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Rhythmus vom Altar

Masala-Auftakt Rhythmus vom Altar

Beim Auftakt zum Masala-Festival im Pavillon herrscht großartige Stimmung – es brennt regelrecht die Hütte. Und das ist von der ersten Minute, als Pat Thomas bei dem Doppelkonzert die Bühne betritt, bis zum Abgang von Tony Allen nach dem letzten Takt so.

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Beweglich: Pat Thomas und seine Kwashibu Area Band. Foto: Franson

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Man könnte über Afrobeat schreiben, über Afrofunk, über Highlife, tief in die Musikgeschichte Westafrikas einsteigen. Oder besser noch: In die Theorie, die umherkreisenden Synkopen und die jazzig-irritierenden Harmonien kleinteilig unter einem analytischen Mikroskop hin- und herdrehen. Beides lohnt sich, mit Sicherheit. Aber die als hauptsächlich hervortretende Realität der ganzen Sache ist eher: Als Pat Thomas zum Eröffnungskonzert des Masala Weltbeat Festival die Bühne betritt, brennt die Hütte, und sie hört nicht auf, bis Tony Allen fertig ist.

Das Masala-Festival 2016 ist im Pavillon mit einem Doppelkonzert von Schlagzeuglegende Tony Allen aus Nigeria und Pat Thomas aus Ghana eröffnet worden.

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Die Hütte ist in diesem Fall der große Saal des Pavillon, und Thomas spielt mit seiner Kwashibu Area Band das erste der zwei Konzerte des Abends. Pat Thomas gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Highlife, einer Musikrichtung, in der Elemente traditioneller ghanaischer Musik mit westlichen Instrumenten gemischt werden, und die zuallererst Tanzmusik sein soll: Thomas und seine siebenköpfige Band legen einen pulsenden Rhythmus in den Saal, über den sich die Bläsersätze und vor allem Thomas klare, leicht rauchige Stimme legen. Der drahtige Thomas ist dabei ständig in Bewegung, als würde er sich an der Musik vorbei, zwischen der Musik hindurchwinden.

Tony Allen dagegen ist bewegunglos als er die Bühne zum zweiten Konzert betritt, er verzieht keine Miene. Auf der Bühne ist sein schwarz-golden glitzerndes Schlagzeug auf einer Art Rythmusaltar aufgebaut. Er setzt sich, die Sonnenbrille noch auf der ebenfalls glitzernden Mütze, spielt ein bisschen an seinen Trommeln herum, setzt die Sonnenbrille auf. Er beginnt, seinen musikalischen Brandbeschleuniger namens Afrobeat - als einer dessen Begründer er gilt - in Thomas sorgfältig gelegten Highlife-Teppich zu legen, mit seiner Schirmmütze in rosa-türkis, einem farblich passenden Hemd und der Sonnenbrille im bewegungslosen Gesicht garantiert die coolste Sau im Raum.

Allen und seine Band wandeln traumhaft sicher auf dem Grat zwischen Funk und Jazz, hin und wieder perlen versponnene Harmonien vom Keyboard, aber im großen und ganzen ist es eine Tony-Allen-Show, in der er mit seinen eigenartig gegenläufigen Schlagzeug-Figuren das Publikum zu schweißtreibendem Tanzen animiert.

Mit Thomas und Allen ist dem Masala Weltbeat Festival ein Auftakt gelungen, der Lust auf viel mehr macht.

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