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Kultur Milan Peschel inszeniert „Mephisto“ nach dem Roman von Klaus Mann
Nachrichten Kultur Milan Peschel inszeniert „Mephisto“ nach dem Roman von Klaus Mann
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12:38 11.03.2018
Der Schauspieler und die Macht: Szene aus „Mephisto“ mit  Vanessa Loibl, Henning Hartmann, Sabine Waibl, Günther Harder, Jonas Steglich, Carolin Haupt, und Silvester von Hösslin. Quelle: Karl-Bernd Karwasz
Hannover

 Als sich nach mehr als dreieinhalb Stunden Spieldauer das Stück dem Ende entgegen müht, läuft oben auf der Leinwand der Abspann. Die Namen der Mitwirkenden sind dort aufgelistet: Rainer Frank, Günther Harder, Henning Hartmann, Carolin Haupt, Silvester von Hösslin, Janko Kahle, Juri Kudlatsch, Vanessa Loibl, Jonas Steglich, Sabine Waibel; auch der Name des Regisseurs wird genannt: Milan Peschel (den man auch als Schauspieler aus Film und Fernsehen kennt). Der Abspann ist nur schwer lesbar, und das liegt nicht allein an der Müdigkeit, die manchen Zuschauer nach diesem langen, langen Theaterabend im Schauspielhaus gepackt haben mag. Und es liegt auch nicht daran, dass er auf eine klitzekleine Leinwand projiziert wird, die über der Drehbühne schwebt. Man kann ihn nur schwer lesen, weil er spiegelverkehrt über die Leinwand läuft.

Ist das ein Fehler der Technik, die möglicherweise auch mit Übermüdung zu kämpfen hat? Oder ist das vielleicht sogar ein weiterer Spiegeltrick im großen Spiegelkabinett des Regisseurs Milan Peschel?  Der hat in seiner Theaterfassung den Roman von Klaus Mann in schillernde Bruchstücke zerscherbt, die er – jedenfalls am Anfang –wie in einem Kaleidoskop funkeln lässt.

Milan Peschels erzählt die Geschichte des Theatermanns und Karrieristen Hendrik Höfgen (Klaus Mann zielte hier auf Gustaf Gründgens) mit einem künstlerischen Mittel, das zur Zeit der Geschichte, die 1926 beginnt, in Mode war: der Collage. Er nutzt unterschiedliche Spielformen wie Melodram, Kammerspiel, Agitprop, Stummfilm, Revue und lagert sie gern auch mal übereinander. Das ist sehr reizvoll, gerade auch wenn die knarrend rotierende Drehbühne (die Nicole Timm mit einem Lichtspielhaus im Zentrum gestaltet hat) eine musikalische Szene nach der anderen präsentiert und sich die Klänge zu einer Kakophonie der Zeit vermischen.

Das Spiel mit den Spielweisen erlaubt auch den Einbau einer grandiosen wortlosen Slapstick-Szene: Henning Hartmann spielt Hendrik Höfgen, der nach kurzem Pariser Exil in Berlin angekommen ist. Er sagt nichts, er lacht nur. Sein Lachen wird zum Meckern, zum Krächzen, zum Grölen, Stöhnen und Ächzen. „Dolle Type“ wurde Höfgen zuvor genannt, hier passt das.

Henning Hartmann ist nur einer von vielen Hendrik Höfgens. Regisseur Peschel hat auch die Hauptrolle zersplittern lassen. Das führt zu reizvollen Szenen, wenn etwa die großartige Sabine Waibel eine Liebesszene spielt. Aber es wirkt auch wie eine Kapitulation vor der Rolle (der in István Szabós Film aus dem Jahr 1981 ja Klaus Maria Brandauer seinen Stempel aufgedrückt hat).

Viele Szenen werden von einer Kamera (die auf einem veritablen Kamerawagen herangerollt kommt) aufgezeichnet und auf der winzigen Leinwand über dem „Lichtspielhaus“ auf der Drehbühnenmitte projiziert. Diese Doppelung unterstreicht den Spiel-imSpiel-im Spiel-Ansatz von Peschels Inszenierung. Auch hier gibt es spannende Überlagerungen: Wenn Dialoge aus Goethes „Faust“ plötzlich die Spielebene verlassen und Sätzen aus der Zeit der Aufführung werden.

Am Ende – Hendrik Höfgen ist mittlerweile Intendant in Berlin – steht Shakespeares „Hamlet“ im Mittelpunkt. Hier finden die meisten Szene auf der vom Publikum abgewandten Seite der Drehbühne statt – zu sehen sind nur Projektionen in minderer Qualität. Da fehlt der Revue etwas, das auch gut in die Zeit gepasst hätte: Tempo. 

 

Von Ronald Meyer-Arlt

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