Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Matthias Wieland präsentiert „Die Mumins“

Comic-Lesung Matthias Wieland präsentiert „Die Mumins“

Comic-Bilder werden auf eine Leinwand projeziert - der Text wird gesprochen: Matthias Wieland übersetzt am Dienstag, 7. Juni, ab 20 Uhr „Die Mumins“ bei Feinkost Lampe.

Voriger Artikel
Philipp Hochmair spielt im Schauspielhaus
Nächster Artikel
Nachwuchschoreografen präsentierten Arbeiten

Der Comicerzähler: Matthias Wieland, Übersetzer der Mumins. 

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Das ist doch kein Nilpferd“, sagt Matthias Wieland, hörbar empört. Es sieht zwar in etwa so aus: breiter Kopf, dicker Körper, kleine Ohren. Aber wer die dicken Wesen aus der Muminfamilie Nilpferd nennt, hat einen Fehler gemacht. „Das sind keine Nilpferde, das sind Trolle“, sagt Matthias Wieland. Er kennt sich damit aus, denn er übersetzt die „Mumin“-Comics ins Deutsche. Und er stellt die „Mumins“ (und einige andere Comics) auch live vor.

Solche Comiclesungen sind ein relativ neues Format. Der Comicerzähler steht dabei am Rechner und wirft die Bilder, um die es geht, auf die Leinwand; das, was in den Textblasen steht, spricht er. Jede Person bekommt eine andere Stimmfarbe. Bei den Mumins ist das nicht ganz einfach, denn im Muminland tauchen viele Figuren auf: Neben Mumin, Muminpapa und Muminmama sind da noch Schnüferl, das Snorkfräulein, Snork, Klein Mü, die Hemule und die unheimlichen Hatifnatten. Die allerdings sind stumm. Glücklicherweise.

Die finnische Autorin Tove Jansson hat den „Mumin“-Kosmos erfunden, zuerst als illustriertes Kinderbuch, dann als Comic. Bereits 1945 erschien das erste „Mumin“-Buch. 1954 startete der Comic-Strip in den Londoner „Evening News“, schnell folgten weiter Zeitungen. Die Autorin gab die Comiczeichnerei später an ihren Bruder ab, der zeichnete bis 1974 Mumin-Comics.

Und Matthias Wieland, der in Hannovers Oststadt lebt, hat viele davon ins Deutsche übersetzt. Er arbeitet für den Berliner Verlag Reprodukt, der „Mumin“-Bücher herausbringt, in denen mehrere Geschichten versammelt sind. Glücklicherweise muss er die „Mumin“-Geschichten nicht aus dem Finnischen übersetzen, denn die Comics haben die Autoren immer schon auf Englisch geschrieben.

Ein besonderes Problem bei der Comicübersetzung ist die Blasengröße. Im Englischen kommt man schneller zur Sache. Die deutsche Sprache braucht zur Darstellung desselben Sachverhalts meist mehr Raum. Da reichen die Sprechblasen manchmal nicht aus. Einfach größer machen kann man die Blasen aber oft auch nicht, sie könnten mit anderen Sprechblasen oder, schlimmer noch, mit Köpfen kollidieren. Für den Übersetzer also gilt: Fasse dich kurz. Matthias Wieland hat Erfahrung damit. Denn er übersetzt nicht nur die „Mumins“, sondern auch andere Comics wie etwa „Die Simpsons“ von Matt Groening oder „Die Peanuts“ von Charles M. Schulz.

An Erika Fuchs, der berühmten Übersetzerin der Disney-Comics um Donald Duck, orientiert er sich bei seinen Übersetzungen eher nicht. Das ist erstaunlich, schließlich gilt Fuchs doch als Säulenheilige der Comicübersetzung. Sie hat den Geschichten von Carl Barks stets zusätzlichen Esprit verliehen. „Nach heutigen Maßstäben waren das aber keine richtig guten Übersetzungen“, sagt Matthias Wieland, „sie hat einfach zu viel verändert und verbogen.“ Aber natürlich schätzt er sie: „Erika Fuchs verdanke ich einen Großteil meiner Liebe zur deutschen Sprache.“ Wessen Liebe der deutschen Sprache gilt, der schätzt auch den Genitiv. Aber bei den „Simpsons“ muss Wieland manchmal doch darauf verzichten: „Es ist nicht so glaubwürdig, wenn Homer Simpson immer korrekt den Genitiv benutzt.“

Matthias Wieland hat einige Jahre bei einem Comic-Verlag in Stuttgart gearbeitet, jetzt ist er freischaffend tätig. Das heißt: Er kann mit der Arbeit beginnen, wann es ihm gefällt. Diese Freiheit nutzt er. Und manchmal legt er abends bei Feinkost Lampe in der Eleonorenstraße Musik auf, die ihm gefällt. Als die Veranstalter dort ein Programm mit ComicVeranstaltungen planten, war klar, dass Matthias Wieland dabei sein muss. Wenn er am Dienstag dort auftreten wird, hat er neben dem Laptop mit den Mumin-Comics auch seine Ukulele dabei. Damit begleitet er sich, wenn er das „Mumin-Lied“ singt. In dem Lied, das der niederländische Sänger, Texter und Komponist Pierre Kartner (bekannt als „Vader Abraham“) komponiert hat, heißt es: „Die Mumins nehmen dich mit fort / an einen märchenhaften Ort.“

Dorthin will auch Matthias Wieland sein Publikum entführen.

Am Dienstag, 7. Juni, 20 Uhr, gastiert Wieland mit seiner „Mumins“-Lesung bei Feinkost Lampe, Eleonorenstraße 18.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Milow spielt im Capitol