Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Auf die Glocken

Hannover Auf die Glocken

Ägyptens Götter, Goethes Handschrift – und echte Papst-Möbel: Das Museum August Kestner setzt für 2015 auf ein vielfältiges Programm

Voriger Artikel
Video überführt Kunstdiebin
Nächster Artikel
Wo Kunst berührt

Thomas Schwark, Anne Viola Siebert,
Simone Vogt, Christian E. Loeben (v. l.).

Quelle: Rainer Droese

Hannover. Die Götter waren Massenware: Kunsthandwerker produzierten im alten Ägypten Unmengen kleiner Bronzefiguren. Viele davon geben den Forschern heute Rätsel auf. So auch die Statue eines Pharaos, die zu den Beständen des Museums August Kestner (MAK) gehört: „Wir wissen nicht, wen sie darstellt - der Sockel mit dem Namenszug ist verloren gegangen“, sagt Christian E. Loeben, der Ägyptologe des Hauses.

Die Ausstellung „Gegossene Götter - Metallhandwerk und Massenproduktion im Alten Ägypten“ zeigt im MAK vom 26. März an, wie die Naturwissenschaft solchen Figuren ihre Geheimnisse entlockt: „Mit modernen Methoden lassen sie sich genau datieren - wir können sogar feststellen, aus welchen Kupferminen das Metall kommt“, sagt Loeben. Die Ausstellung, ein Kooperationsprojekt mit Häusern in Bonn, Gotha und Leipzig, wird zurzeit bereits in Bonn gezeigt. Sie soll helfen, das unter chronischem Besuchermangel leidende Kestner-Museum „in der Öffentlichkeit erkennbar zu machen“, wie dessen neuer Direktor Thomas Schwark sagt.

Das eher kleinteilige, bunt gefächerte Ausstellungsprogramm für 2015, das Schwark gestern vorstellte, trägt noch die Handschrift seines Amtsvorgängers Wolfgang Schepers. „Künftig wird es eher wenige, aber dafür größere Ausstellungen geben“, kündigt Schwark an. „Und wir arbeiten mit Feuereifer an der Neukonzeption der Dauerausstellung.“

Gleich in zwei Ausstellungen geht es 2015 um Goethe: In der Ägypten-Schau sind Bronzen aus seiner persönlicher Sammlung zu sehen - und vom 13. Mai an zeigt das Museum Autografen des Dichters: „Mit spitzer Feder“ heißt die Ausstellung, in der zum 90-jährigen Bestehen der hannoverschen Goethe-Gesellschaft auch Handschriften von Schiller, Heine oder Hölty zu sehen sind. Die Schätze, die sonst im Stadtarchiv verwahrt werden, stammen aus der Sammlung des Druckereibesitzers Friedrich Georg Culemann.

Mit dem Designer Walter Papst (1924-2008) beschäftigt sich die Ausstellung „Sitzen beim Papst - Mobiliar für eine heitere Nachkriegsmoderne“, die am 4. Juni beginnt. Papst hatte unter anderem für die Firma Wilkhahn in Bad Münder Stühle nach neuen ergonomischen Erkenntnissen entworfen. „Wir wollen zeigen, wie Designer damals gearbeitet haben“, sagt Gisela Hahne, die bei Wilkhahn fürs Archiv zuständig ist.

Designobjekte sind auch die Münzen des Museums. Doch in der Ausstellung „Verlebte Münzen“ geht es vom 17. September an eher um Fotokunst als um Numismatik: Der US-Künstler Stephen Sack fotografiert antike und moderne Münzen - und zwar bevorzugt abgegriffene, verkrustete Exemplare. „Man schaut auf sie wie in das Gesicht eines betagten Menschen - und sieht die Spuren eines langen Lebens“, sagt die MAK-Numismatikerin Simone Vogt. In einer neuen Reihe präsentiert das Haus vom April an jeweils vierteljährlich eine andere Münze - den Auftakt macht eine Trite, eine kleine Goldmünze des lydischen Königs Alyattes aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.: „Sie zählt zu den allerersten Geldstücken, die je geprägt wurden“, sagt Vogt.

Ein Sprung in die Moderne steht vom 29. Oktober an auf dem Programm: Ein Dutzend Studierende von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim hat zum nahenden Jubiläum von Luthers Thesenanschlag Designobjekte zum Thema „ReFORMation“ geschaffen: Sina Faikosch etwa hat zwei Kilo Munition zu Glocken umgegossen - in den Weltkriegen war das gegenteilige Verfahren Usus. Und Carolin Weitkamp hat den Rallye 3000 GT konzipiert, einen Hometrainer, auf dem Besucher strampeln dürfen. Eine Lampe sorgt dann dafür, dass ihre Gesichter erleuchtet werden. Oder verblendet. Das ist eine Glaubensfrage.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Pur auf der Gilde Parkbühne

Pur auf der Gilde Parkbühne.