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Mitreißende Metalmesse mit Powerwolf und Epica

Capitol Mitreißende Metalmesse mit Powerwolf und Epica

Der Abt der Werwölfe trinkt natürlich nicht aus einer gewöhnlichen Bierflasche wie andere Rocker. Er nippt während des Konzerts am Sonntagabend im Capitol stattdessen immer wieder aus einem goldenen Abendmahlskelch. Das ist nur ein Detail dieser stimmigen schwarzen Messe von Powerwolf. 

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Powerwolf-Sänger Attila Dorn im Capitol in Hannover.

Quelle: May

Hannover. Die deutsche Metalband Powerwolf ist für ihren satten Sakralsound bekannt. Die Werwölfe machen aus dem Lamm Gottes frech ein Lupus Dei“, mischen in ihren Liedern Englisch und Latein und lassen die Gemeinde der Zuhörer an einer Stelle sogar niederknien wie in der Kirche. Der bekannteste Song „We Drink Your Blood“ persifliert das Abendmahl. „Blessed and Possessed“ – der Titel des jüngsten Albums ist Programm: Mit einer Wahnsinnsstimme gesegnet und vom Metal besessen gebärdet sich der ausgebildete Opernsänger mit dem Künstlernamen Attila Dorn. In seiner Kutte sieht er aus wie eine Mischung aus Mönch und Kreuzritter. Sein Mikrohalter hat die Form eines Schwertes, das auch in einen „Herr-der-Ringe“-Film passen würde.

Viele der rund 1400 Zuhörer haben sich die Gesichter auf die charakteristische Bandweise geschminkt: bleich wie der Tod mit schwarzen Schatten. Die Gitarristen und der Schlagzeuger haben sich die Muskeln auf den nackten Oberarmen mit schwarzen Strichen nachgezeichnet. Immer wieder strecken sie wild die Zungen heraus und schleudern ihre Mähne wie fleischgewordene Werwölfe.

Die deutsche Metalband Powerwolf ist für ihren satten Sakralsound bekannt. 

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Powerwolf gelten als Helene Fischer des Heavy Metals, weil sie ähnlich erfolgreich und umstritten sind. Seit ihrem Nummer-Eins-Album „Preachers of the Night“ (2013) buhlen alle großen Festivals von Wacken bis Summerbreeze um die Saarländer. Ihre eingängigen Melodien, die sich schon nach dem ersten Hören mitgrölen lassen, sind manchen Metallern zu lieblich, kommen aber beim Publikum in Hannover sehr gut an. Eine weitere Gemeinsamkeit zum Schlagersternchen ist die Verbindung zu Osteuropa. Der Sänger Attila Dorn kommt zumindest der Bandlegende nach aus Transsilvanien. Der womöglich stilisierte Akzent steigert die Atmosphäre noch. Wenn er die Zuhörer auffordert: „Lass uns gemeinsam singen“ klingt er wie eine Mischung aus Pastor und Graf Dracula. Auch musikalisch beschwören Powerwolf Blutsauger, etwa in dem Song „Armata Strigoi“. Perfekt wird der Mummenschanz durch eine gewisse Selbstironie. Den Titel „Army of the Night“ kündigt Dorn mit den Worten an: „Wir brauche eine Armee. Eine friedliche Armee“, und persifliert so den eigenen heroischen Gestus.

Episch ging es auch schon bei den Vorbands zu: Simone Simons, die Sängerin der niederländischen Symphonic-Metal-Band „Epica“, stellt mit Opernstimme und im knappen Wonderwomankleid das neue Album „Holographic Principle“ vor. Zuvor heizte „Beyond the Black“ den Besuchern des fast ausverkauften Konzerts ein. Alles in allem eine mitreißende Metalmesse.

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