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Kultur Martin Laberenz inszeniert "Tartuffe"
Nachrichten Kultur Martin Laberenz inszeniert "Tartuffe"
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10:15 05.05.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Aua, das tut weh. Die Darsteller turnen auf der Kühlerhaube eines S-Klasse-Mercedes herum, dass das Blech ächzt. Eine Darstellerin wiederholt zehn Minuten lang nur das Wort Tartuffe in allen erdenklichen Betonungen und Verdrehungen. Einer stottert. Alle rennen. Alle stolpern. Jemand baut ein Warndreieck ganz vorn an der Rampe auf. „Achtung Unfallstelle“ brüllt es die Zuschauer an. Und das stimmt ja auch. Wir sind irgendwie verunglückt. Nebel? Na klar, die ganze Zeit über. Nackte? Selbstverständlich.

Regisseur Martin Laberenz hat Molières „Tartuffe“ im Schauspielhaus angerichtet. Es ist die Geschichte eines Mannes, der auf einen Betrüger hereinfällt. Es ist eine Geschichte darüber, wie es ist, die Welt falsch zu sehen. Es ist eine unangenehme, eine quälende Geschichte. Und so hat sie Martin Laberenz inszeniert. Die Schauspieler (Henning Hartmann als Orgon, Hagen Oechel als Tartuffe, Sarah Franke als Orgons Ehefrau Elmire, Lisa Natalie Arnold als Zofe Dorine) rennen fortwährend um die Drehbühne herum, sie stürzen nieder und sie sprechen wie Spielautomaten. Alles ist heißgelaufen, aufgedreht, nervig, quälend, unbehaglich.

So wie Fingernägel, die über eine Kreidetafel kratzen. So wie Tinnitus. So wie Vorabendserien. So wie Fahrstuhlmusik. So wie Bilder großer Spinnen. So wie etwas, dem man entfliehen möchte. So wie eine Drogenerfahrung, die man in dem Moment bereut, in dem man sie macht. So wie Leute, die unentwegt reden.

Die Inszenierung dauert länger als zwei Stunden. In einer ersten Version hatte man noch eine Pause eingeplant. Die wurde – wohl aus der durchaus berechtigten Angst, dass die Zuschauer fliehen würden – gestrichen.

Einmal sagt Familienvater Orgon, der dem Heilsbringer Tartuffe auf den Leim gegangen ist: „Die ganze Welt wütend zu machen, das ist meine größte Freude“.

Arbeitet er als Regisseur?

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