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So war das Konzert von Maxim

Konzert-Kritik So war das Konzert von Maxim

Maxim hat seinem Konzert auf dem Faust-Gelände in Hannover einen besonderen Namen gegeben: Spinatkonzert. Wahrscheinlich, weil es viele traurige Lieder gibt. Sein Auftritt war gut, wirklich gut.

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Keine Chance auf Tanzen: Maxim in der Faust-Warenannahme.

Quelle: Clemens Heidrich

Hannover. „Schokolade“, ruft die Frau im Publikum, „Schokolade!“ Ja, Schokolade, das wär’ was. Gibt’s aber nicht. In der Warenannahme auf dem Faust-Gelände gibt es heute nur Spinat. Es ist ein Spinatkonzert. Sagt Maxim. Der Kölner Sänger und Songschreiber ist gerade dabei, für seine Veranstaltung einen geeigneten Lebensmittelvergleich zu finden und landet so bei Spinatkonzert. Wohl, weil es viele traurige Lieder gibt und die auch noch in einem unspektakulären Gewand. „Staub“, sein erfolgreichstes Album von 2013, präsentierte er trotz tiefblauer Themen auch auf der Bühne kraftstrotzend und wuchtig. Nun ist alles leise und nachdenklich, mit Stehbass und Cello. Spinat eben. Keine Schokolade.

Keine Chance auf Tanzen

Schokoladenlieder schreibt er sowieso nicht. Geht gar nicht, wie er selbst sagt. Richtige Lieder könne er nur schreiben, wenn es ihm nicht gut gehe, wenn er irgendwas zu verkraften habe. An solchen Anlässen scheint es ihm nicht zu mangeln, seine pessimistische Sicht auf die Welt liefert stetig Stoff für neue Songs. In seinen Texten, vornehmlich von den Alben „Das bisschen was wir sind“ und eben „Staub“, wimmelt es von sinkenden Schiffen, enttäuschten Erwartungen, gebrochenen Herzen. „Gut“ heißt bei ihm „gar nicht mal so schlecht“ oder „vielleicht sogar ganz nett“, und man zweifelt ein wenig, ob „gut“ überhaupt in seinen Wortschatz passt.

Das Fernsehen ist schlecht, Castingshows schlecht, die AfD natürlich schlecht. Auch Musik, ja, viel Schlechtes dabei, Tanzmusik und dieses ganze Gehampel mit den Armen in der Luft. „Ich bin das Gegenteil von Robin Schulz“, sagt Maxim irgendwann über den Erfolgs-DJ. Er sagt es leise und so, als ob er gerade erst darauf gekommen ist. In der Warenannahme sitzen alle. Keine Chance auf Tanzen.

Jenseits aller Klischees

Aber es gibt ja nicht nur die etwas schrulligen Ansagen, es gibt die Songs, die auf gewisse Weise sein depressives Lebensbild konterkarieren. Seine Lieder sind melodisch, fließend, wunderschöne Kompositionen, die Texte sind poetisch und meist jenseits aller Klischees und formulieren oft gedachte Gedanken so treffend und so sinnlich, wie man es gern selbst gesagt hätte. Dazu singt er mit hoher, rauher, brüchiger Stimme, faszinierend, in den Bann ziehend und wie gemacht für einen Leidensmann wie ihn. Gut, wirklich gut.

Am Ende freundlicher Applaus und Jubel. Und draußen lacht die Novembernacht.

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