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Museum feiert 200. Geburtstag seines Gründers

Sonderausstellung Museum feiert 200. Geburtstag seines Gründers

Hermann Roemer, Gründer des Roemer- und Pelizaeus-Museums, würde in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiern. Zu seinen Ehren zeigt das Museum Am Steine 1 in Hildesheim die Sonderausstellung „Welt Weites Wissen" bis Februar 2017.

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Ein 10.000 Jahre altes Riesenhirschskelett ist Teil der Ausstellung zu Ehren Hermann Roemers.

Quelle: Roemer- und Pelizaeus-Museum

Hildesheim. Ein echtes Ammonshorn? Ein Seeigel? Ein Fischskelett? „Wir können so was auch basteln“, sagt Liam Kunalan. Bei manchem der Exponate im Roemer- und Pelizaeus-Museum ist jetzt daher Skepsis angebracht. Denn es sind zwar Originale, aber eben Originalkunstwerke - und nicht unbedingt Fundstücke aus der Natur. Aber auch solche Artefakte sind ja „Bilder von der Erde im Kleinen“, wie sie Museumsgründer Hermann Roemer zeigen wollte.

Bei der Präsentation der Sonderausstellung zu Roemers 200. Geburtstag sind auch einige der jungen Schöpfer solcher Kunstwerke präsent. Sie haben Vitrinen mit Sammlungsbeständen des traditionsreichen Hauses, aber auch mit Selbstgebasteltem gefüllt. Sie haben Filme und Broschüren gestaltet. Und sie demonstrieren so zugleich, wie man das gewichtig-geschichtliche Thema in die Gegenwart holen und sogar zur Zukunft öffnen kann.

Denn Liam hat das Grundschulalter gerade erst hinter und damit noch viel Zukunft vor sich. Er ist einer der 18 Jumis - so nennen sich die Jungen Mitglieder des Museumsvereins -, die die Ausstellung zu Ehren Roemers mitkuratiert haben und dessen Geschichte mit erfrischendem Eigensinn begegnen. Etwa mit einem „Museum der Zukunft“, in dem sie Gegenwartsobjekte versammeln, die vielleicht künftige Generationen verblüffen werden. Liam hat dazu einen Miniturm aus Legosteinen beigesteuert. „Damit man später, wenn alle nur noch mit virtuellen Werkzeugen spielen, mal sehen kann, wie das Spielen mit Legos ging - mit denen kann man schließlich alles machen.“

Den erwachsenen Mitkuratoren Stefan Bölke und Jürgen Vespermann sowie Museumschefin Regine Schulz bleibt es überlassen, ins 19. Jahrhundert zurückzugreifen, ins Jahr 1844, als der Museumsverein und wenig später das Museum gegründet wurden. Sie zeigen dabei, dass Roemer damals zur Beschaffung von Exponaten auch sehr kreativ war - wie jetzt die Jumis.

Immerhin schwebte dem 1844 erst 28-Jährigen nichts Geringeres als ein Weltenmuseum vor. Zeugnisse für „Welt Weites Wissen“ - so heißt die Ausstellung - hat Roemer schon lange gesammelt, bevor er für eine Ägyptenreise zum ersten und einzigen Mal Europa verlassen hat. Und zwar mithilfe seiner internationalen Kontakte: Über Ernst Ohlmer, der Seezolldirektor in Tsingtau war, verschaffte er dem Haus chinesische, über Conrad Machens, Kaufmann auf den Fidschi-Inseln („Fidschi-Machens“), ozeanische Artefakte. Und neben solchen „Auslands-Hildesheimern“ hat Roemer auch seine Brüder eingespannt, von denen der eine, Friedrich-Adolf, die Bergakademie in Clausthal leitete, der andere, Carl-Ferdinand, Geologieprofessor in Breslau war - und als „Vater der texanischen Geologie“ in dem US-Bundesstaat geforscht und mehrere Standardwerke über dessen Geomorphologie geschrieben hat. Kein Wunder, dass die geologisch-paläontologische Sammlung des Museums im 19. Jahrhundert großen Ruf genoss. Und dass sie viele Exponate aus Texas aufweist. Netzwerkarbeit nennt man das heute.

„Roemer hat in den gärenden Jahren vor der 1848er Revolution für die Stadt Hildesheim eine intelligente und kosmopolitische Antwort auf die Frage nach bürgerlicher Identität gegeben“, sagt Museumsdirektorin Schulz.

Sie macht mit der Ausstellung nach sieben Jahren renovierungsbedingter Schließung erstmals wieder das Untergeschoss des Hauses zugänglich und erinnert damit auch an dessen architektonische Anfänge: Denn das Museum in der Martinikirche des einstigen Franziskanerklosters ist hier nicht nur durch deren gotische Seitenbögen in voller Höhe sichtbar. Ein paar Stufen führen auch in die einstige Sakristei, die für Zeitzeugnisse der Region genutzt wird. Etwa eine Putten-Keramik mit Vanitas-Darstellung, die Roemer 1891 aus dem abgebrannten Schloss Clemenswerth für das Museum gerettet hat. Er hat seinen Einfluss noch für weitere Rettungsaktionen genutzt. So wäre das Knochenhaueramtshaus ohne seine Fürsprache wohl im 19. Jahrhundert abgerissen worden, sagt Schulz. Und Roemer habe sich auch für den Erhalt der Martinikirche eingesetzt, die einsturzgefährdet war.

Die Ausstellung zeigt anhand historischer Fotografien auch, wie sich die musealen Präsentationsformen geändert haben. Statt in Vitrinen dicht an dicht zeigt man die Exponate heute eher in ihrem lebensweltlichen Kontext. Gleich zu Anfang ist dafür Roemers Arbeitszimmer nachempfunden, wo man seine Korrespondenzen nachlesen und alte Fotografien durchmustern kann. Darunter auch jenes vom Selbstbewusstsein des Museumsgründers zeugende Gruppenfoto mit Direktorenkollegen, auf dem Roemer 1887 unübersehbar breitbeinig in der ersten Reihe flezt.

Nicht geändert hat sich zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert der Anspruch, die wirkliche Welt ins Museum zu holen. Liam hat dafür neben den gebastelten Seeigel ein echtes Haifischzahngebiss gestellt, das er aus Sri Lanka, dem Herkunftsland seines Vaters, mitgebracht hat. So wie Roemer von seiner Ägyptenreise 1870 auch Ammonshörner und Seeigel. Allerdings echte. Und natürlich als „Bilder von der Erde“ im Kleinen.

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