica“ kommen und sich über ihre Themen hinaus vernetzen. Zu uns kommen nicht nur Kulturschaffende, Aktivisten, Wirtschaftsentscheiderinnen, Blogger, Politikerinnen und Medienschaffende. Das bringt einen ganz anderen Austausch als wenn alle nur in in ihren Kreisen bleiben.

Und was machen die Nerds?

Die sind von Anfang an dabei und bringen Debatten weiter, denn in der Regel haben sie Fragestellungen der Digitalisierung schon früh diskutiert und durchdacht.

Von welchen technischen Entwicklungen erwarten Sie eigentlich die wichtigsten Impulse für die digitale Welt der Zukunft? Von den Quantencomputern? Von Big Data? Oder von Rechnern, die sich selbst vervollkommnen?

Das muss man alles zusammendenken. Die wichtigsten Impulse werden darin liegen, wie wir als Gesellschaft diese Technologien gestalten wollen und werden.

Und wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis Rechner ein eigenes Bewusstsein entwickeln?

Hoffentlich länger als wir als Menschheit brauchen, um uns darauf vorzubereiten.

Was meinen Sie, werden die Maschinen dann auch einen eigenen Gott erfinden?

Möglicherweise werden die Maschinen etwas verwundert sein, wenn sie herausfinden, dass die Menschheit in Teilen an irrationale Götter glaubt. Logisch ist das ja nicht immer.

Interview:Interview: Ronald Meyer-Arlt

Markus Beckedahl

Von Ronald Meyer-Arlt

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