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Max Uthoff im Pavillon

Kabarett Max Uthoff im Pavillon

Politisches Kabarett: Max Uthoff will im Pavillon das kapitalistische System mit den Mitteln der Satire aus den Angeln heben. Fast ist es ihm gelungen.

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„Wer über den Tellerrand blickt, sieht viel mehr von der schmutzigen Tischdecke“: Max Uthoff.

Quelle: Christian Behrens

Hannover.  Max Uthoff macht sein Publikum zu Geschworenen. Im ausverkauften Pavillon lässt der politische Kabarettist bei aller Doppelbödigkeit keinen Zweifel daran, dass es hier um ernste Angelegenheiten geht. Dass eine informierte Meinung unerlässlich ist. Und dass diese Meinung gesellschaftliche Konsequenzen haben wird. Wie ein Staatsanwalt beim Schlussplädoyer füllt er die Bühne alleine mit seiner Präsenz, mit aufrechter Haltung, festem Blick und wohl dosierter Gestik. Der Rest ist Text und Betonung: artikuliert, pointiert, mit präzise gesetzten Punkten und Kommata.

 Uthoff weiß sehr genau um die Macht des Wortes. „Wer über den Tellerrand blickt, sieht viel mehr von der schmutzigen Tischdecke“, ist ein Motto, das er seinen Gästen am Ende seines Programms „Gegendarstellung“ mit auf den Weg geben wird. Wie kaum ein zweiter seines Fachs beherrscht er Agitation wie Unterhaltung, Aufklärung wie Dramaturgie und Klarheit wie Komplexität. Er macht dabei keinen Hehl daraus, dass es ihm nicht um Wohlfühlhumor geht. „Böse Menschen haben keine Lieder“, zitiert er eingangs, um dann klarzustellen: „Willkommen zu einem Abend ohne Musik.“ 

 Die Rolle des Anwalts spielt Uthoff nicht nur. Er ist Volljurist, absolvierte vor über 15 Jahren das zweite Staatsexamen. Dass er auf der Bühne für Humanismus und Menschenrechte plädiert und dabei keine Konfrontation scheut, ist noch auf andere Weise Teil seiner Sozialisation. Seine Eltern betrieben 30 Jahre lang das Münchner Rationaltheater, eine feste Größe im politischen Kabarett – und so unbequem, dass es ihnen Dutzende Strafverfahren einbrachte. Er versuche, „das kapitalistische System mit den Mitteln der Satire aus den Angeln zu heben“, sagte Uthoff einmal über seine Programme. 

 Das ist oft unterhaltsam. Meist jedoch stecken hinter der geschliffenen Sprache tief reichende politische Analysen und Forderungen. „Die FDP sitzt im Parlament direkt neben der AfD, Neoliberalismus neben Rechtspopulismus, Ursache neben Wirkung“, sagt Uthoff. Über die Griechenlandpolitik und den Ausverkauf an deutsche Investoren ätzt er: „Ist doch schön, so eine Kolonie direkt um die Ecke.“ Er entlarvt jene politisch erzeugte Verachtung, die er die „Denunziation der Arbeitslosen“ nennt und betont: „Es geht nicht um sozial Schwache, sondern um ökonomisch Schwache.“ 

 Uthoff wird persönlich, wo es seiner Argumentation nutzt: „Niemand hier im Raum hat es verdient, ein Vielfaches vom Gehalt einer Krankenschwester zu bekommen.“ Am Ende verzichtet er aber darauf, die auf seine Weltsicht eingeschworenen Besucher zu einem gemeinsamen Urteil aufzufordern. Er kann sich auch ohne sicher sein: Sein Plädoyer wirkt nach. 

 Am Sonntag, 4. März, um 20 Uhr spielt Sarah Bosetti im Pavillon ihr Programm „Ich will doch nur mein Bestes“.

Von Thomas Kaestle

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