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Traditionshaus geht neue Wege

Museum August Kestner Traditionshaus geht neue Wege

Lange galt das Museum August Kestner als das Sorgenkind in Hannovers Kulturlandschaft. Jetzt geht das Haus am Trammplatz mit zahlreichen Neuerungen in die Offensive: Es setzt auf neue Veranstaltungsformate, ein neues Ausstellungskonzept - und umgebaut wird auch.

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Aufbruch mit Macht: Die Museumsmacher Sally Schöne, Thomas Schwark, Pia Drake und Andreas Urban (v.l.)

Quelle: Kutter

Hannover. Es lief nicht rund in den vergangenen Jahren: Die Besucherzahlen des Museum August Kestner rutschten kontinuierlich in den Keller; im Jahr 2014 kamen nur noch 25 632 Besucher in das Haus, dessen Dauerausstellung als bieder verschrien ist. Jetzt jedoch gibt es erste Anzeichen für eine Wende: Die genauen Besucherzahlen für 2015 werden zwar erst am Freitag präsentiert. „Es gibt aber nur positive Nachrichten“, deutet Thomas Schwark, seit anderthalb Jahren Direktor des Verbundes „Museen für Kulturgeschichte Hannover“, bereits an.

Im Jahr 2016 geht das langjährige Sorgenkind von Hannovers Kulturszene zudem mit zahlreichen Neuerungen in die Offensive – etwa mit einem grundlegend neuen Ausstellungskonzept. Anstatt eine Vielzahl kleinteiliger Ausstellungen zu zeigen, setzt das Haus künftig auf wenige, aber aufwendige Schauen: „Es wird jedes Jahr zwei größere Ausstellungen geben“, sagte Kurator Andreas Urban jetzt bei der Vorstellung des Programms für 2016: Eine davon werde klassisch aus den Sammlungsbeständen bestückt. „Die zweite soll sich mit Grundfragen des Seins beschäftigen und Zivilisationsmuster ergründen.“

Zum Auftakt ist vom 25. Februar die Schau „Macht und Ohnmacht – Pharaonen, Cäsaren, Fürsten, Bürger“ zu sehen. „Macht ist einer der Leitbegriffe unserer Gesellschaft“, sagt Urban. Anhand von ägyptischen Artefakten, antiken Münzen und modernen Designerstücken ergründet das Museum dabei die zeitlosen Mechanismen von Machterwerb und Machterhalt, von Machtverhältnissen unter den Geschlechtern und der Macht der Demokratie. Zu sehen sind dazu auch Leihgaben aus Landes-, Sprengel- und Wilhelm-Busch-Museum. „Es geht um Jahrtausende übergreifende Perspektiven“, sagt Urban.

Das Haus, das mit seinem kunterbunten Sammlungsbestand aus Designobjekten und Mumien oft als Gemischtwarenladen geschmäht wird, versucht so, aus seiner größten Schwäche eine Tugend zu machen: Interdisziplinär und epochenübergreifend widmet es sich einem Thema. „Welches Museum hat schon ein so breites Spektrum an Exponaten“, schwärmt Urban. Derzeit werden große Teile im ersten Stock des Hauses freigeräumt, um Platz für diese und künftige Sonderausstellungen zu schaffen. Bauarbeiter haben schon einige Wände eingezogen und schwarz gestrichen.

Neu im MAK ist auch Sally Schöne: Die promovierte Kunsthistorikerin, die acht Jahre lang Direktorin am Düsseldorfer Hetjens-Museum für Keramik war, ist hier jetzt für Angewandte Kunst und Design zuständig. Im September startet ihre erste Ausstellung: In „Leibniz Cakes, India-Pralinen, Pelikano“ geht es um „Gebrauchskunst made in Hannover“  – um Plakate, Handzettel und Imagefilme: „Wir orientieren uns heute an Etiketten und lassen uns von der Verpackung verführen – doch das war nicht immer so“, sagt sie. Erst um 1900, als die Warenfülle wuchs, begannen Firmen, im großen Stil auf Reklame zu setzen: „Viele aus Hannover haben es geschafft, über Werbung zu Weltmarken zu werden“, sagt sie.

Außerdem sollen neue Veranstaltungsformate Publikum ins Museum holen: Vom 7. April an gibt es jeweils am ersten Donnerstag im Monat das Angebot „After Work“: Bei Snacks und Wein soll es dabei jeweils von 16.30 Uhr an neben Rundgängen auch Quiz- oder Musik-events geben. An der Kasse können Besucher künftig außerdem Tablet-Computer für Touren durch die Ausstellungen entleihen. Und unter dem Titel „Zeitenbummler“ wollen die Museumsmacher einen jungen Freundeskreis aufbauen. Zielgruppe: die 18- bis 35-Jährigen. Ein erstes Treffen ist für den 3. Februar, 18 Uhr, geplant. „Wir wollen ein junges Publikum ansprechen, das Kultur erleben und selbst kreativ werden will“, sagt Museumsmitarbeiterin Pia Drake. Schaden wird das dem gebeutelten Museum nicht.

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