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Maximale Musik in der Hochschule

Schwebende Klänge, bodenständiger Humor Maximale Musik in der Hochschule

Sobald der Mann mit der schwarzen Baseballkappe in der Tür zum Richard-Jakoby-Saal zum ersten Mal sichtbar wird, brandet lang anhaltender Jubel im Saal auf. Der US-amerikanische Komponist Steve Reich gehört offensichtlich zu den Menschen, deren bloße Anwesenheit schon ein Ereignis ist.

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Seltener Anblick: Studenten der Musikhochschule spielen „Six Pianos“.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Wer dabei einen Platz im Saal der Musikhochschule ergattert hatte, konnte froh sein: Der Andrang war deutlich größer als die Anzahl der Sitze. Dabei war es eigentlich gar nicht so spektakulär, was Reich zum Auftakt seines Besuches als Ehrengast der Kunstfestspiele Herrenhausen machte: Er war Zuhörer bei einer Aufführung seines Stückes „Six Pianos“.

Umso bemerkenswerter war der Aufbau auf der Bühne: Sechs Flügel sieht man auch in einer Klavierhochburg wie der Musikhochschule nicht alle Tage auf so engem Raum. In Reichs Stück erzeugen die sechs tonnenschweren Instrumente einen einzigen, erstaunlich zarten und durchsichtigen Klangstrom. Dem Komponisten geht es nicht darum, die Macht der gewaltigen Konzertflügel zu demonstrieren. Nur selten überschreiten die sechs Musiker den mittleren Lautstärkebereich, richtig laut wird es gar nicht. Komplex ist dafür die Verzahnung der einzelnen Stimmen, die jeweils ein eigenes Motiv über lange Strecken wiederholen. Langweilig wird das erstaunlicherweise nie: Als Hörer bahnt man sich eigene Wege durch dieses Musikgeflecht und kann sich dabei aus den vielen flirrenden Teilen persönliche Melodien und Rhythmusmuster zusammenstellen.

Seit Ende der Sechzigerjahre prägte Reich mit Stücken wie „Six Pianos“ eine typisch amerikanische Form der Klassik, die bald als Minimal Music weltweit Furore machte und in viele andere Musikrichtungen auch jenseits der Neuen Musik ausstrahlte.

Dass Reich damals ein eher distanziertes Verhältnis zur Avantgarde jener Zeit hatte, wurde beim (ebenfalls überlaufenen) Podiumsgespräch mit ihm deutlich. An Komponisten wie Karlheinz Stockhausen, Pierre Boulez und John Cage seien ihm vor allem drei Dinge aufgefallen: „Keine Melodie, kein Rhythmus, keine Harmonie.“ Seine Sache sei das nicht gewesen – darum habe er einen anderen Musikstil entwickelt.

Dass diese Zeit schon 50 Jahre her ist, kann man kaum glauben, wenn man dem schlanken, eloquenten und witzigen New Yorker zuhört. Wie sehr sich seine Musik seit diesen Anfängen entwickelt hat, wird man dagegen morgen Abend erleben können, wenn der 80-Jährige wieder Zuhörer in der Musikhochschule ist. Dann werden Werke gezeigt, die er erst vor wenigen Jahren geschrieben hat:  seine Video-Oper „Three Tales“ und das Stück „WTC 9/11“. Und Karten gibt es diesmal auch noch.

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