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„100 Prozent plus X“

Martin Sonneborn im Pavillon „100 Prozent plus X“

Unerschrocken und schlagfertig: Satiriker und Europapolitiker Martin Sonneborn im hannoverschen Pavillon.

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Martin Sonneborn im Pavillon.

Quelle: Michael Wallmueller

Hannover. Jetzt aber Propaganda“, sagt Martin Sonneborn. Man solle nicht den Eindruck bekommen, dass er als Journalist oder Satiriker in den großen Saal des Pavillons gekommen sei. Er ist der Vorsitzende der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative („Die Partei“). „Ich bin Spitzenpolitiker“, sagt er und rüffelt die, die lachen.

Sonneborn, bis 2005 Chef des Satiremagazins „Titanic“, erzählt chronologisch den langsamen Aufstieg seiner Partei von der Gründung im Jahr 2004 bis zum Einzug ins Europaparlament in diesem Jahr. Er zeigt Filme, in denen er den Wiederaufbau der Mauer fordert oder einen Fackelmarsch durch das Brandenburger Tor organisiert, und zeigt so umstrittene wie schöne Wahlplakate mit Slogans wie „Inhalte überwinden“ oder „Merkel ist doof“. Sonneborn sagt: „Unser Ziel bleibt 100 Prozent plus X.“

Sonneborn ist unerschrocken, schlagfertig, lustig - und hält die Rolle des emotionslosen Profis durch. Das gelingt ihm in den mehr als zwei Stunden auf der Bühne des hannoverschen Pavillons, das kann er aber auch ganz wunderbar im Fernsehen. Im zweiten Teil des Bühnenabends, nach der Fragestunde („weil die Menschen in den Kleinstädten vieles nicht verstehen“), gibt es dann noch ein paar Ausschnitte aus seinen Außeneinsätzen bei der „heute show“. Viele Zuschauer, einige von ihnen „Partei“-Mitglieder, kennen die Beiträge. Macht nichts: Wenn Sonneborn den Bundestagsabgeordneten Joachim Günther (FDP) zu dessen Medienboykott interviewt, dann ist das große Kunst.

Ein bisschen kurz kommt an diesem Abend das Europaparlament. Denn hier liegt das Spannende, das Neue bei Martin Sonneborn. Er sitze da ja in der Gruppe der Verhaltensauffälligen, sagt er. Links vor ihm die französische Rechtsextreme Marine Le Pen, links hinter ihm der Rechtsextreme und ehemalige NPD-Chef Udo Voigt. Neulich, da hat Sonneborn eine Zeitung aus dem Fach unter Voigts Pult geholt, das Ganze fotografiert und ins Internet gestellt. Voigt las offensichtlich die eher linke Tageszeitung „taz“ - aber nur, so versichert Sonneborn, weil es um Hakenkreuze in Griechenland ging und der Artikel auf der Seite 18 (in Nazi-Symbolik die Ziffern für Adolf Hitler) stand. Ein Abgeordneter der Freiheitlichen aus Österreich hat Sonneborn dafür gerüffelt: So etwas gehöre sich nicht unter Kollegen.

Mit Udo Voigt verbindet Sonneborn schöne Erinnerungen. Voigt ließ sich einst in Biker-Kluft auf NPD-Plakaten abbilden. Darunter der Spruch: „Gas geben!“ Eines dieser Plakate hing auch vor dem Jüdischen Museum in Berlin. Sonneborn ließ daraufhin eine eigene Version drucken, es zeigte den rechtsextremen österreichischen Politiker Jörg Haider und das Unfallauto, in dem er vor einigen Jahren starb. Darunter: „Gas geben!“ Die NPD verklagte Sonneborn, der zahlte 300 Euro Strafe - an den Jüdischen Nationalfonds.

Sonneborns europäische Agenda umfasst drei Forderungen. Er will einen Amazon-freien Mittwoch, den Überschuss der Rundfunkgebühr für Zeitungen und Zeitschriften - und er will die 2009 abgeschaffte Verordnung über die Gurkenkrümmung wieder einführen. Allerdings solle diese nun für Waffen gelten: „Zwei Zentimeter Krümmung pro zehn Zentimeter Lauf“.

Von Gerd Schild

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