Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Mit den Augen der anderen
Nachrichten Kultur Mit den Augen der anderen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 25.08.2017
Anzeige
Hannover

Halima liebt den Blick von oben auf eine Stadt - auf die Dächer, Türme, Straßenzüge. Oben, sagt sie, behalte sie den Überblick. Unten herrsche das Chaos. Halima erzählt von ihrer Heimatstadt Damaskus, dort hat sie Architektur studiert und gearbeitet, bevor sie vor dem Krieg geflohen ist. Halima erzählt aber auch von Hannover, hier oben, im 14. Stock des Conti-Hochhauses. Sie schaut auf die Fabriken und Kirchturmspitzen, auf das alte Welfenschloss und das angrenzende Grün. Einzelne Bauten werden zu Erinnerungspunkten, die sich mit ihrer Lebens- und Fluchtgeschichte verknüpfen lassen - und zugleich etwas über die Stadt erzählen, in der sie angekommen ist.

Die Besucher dieser begehbaren Theaterproduktion, die die Theaterwerkstatt Hannover mit dem Kölner Kulturverein „intakt“ für Hannover in Szene setzt, hören Halimas Geschichte über den Kopfhörer des Audio-Guides. Bei ihrem etwa zweistündigen „Theaterwalk“ durch die Nordstadt werden sie mehr über Halimas Schicksal erfahren und zugleich bislang unbekannte Ecken und Winkel entdecken: So erschließt sich der eigene Stadtteil mit den Augen der anderen.

„Die Besucher sind abhängig von dem, der sie führt, sie lassen sich auf die Stimme und die Geschichte ein. Das ist uns besonders wichtig.“ Sabine Trötschel von der Theaterwerkstatt Hannover führt vor Ort Regie in dieser Theaterproduktion, getragen von „Engagement global“, einer Einrichtung, die im Auftrag der Bundesregierung arbeitet und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wird. Das Projekt „Dorthin, wo Milch und Honig fließen“ ging 2015 in Düsseldorf an den Start, es folgten Stationen in Köln und Essen.

Nun ist die theatrale Stadtbegehung unter der künstlerischen Leitung von Karin Frommhagen erstmals in Niedersachsen zu erleben - und wurde für vier Routen durch die Nordstadt zwischen Königsworther Platz und Schaufelder Straße neu verortet. Im Zentrum stehen die Fluchtgeschichten von Burhan aus Afghanistan, Sami aus dem Irak, Rajana aus Somalia und Halima aus Syrien. Deren Einzelschicksale stehen exemplarisch für die Menschen, die das Kölner Künstlerteam von „intakt“ für das Projekt interviewt hat. Die Texte wurden dramaturgisch überarbeitet und auf die Stadt, in der sie „spielen“, nochmals lokal zugeschnitten.

„Wir knüpfen daran an, was wir hier im Viertel vorfinden“, erläutert Trötschel. „Halima beispielsweise interessiert sich für Mode. Also führt ihr Weg auch in einen Secondhand-Laden, Sami isst gern Süßes, er wird mit den Besuchern an einem kleinen Café vorbeikommen, Rajana wundert sich über die „Stolpersteine“ in der Windt-horststraße, sie kann nicht lesen und weiß nicht, was sie bedeuten sollen.“

Die gesamte Nordstadt wird zur Bühne: Bewohner vor Ort machen mit, und an einzelnen Stationen sind auch Schauspieler dabei. Ziel ist die Alevitische Gemeinde in der Kornstraße. Dort treffen alle Theatergänger, die sich einzeln auf den Weg gemacht haben, wieder zusammen. Dz

Premiere am 8. September, 17.30 Uhr. Start im 14. Stock des Conti-Hochhauses, Königsworther Platz 1. Karten unter (05 11) 12 12 33 33.

n Weitere Termine: 9. und 23. September, 12 Uhr, 22., 27. und 28. September, 17. 30 Uhr. Der Eintritt geht als Spende an den Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur Schauspielhaus: Medea nach Franz Grillparzer und anderen - Mythos Medea

Tom Kühnel inszeniert Medea. Er zeigt, dass wir bis heute auf mythologische Grundmuster zurückgreifen, um uns unsere Gegenwart zu erzählen.

25.08.2017
Kultur Schauspielhaus: Hool nach dem Roman von Philipp Winkler - „Mich interessieren die Dunkelzonen“

Lars-Ole Walburg bringt Philipp Winklers Roman Hool auf die Theaterbühne und wurde dafür bereits bei den Ruhrfestspielen gefeiert. Vor der Hannover-Premiere traf die „Spielzeit“ den Autor zum Gespräch.

25.08.2017
Kultur Eine Stadt will nach oben Cumberland: Eine Stadt will nach oben. Theaterserie in zehn Folgen - Das Schauspiel geht in Serie

Mit der Theaterserie Eine Stadt will nach oben erprobt das Schauspiel ein neues Format und widmet der Stadt Hannover eine biografische Erzählung.

25.08.2017
Anzeige