Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur So war das Konzert von Maxim
Nachrichten Kultur So war das Konzert von Maxim
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:24 14.11.2017
Von Uwe Janssen
Keine Chance auf Tanzen: Maxim in der Faust-Warenannahme. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Schokolade“, ruft die Frau im Publikum, „Schokolade!“ Ja, Schokolade, das wär’ was. Gibt’s aber nicht. In der Warenannahme auf dem Faust-Gelände gibt es heute nur Spinat. Es ist ein Spinatkonzert. Sagt Maxim. Der Kölner Sänger und Songschreiber ist gerade dabei, für seine Veranstaltung einen geeigneten Lebensmittelvergleich zu finden und landet so bei Spinatkonzert. Wohl, weil es viele traurige Lieder gibt und die auch noch in einem unspektakulären Gewand. „Staub“, sein erfolgreichstes Album von 2013, präsentierte er trotz tiefblauer Themen auch auf der Bühne kraftstrotzend und wuchtig. Nun ist alles leise und nachdenklich, mit Stehbass und Cello. Spinat eben. Keine Schokolade.

Keine Chance auf Tanzen

Schokoladenlieder schreibt er sowieso nicht. Geht gar nicht, wie er selbst sagt. Richtige Lieder könne er nur schreiben, wenn es ihm nicht gut gehe, wenn er irgendwas zu verkraften habe. An solchen Anlässen scheint es ihm nicht zu mangeln, seine pessimistische Sicht auf die Welt liefert stetig Stoff für neue Songs. In seinen Texten, vornehmlich von den Alben „Das bisschen was wir sind“ und eben „Staub“, wimmelt es von sinkenden Schiffen, enttäuschten Erwartungen, gebrochenen Herzen. „Gut“ heißt bei ihm „gar nicht mal so schlecht“ oder „vielleicht sogar ganz nett“, und man zweifelt ein wenig, ob „gut“ überhaupt in seinen Wortschatz passt.

Das Fernsehen ist schlecht, Castingshows schlecht, die AfD natürlich schlecht. Auch Musik, ja, viel Schlechtes dabei, Tanzmusik und dieses ganze Gehampel mit den Armen in der Luft. „Ich bin das Gegenteil von Robin Schulz“, sagt Maxim irgendwann über den Erfolgs-DJ. Er sagt es leise und so, als ob er gerade erst darauf gekommen ist. In der Warenannahme sitzen alle. Keine Chance auf Tanzen.

Jenseits aller Klischees

Aber es gibt ja nicht nur die etwas schrulligen Ansagen, es gibt die Songs, die auf gewisse Weise sein depressives Lebensbild konterkarieren. Seine Lieder sind melodisch, fließend, wunderschöne Kompositionen, die Texte sind poetisch und meist jenseits aller Klischees und formulieren oft gedachte Gedanken so treffend und so sinnlich, wie man es gern selbst gesagt hätte. Dazu singt er mit hoher, rauher, brüchiger Stimme, faszinierend, in den Bann ziehend und wie gemacht für einen Leidensmann wie ihn. Gut, wirklich gut.

Am Ende freundlicher Applaus und Jubel. Und draußen lacht die Novembernacht.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In dem Roman „Leere Herzen“ beschreibt die Autorin Juli Zeh, was passiert, wenn die AfD die Regierung stellt. Der Roman wirkt aber teils zu sehr wie eine Moralpredigt.

14.11.2017

Ein bisschen tanzen, ein bisschen träumen und viel handgemachter Folk: Nach zwei Konzerten in Norwegen spielen die Mighty Oaks das erste deutsche Konzert ihrer "Higher-Place-Tour" im Capitol in Hannover und zeigen wieder einmal, dass gute Musik auch ohne viel Show auskommt.

17.11.2017

Dornröschens großer Traum: Stephen King und sein Sohn Owen lassen in „Sleeping Beauties“ alle Frauen der Welt in Dauerschlaf sinken. Im Quiz können Sie Ihr Wissen rund um den King des Horror testen.

13.11.2017