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Kultur Meisterhaftliche Flötentöne
Nachrichten Kultur Meisterhaftliche Flötentöne
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18:36 23.02.2018
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Hannover

Die Flöte ist seit der Antike bekannt, als die Nymphe Syrinx in Schilfrohr verwandelt und durch den Atem des Gottes Pan zum Klingen gebracht wurde. Vom lateinischen „flatus“ (das Wehen, der Atem) stammt ihr Name ab und verweist darauf, wie ihr Klang erzeugt wird: Der Atem bricht sich an der Kante des Kopfstücks und versetzt die Luft im Instrument in Schwingung.

Der wohl bekannteste Querflötist unserer Zeit ist Emmanuel Pahud. Seit er mit 23 Jahren von den Berliner Philharmonikern unter Claudio Abbado als Soloflötist aufgenommen wurde, begann seine einzigartige internationale Karriere als Orchestermusiker und Solist. Die musikalische Vielfalt, die er dabei im Orchester erlebt, zeichnet auch seine solistische Arbeit aus.

Pahud selbst beschreibt sich als wandelbares „musikalisches Chamäleon“: Er versuche, „den Stil, die Farbe und Phrasierung, meinen Atem und die Artikulation anzupassen, um dem Stück gerecht zu werden, das ich gerade spiele“. So kann man Pahud weder einer nationalen Schule noch einer musikalischen Epoche zuordnen – und von seinen intensiven Erfahrungen in vermeintlichen Spezialgebieten wie der Barockmusik, den Uraufführungen zeitgenössischer Werke oder dem Jazz profitieren auch seine Interpretationen klassischer Werke. „Die Meisterschaft auf einem Instrument ermöglicht einem, neue Grenzen wahrzunehmen. Dort bleibt Musik lebendig“, ist die Erfahrung des frankophonen Schweizers, der seit über zwanzig Jahren auf allerhöchstem internationalen Niveau musiziert.

Im 5. Sinfoniekonzert des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover unter der Leitung von Generalmusikdirektor Ivan Repuši ist Emmanuel Pahud als Solist in gleich drei Werken zu erleben, die seine stilistische Vielfalt und Virtuosität in den Mittelpunkt stellen. Da ist zunächst das Flötenkonzert von Carl Reinecke, als reifes Alterswerk des langjährigen Gewandhauskapellmeisters und berühmten Kompositionslehrers 1908 entstanden, das in der Uraufführungskritik als „sehr dankbares, dem spielerischen Charakter des Instrumentes fein entgegenkommendes Werk“ beschrieben wird und Gesanglichkeit mit Virtuosität verbindet.

Ein elegisch-kantables Flötensolo ist auch die Zwischenaktmusik aus Georges Bizets Oper „Carmen“, die dort von der nächtlichen Taverne in das Schmugglerlager in den Bergen überleitet und hier als Konzertstück ins Programm aufgenommen wurde. Stupende Virtuosität verlangt schließlich die „Carmen-Fantasie“ über die beliebtesten Themen aus eben dieser Oper, komponiert vom französischen Flötisten und Flötenprofessor François Borne, dem wir auch die Vervollkommnung der heutigen Klappenmechanik der Querflöte verdanken.

Den Rahmen des Konzerts bilden zwei berühmte programmatische Werke, die ihrerseits dem Orchester höchste Virtuosität abverlangen. Richard Strauss‘ vierte Tondichtung „Till Eulenspiegel“ über den in der Nähe von Wolfenbüttel geborenen, unsterblichen Narren trägt schalkhaft altertümelnd den Untertitel „nach alter Schelmenweise – in Rondeauform – für großes Orchester gesetzt“.

Strauss erweist sich darin als meisterhafter Tonsetzer der aberwitzigen närrischen Umtriebe, komödiantisch, geistreich und spieltechnisch überaus anspruchsvoll! Ebenso brillant ist die Partitur von Paul Dukas’ „Der Zauberlehrling“ – ein orchestraler Geniestreich, inspiriert von der gleichnamigen Goethe-Ballade, mit übermütigem Titelhelden, hyperaktiven Besen, wallenden Wasserfluten und der Rettung durch den heimkehrenden Hexenmeister in allerletzter Minute.

Swantje Köhnecke

5. Sinfoniekonzert

Richard Strauss: „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ op. 28

Carl Reinecke: Konzert für Flöte und Orchester D-Dur op. 283

Georges Bizet: Entr’acte 2./3. Akt aus der Oper „Carmen“

François Borne: Fantaisie brillante über „Carmen“

Paul Dukas: „Der Zauberlehrling“

Solist: Emmanuel Pahud (Flöte)

Dirigent: Ivan Repuši

Sonntag, 4. März, 17 Uhr

Montag, 5. März, 19.30 Uhr

Einführung mit Ivan Repušic jeweils 45 Minuten vor dem Konzert

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