Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Maximale Musik in der Hochschule
Nachrichten Kultur Maximale Musik in der Hochschule
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:40 12.05.2016
Von Stefan Arndt
Seltener Anblick: Studenten der Musikhochschule spielen „Six Pianos“. Quelle: Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Wer dabei einen Platz im Saal der Musikhochschule ergattert hatte, konnte froh sein: Der Andrang war deutlich größer als die Anzahl der Sitze. Dabei war es eigentlich gar nicht so spektakulär, was Reich zum Auftakt seines Besuches als Ehrengast der Kunstfestspiele Herrenhausen machte: Er war Zuhörer bei einer Aufführung seines Stückes „Six Pianos“.

Umso bemerkenswerter war der Aufbau auf der Bühne: Sechs Flügel sieht man auch in einer Klavierhochburg wie der Musikhochschule nicht alle Tage auf so engem Raum. In Reichs Stück erzeugen die sechs tonnenschweren Instrumente einen einzigen, erstaunlich zarten und durchsichtigen Klangstrom. Dem Komponisten geht es nicht darum, die Macht der gewaltigen Konzertflügel zu demonstrieren. Nur selten überschreiten die sechs Musiker den mittleren Lautstärkebereich, richtig laut wird es gar nicht. Komplex ist dafür die Verzahnung der einzelnen Stimmen, die jeweils ein eigenes Motiv über lange Strecken wiederholen. Langweilig wird das erstaunlicherweise nie: Als Hörer bahnt man sich eigene Wege durch dieses Musikgeflecht und kann sich dabei aus den vielen flirrenden Teilen persönliche Melodien und Rhythmusmuster zusammenstellen.

Seit Ende der Sechzigerjahre prägte Reich mit Stücken wie „Six Pianos“ eine typisch amerikanische Form der Klassik, die bald als Minimal Music weltweit Furore machte und in viele andere Musikrichtungen auch jenseits der Neuen Musik ausstrahlte.

Dass Reich damals ein eher distanziertes Verhältnis zur Avantgarde jener Zeit hatte, wurde beim (ebenfalls überlaufenen) Podiumsgespräch mit ihm deutlich. An Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez und John Cage seien ihm vor allem drei Dinge aufgefallen: „Keine Melodie, kein Rhythmus, keine Harmonie.“ Seine Sache sei das nicht gewesen – darum habe er einen anderen Musikstil entwickelt.

Dass diese Zeit schon 50 Jahre her ist, kann man kaum glauben, wenn man dem schlanken, eloquenten und witzigen New Yorker zuhört. Wie sehr sich seine Musik seit diesen Anfängen entwickelt hat, wird man dagegen morgen Abend erleben können, wenn der 80-Jährige wieder Zuhörer in der Musikhochschule ist. Dann werden Werke gezeigt, die er erst vor wenigen Jahren geschrieben hat:  seine Video-Oper „Three Tales“ und das Stück „WTC 9/11“. Und Karten gibt es diesmal auch noch.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Peter Behrens, Trommler der während der Neuen Deutschen Welle erfolgreichen Band Trio, ist tot. Behrens starb am Mittwoch im Alter von 68 Jahren in einem Krankenhaus in Wilhelmshaven an multiplem Organversagen, wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf seine Tochter berichtete.

11.05.2016
Kultur Silbermond in der TUI-Arena - Live besser als auf Platte

Silbermond – das sind doch die mit der seichten Popmusik und der Weltverbesser-Attitüde. Doch so blass wie das Quartett um Frontsängerin Stefanie Kloß oft im Radio rüberkommt, ist die Band eigentlich überhaupt nicht. Vor 7500 Fans stellt die Band in der TUI-Arena wieder unter Beweis, warum sie live viel besser ist als auf Platte.

13.05.2016

Am Donnerstag beginnen die Kunstfestspiele Herrenhausen – unter der Leitung von Ingo Metzmacher ist der Andrang größer als früher. Denn: Mit Metzmacher als Intendanten bemühen sich die Kunstfestspiele erkennbar nicht nur um die Kunst; sie wollen endlich auch ein großes Publikum erreichen.

Stefan Arndt 13.05.2016
Anzeige