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Kultur „Man kann’s oder nicht“: Eine Turn-Performance im Pavillon
Nachrichten Kultur „Man kann’s oder nicht“: Eine Turn-Performance im Pavillon
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00:24 28.03.2018
Die Turnenperformance der „Hauptaktion“. Quelle: Oliver
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Hannover

 Kein Barren, kein Reck, keine Bälle, keine Keulen. Vom Rhönrad ganz zu schweigen. Diese Turnschau ist eher ein Gymnastikabend: Sieben junge Leute in klassischen weißen Turnleibchen und –höschen geben eine Stunde lang in wechselnder Formation und Reihenfolge immer gleiche Übungen zum Besten: Ausfallschritt, Hampelmann, Liegestütz. Das Tempo ist gemächlich. Dennoch sind die Turner bald schon am Schwitzen und Keuchen. Sie wirken schwerfällig, ungelenk und haben offenbar kaum Kondition. Oder ist die Unsportlichkeit nur gespielt?

Was die sieben Darsteller vom Münchner Künstlerkollektiv „Hauptaktion“ da auf der Bühne der Theaterwerkstatt im hannoverschen Pavillon vorführen, ist laut Programmtitel nur ein „Zweiter Versuch über das Turnen“. Ein Versuch bezieht das Scheitern mit ein. Und tatsächlich misslingt dieser Versuch größtenteils. Schade, denn der Ansatz bietet viel Potenzial für eine unterhaltsame Performance.

„Hauptaktion“ versteht sich als „künstlerische Forschungsgesellschaft“, die kulturgeschichtliche Themen aufarbeitet und in Form von Vorträgen und Theaterinszenierungen auf die Bühne bringt. Der Turn-Versuch ist eine Mischung aus Choreografie und historischer Studie. Er beleuchtet die Geschichte und den gesellschaftlichen Stellenwert des Turnens in Deutschland anhand der Chronik deutscher Turnfeste. Während die Darsteller halbwegs synchron ihre Übungen vollführen, blinken auf die Wand projizierte Jahreszahlen im Hintergrund auf. Gestartet wird mit dem Turnfest im vergangenen Jahr in Berlin. Dann geht es zurück in die Vergangenheit bis zum ersten Turnfest von 1813 in Berlin, als „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn ausrief, dass das Turnen der „Vorbereitung auf den Befreiungskrieg“ gegen die Vorherrschaft Napoleons diene. Von da an ist Turnen stets politisch aufgeladen. 

Die Zeitreise von „Hauptaktion“ ist eingeteilt in fünf Abschnitte, die gesellschaftliche und politische Umbrüche markieren. Einzelne Schauturn-Ereignisse werden herausgegriffen. Unter der entsprechenden Jahreszahl läuft dann ein Text durch, der Auszüge aus Reden und Zeitungsartikeln beinhaltet. Einer der Turner auf der Bühne schert dann aus, rückt umständlich ein Mikro zurecht, wendet dabei dem Publikum den Rücken zu und liest – meist mit atemloser Stimme - den Text vor. Das ist hölzern und unspannend. Trotz vieler erhellender und unfreiwillig komischer Zitate übers Turnen wie etwa von Bundespräsident Theodor Heuss anlässlich des Turnfestes von 1953: „Man kann’s oder man kann’s nicht.“ 

Warum wird nicht frei rezitiert? Zu anstrengend vielleicht neben den Leibesübungen. Die Turner gehen schließlich nacheinander von der Bühne ab, ohne zum Applaus noch mal wieder zu kommen. Offenbar war die mangelnde Kondition nicht gespielt. 

Von Kerstin Hergt

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