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Kultur Für die Oberstufe: "Nathan der Weise"
Nachrichten Kultur Für die Oberstufe: "Nathan der Weise"
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00:15 26.09.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Quelle: Sorokin
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Celle

Es ist ein Stück gegen religiösen Fanatismus, ein Stück für Menschenliebe, ein Stück, an dem man die Wirkung der Aufklärung ebenso wie die Entwicklung des abendländischen Dramas hervorragend erklären kann. Deshalb gehört Lessings „Nathan der Weise“ zum Lehrplan der gymnasialen Oberstufe. Jetzt ist das Stück über das Zusammentreffen des verständnisvollen Muslim, des weisen Juden und des liebenden Christen am Schlosstheater Celle zu sehen. Der Vorteil, den Schüler haben, die das Stück besuchen: Sie bekommen ziemlich genau mit, worum es geht, alles ist verständlich und klar aufbereitet, Regiemätzchen gibt es nicht. Der Nachteil: Die Sache dauert mit Pause zwei Stunden und vierzig Minuten. Und die meisten Vorstellungen finden am Abend statt - wenn sich die Freunde zum Chillen oder Vorglühen treffen. Ist es das wirklich wert?

Schwierig.

Regisseurin Milena Fischer hat dem Stück ein bisschen Theaternebel und ein bisschen Musik (sehr schön: „Come along“ der schwedischen Sängerin Titiyo) hinzugefügt. Einmal wirft der Tempelherr (recht ungestüm und ein bisschen undeutlich: Niklas Hugendick) sein T-Shirt ins Publikum, und Sultan Saladin (eine eindrucksvolle Erscheinung: Johann Schibli) dreht in jeder Szene eine Orange in seinen Händen. Ansonsten lässt die Regisseurin die Darsteller einfach meist vorn an der Rampe sprechen. Und die machen das recht gut. Besonders der sonoren Radiostimme von Dirk Böther als Nathan folgt man gern. Das ist allemal besser, als das Stück im Unterricht mit verteilten Rollen zu lesen.

Aber eben auch nicht grundsätzlich anders. Am Ende, als sich nach langatmigen Erklärungen herausstellt, dass alle irgendwie miteinander verwandt sind (die große Menschheitsfamilie!) müssen einige Zuschauer über das Stück lachen. Das könnte im Deutschunterricht auch passieren.

Die nächsten Vorstellungen: 25., 27., 28., 29. und 30. September.

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