Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Mit "Metals" bringt Leslie Feist ihr viertes Album heraus

Schöner Herbst Mit "Metals" bringt Leslie Feist ihr viertes Album heraus

In Nordamerika und Großbritannien ist die kanadische Musikerin Leslie Feist ein großer Star. Nun will die 35-Jährige auch in Europa den Durchbruch schaffen. In ihrem vierten Album "Metals" wird es herbstlich-sentimental.

Voriger Artikel
Hamburger Kunsthalle feiert den „Wegbereiter der Moderne“
Nächster Artikel
Jelinek bringt Fukushima auf die Bühne

Die kanadische Musikerin Leslie Feist bringt ihr viertes Album heraus.

Quelle: Rozzl

Wer bis vier zählen kann, kommt bei Leslie Feist schon ziemlich weit. Zum Beispiel zu ihrem größten Hit „1  2  3  4“. Oder zu einem kleinen iPod, den der Apple-Konzern weltweit mit eben diesem Song beworben hat. Oder man kommt der Welt der Zahlen ein wenig ­näher, wenn man noch ziemlich neu in dieser Welt ist, weshalb Leslie Feist den Text des Liedes umgeschrieben hat, als sie mit vier bunten Monstern, vier Pinguinen und vier Vögeln mit Sonnenbrillen in der Sesamstraße aufgetreten ist.

Oder man kommt einfach zum vierten Album der kanadischen Musikerin, das heute erscheint. „Metals“ heißt es, und an diesem Werk wird sich möglicherweise entscheiden, ob die 35-Jährige hierzulande den Status erreicht, den sie in Nordamerika und in Großbritannien schon hat. Dort ist Leslie Feist spätestens seit ihrem Vorgängeralbum „The Reminder“ aus dem Jahr 2007 ein großer Star. Sie war in vier Kategorien für den Grammy nominiert, und auch, wenn sie leer ausging: Das war eine klare Ansage. Hier geht ein Stern auf, der so schnell nicht verglühen wird. Und der schon jetzt Einfluss nimmt auf Künstlerinnen wie A Fine Frenzy oder Cat Power oder auch Adele, die musikalisch zwar auf einer anderen Baustelle arbeitet, aber in Sachen Atmosphäre vielleicht bei Feist geschaut hat, wie man aus ganz wenig ganz viel schaffen kann.

Nun hätte Leslie Feist, die sich als Musikerin schlicht „Feist“ nennt, alles so lassen können, wie es war. Das Erfolgsrezept, schöne und auch mal schwere Worte in leichte, schwebende Melodien zu verpacken, hätte bestimmt noch ein weiteres Album getragen. Überdrüssig geworden wäre man ihrer sicher nicht, allein schon wegen dieser Stimme, die zu so vielen musikalischen Richtungen zu passen scheint, ob es nun Countryfolk, Avantgarderock oder Pop ist.

Doch anstatt dem hereinbrechenden Herbst ein spätsommerliches Leuchtwerk entgegenzuhalten, hat sich Leslie Feist für eine echte Herbst/Winter-Kollektion entschieden. Für schwere, schwermütige, manchmal auch schwergängige Songs, die melancholisch dahinschlurfen und sich manchmal gar von einem Takt zum nächsten zu schleppen scheinen wie der Zeitlupenwalzer „Anti-Pioneer“.

Wenn man dann zwischen so viel Ernsthaftigkeit auch noch einen Song namens „Graveyard“ entdeckt, scheint der Bogen überspannt. Und genau an dieser (auf dem Album frühen) Stelle wendet sich das Misstrauen, ein allzu abtörnendes Stück Musik in Händen zu halten, in befreiende Sympathie. Denn „Graveyard“ enthält die einprägsamste Zeile des gesamten Albums „Bring ’em all back to life“ singt ein Feist-Chor da, garniert mit einem „Whooaaa“, das zum Mitsummen oder Mitsingen animiert. Das weckt vielleicht nicht die Toten, aber die Hoffnung.

Fortan kann man sich getrost von Frau Feist durch ihr Sentimentalitätenkabinett führen lassen, denn auch, wenn schwere Themen verhandelt werden, bleibt die Hoffnung, dass alles gut wird. Mit seiner meist sparsamen, aber sorgfältig zusammengestellten Instrumentierung, in der auch mal ein Glockenspiel oder traurige Hörner Platz finden, fügt sich alles ineinander. Der alte Trick, sich sperrige Alben durch mehrfaches Hören langsam, aber von Mal zu Mal wunderbarer zu erschließen, funktioniert hier perfekt. Es ist wie in einer zunächst fremden Stadt: Je öfter man durchläuft, desto bekannter und vertrauter wird einem nach und nach alles. Selbst der Friedhof.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Marius Müller-Westernhagen in der Tui-Arena

Marius Müller-Westernhagen spielt vor 10.000 Menschen in der ausverkauften Tui-Arena.