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Kultur „Die sind Beethoven, ich bin die Beatles“
Nachrichten Kultur „Die sind Beethoven, ich bin die Beatles“
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00:23 21.08.2015
Von Martina Sulner
„Ich spiele viele Instrumente – aber beherrsche keins wirklich“: Brodowy am Klavier. Quelle: Nico Herzog
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Hannover

Er ist ein Mann der Tat: Kurz vor Ende des Treffens demonstriert Matthias Brodowy noch schnell, was er zuvor beschrieben hat. Der hannoversche Kabarettist setzt sich an den Computer und zeigt auf Youtube das Video zu seinem Song „Sieben“. Brodowy klingt rockig-poppig - und nach viel Lust am Pathos.

Etwas bombastischer und pathetischer darf es bei dem 43-Jährigen durchaus zugehen, und musikalische Berührungsängste hat er sowieso nicht: Er interessiert sich für alle möglichen Genres und Stile. Und da er zudem gern mit anderen Künstlern zusammenarbeitet, hat er sich besonders gefreut, als Jörg Breiding ihn vor ein paar Monaten als „Freund“ des Knabenchors Hannover angefragt hat. Zum siebten Mal veranstaltet der von Breiding geleitete Chor die Reihe „Knabenchor & Friends“. Am 27. September treten die jungen Sänger und der erfolgreiche Kabarettist, unterstützt von einer Band, im Großen NDR-Sendesaal auf.

Aus einer ganzen Reihe von Gründen gefällt Brodowy diese Zusammenarbeit: weil solche „Crossover“-Projekte fürs Publikum spannend seien, weil es gut sei, wenn Kinder und Jugendliche beim Musikmachen unterstützt würden, und weil der Abend musikalisch interessant sei. „Ich mache E-Musik, der Chor macht U-Musik“, sagt er. Der Erlös aus dem Konzert geht an die Stiftung Knabenchor Hannover, der in der Reihe „Knabenchor & Friends“ in den vergangenen Jahren schon die Gambenspielerin Hille Perl eingeladen hatte, aber auch die A-cappella-Gruppen Basta und Hannover Harmonists.

Für den Chor, so der Leiter Jörg Breiding, biete dieses Format die Möglichkeit, sich „mit anderen Künstlern aus unterschiedlichen Genres, neuen Klangfarben und mit ungewohntem Repertoire zu präsentieren“. Solche Projekte seien immer eine Bereicherung. Und schließlich gehöre Brodowy „seit vielen Jahren zu den bekannten Bühnengrößen Hannovers“.

Der musikaffine Kabarettist spielt an dem Abend eigene Stücke. Der Chor, der noch bis zum 25. August auf einer zweiwöchigen Tournee durch China unterwegs ist, präsentiert Teile seines Repertoires, vor allem „Highlights aus dem Programm der Chinatournee“, kündigt Breiding an. Etwa die „Little Jazz Mass“ von Bob Chilcott.

Außerdem hat Oliver Gies, Kopf der hannoverschen A-cappella-Gruppe Maybebop, Brodowy-Stücke für die jungen Sänger arrangiert. „Ich hüte mich eigentlich vor Superlativen“, sagt der Kabarettist, „aber hier ist es angebracht: Gies ist ein musikalisches Genie, ein brillanter musikalischer Kopf.“ Der Maybebop-Gründer sei ein musikalischer Schatz in der Stadt, dessen Wert nicht jeder erkenne. Er selber hingegen, obwohl ausgebildeter Kirchenmusiker, könne keine Arrangements schreiben. Er spiele zwar viele Instrumente, „doch ich beherrsche keins wirklich“.

Na, immerhin spielt Brodowy bühnentauglich Klavier, Gitarre und mehrere weitere Instrumente. Da wird es auch mal etwas lauter - und auch dann, wenn er Musik hört. Mit seinem neunjährigen Sohn teilt er die Leidenschaft für die Fantastischen Vier, er mag die Elektro-Hip-Hopper Deichkind („auf Dauer sind mir die allerdings zu langweilig“). Und Brodowy, der Hannes Wader, Reinhard Mey und Heinz Rudolf Kunze sehr schätzt, hört auch Heavy Metal. „Von Richard Wagner zu Heavy Metal ist der Weg nicht weit“, befindet er. Dass dem Mann, der es laut und bombastisch mag, auch Rammstein gefällt, wundert einen da nicht. Er ist eben hart im Nehmen, nicht nur musikalisch: Im Juli hatte er eine Gallen-OP und stand bereits vier Tage später wieder als Moderator beim Kleinen Fest auf der Bühne.

Vor dem Können des Knabenchors, der dann doch ein etwas anderes Repertoire hat als die Fantastischen Vier oder Rammstein, hat der Kabarettist großen Respekt. Er lobt Breidings Chor in höchsten Tönen und sagt, wo die Unterschiede zwischen Chor und Brodowy liegen: „Wenn die Beethoven sind, bin ich Beatles.“

„Knabenchor & Friends“ mit Matthias Brodowy am Sonntag, 27. September, um 17 Uhr, im NDR-Sendesaal.

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