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Martenstein präsentiert neuen Roman

Lesung im Literaturhaus Martenstein präsentiert neuen Roman

Harald Martenstein, einer der bekanntesten Kolumnisten Deutschlands, war im Literaturhaus Hannover zu Gast, um dort seinen jüngsten Roman vorzustellen. Volles Haus, Extra-Stühle, enge Reihen. Hohe Erwartungen. Vielleicht zu hohe.

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Quelle: Archiv (dpa)

Hannover. „Und?“, fragt der Mann, der sich nach Ende der Veranstaltung mit seinem Mantelärmel abmüht. „Wie fand‘st du’s?“ Seine Begleiterin schaut ihn von unten herauf an und schweigt. „Gut, oder?“, fragt der Mann. „Witzig, oder?“ Die Frau schaut eine Weile. „Gut“, sagt sie dann.

Falsche Antwort. Es war weder gut noch witzig. Es war allenfalls oder.

Harald Martenstein, gefühlt Deutschlands zweitbekanntester Kolumnist nach Axel Hacke, war im Literaturhaus Hannover zu Gast, um dort seinen jüngsten Roman vorzustellen und ein paar alte Glossen zu lesen. Volles Haus, Extra-stühle, enge Reihen. Hohe Erwartungen. Vielleicht zu hohe.

Margarete von Schwarzkopf lobhudelt („Wie kommst du auf diese tollen Ideen?!“) sich durch ihre Moderation, Martenstein erzählt, dass er wegen des Geldes schreibe (ach was!), dass er beim Schreiben eine Steinzeitatmosphäre mit Bildschirmleuchten als Feuerersatz herstelle (sensationell!). Und dass man beim Vorlesen am besten höre, ob ein Satz richtig sei (welch profunde Erkenntnis!).

Der Roman, Martensteins dritter, diesmal verfasst mit Ko-Autor Tom Peuckert, heißt „Schwarzes Gold aus Warnemünde“, und wer jetzt errät, was mit schwarzem Gold gemeint ist, bekommt einen Becher Öl geschenkt. „Du hast immer so tolle Titel“, sagt Margarete von Schwarzkopf. Die Story: In der DDR wird kurz vor der Wende das größte Erdölvorkommen der Welt gefunden. Der Sozialismus überlebt, weil er plötzlich reich ist. Die Mauer bleibt, um die Migranten aus dem Westen (wie überraschend!) fernzuhalten, im Dschungelcamp des DDR-Fernsehens müssen die Kandidaten auf Kuba (wie fidel!) Parteitagsbeschlüsse rezitieren können. Und so weiter. Frau von Schwarzkopf verwendet das Wort „Dystopie“. Hm. „Banalopie“ wäre vielleicht treffender gewesen.

Tatsächlich ertönt den ganzen Abend über kein nennenswertes Gelächter. Mal ein Auflachen, mal ein Kiekser, dann ein doppeltes Auflachen. Ha. Haha. Schmunzeln, das durchaus, Schmunzeln mit Onkel Harald. Kann es für einen Glossen-Autor Schlimmeres geben? Immerhin: Applaudiert wird, auch ordentlich. Die Hannoveraner sind höfliche Menschen.

Aber lustig ist es nicht. Auch die Glossen sind das nicht. Dieses Altmännergegreine über die jungen Leute, die bis mittags schlafen und den Rest des Tages am Computer spielen. Die pseudointellektuelle Koketterie damit, kein Internet zu können. Und dieses billige Macho-Softie-Zeug, das nicht mal zu der Zeit gestimmt hat, als noch alle dran glaubten.

Nun gut. Vielleicht ist Harald Martenstein müde nach einer Million Glossen. Vielleicht haben sie ihm zu viel Geld für den Roman gegeben (denn den nächsten hat er schon angedroht). Vielleicht will die Welt Oder-Texte. Bei Onkel Harald jedenfalls bekommt sie sie.

Am Donerstag, 3. März, liest der syrische Autor Mohamad Alaaedin Abdul Moula um 19.30 Uhr im Literaturhaus.

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