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Kultur "Minefield" von Lola Arias beim Festival Theaterformen
Nachrichten Kultur "Minefield" von Lola Arias beim Festival Theaterformen
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02:15 18.06.2016
Von Daniel Alexander Schacht
Kriegerische Gesten - aus der „Minefield“-Inszenierung von Lola Arias. Quelle: Tristram Kenton
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Braunschweig

Es war der letzte „altmodische Krieg“ Großbritanniens. Mann gegen Mann, in Schützengräben und Nahkampfgefechten. So erinnert sich Lou Armour an den Krieg um die Falklandinseln, in dem er für die Royal Marines gekämpft hat. Heute arbeitet er als Sonderschullehrer. Und seine Landsleute haben den Krieg von 1982 schon fast vergessen. Anders die Argentinier. Die Malwinen sind allgegenwärtig in Buenos Aires. So nennt man dort die karge Inselgruppe, 400 Kilometer vor dem Festland gelegen und von 3000 Menschen meist britischer Abstammung bewohnt. Man fühlt sich noch immer um nationales Territorium betrogen. Obwohl die eigenen Truppen nach 74 Tagen aufgaben. Obwohl die Bevölkerung der Falklands sich 2013 in einer Abstimmung zum Vereinigten Königreich bekannte. Wer die englischen und spanischen Wikipedia-Einträge über die Inselgruppe vergleicht, liest zwei sehr unterschiedliche historische Erzählungen.

Auch die sechs Männer, die im Dokumentarstück „Minefield“ der argentinischen Regisseurin Lola Arias auf der Bühne stehen, sind in der Sache nicht einig. Nach all der Zeit halten die drei Briten und drei Argentinier an der Rechtmäßigkeit der jeweiligen Ansprüche fest. Den Krieg selbst jedoch haben sie heute genauer in Erinnerung. Die Bühnenbegegnung mit den ehemaligen Kontrahenten hat die große Gemeinsamkeit in den Vordergrund gerückt: „Wir sind alle Veteranen des gleichen Krieges.“ Das ist nicht selbstverständlich. Die britische Botschaft zum Beispiel wollte das Projekt ausdrücklich nicht unterstützen. Dabei könnte die Präsentation einer gemeinsamen Erinnerungsarbeit kaum wichtiger sein in einer Zeit erstarkender Nationalismen. Einerseits seziert „Minefield“ äußerst einleuchtend die Mechanismen kriegerischer Konflikte. Den Aufbau von Hass und Feindbildern, die popkulturell aufbereitete Propaganda, die Manipulation junger Menschen durch erlogene Heldenmythen.

Andererseits erzählen die sechs Theaterlaien ihre ganz persönlichen Geschichten mit so berührender Aufrichtigkeit und Klarheit, dass hier auf der Bühne etwas sehr Seltenes gelingt. Der Krieg kommt - trotz aller bis zur Abstumpfung erlebten medialen Inszenierungen - ganz nahe. Ganz ohne Cinemascope wird erlebbar, was das Töten Fremder im Auftrag einer Regierung mit Menschen anrichtet. Wie es ist, die in den Taschen des getöteten Gegners gefundenen Familienfotos immer vor Augen zu haben. Zugleich Angst vor dem Erinnern und dem Vergessen zu haben. „Minefield“ zeigt Menschen mit all ihren Unsicherheiten und Widersprüchen. Die zu berühren vermögen, weil sie gelernt haben, sich berühren zu lassen. Die erlebt haben, wie sehr sich Wahrheiten mit den Befindlichkeiten verschieben. Und wie bedrohlich das sein kann. „Minefield“ gelingt es grandios, sein Publikum auf die Frage nach den eigenen Werten zurückzuwerfen: „Wofür würdet ihr kämpfen?“

Am Donnerstag um 19 Uhr erneut im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig.

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