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Kultur Musica assoluta spielt Mahler und Jazz in der Christuskirche
Nachrichten Kultur Musica assoluta spielt Mahler und Jazz in der Christuskirche
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13:49 22.02.2018
„My funny Valentine“: Ania Vegry. Quelle: Heidrun Heinke
Hannover

 Klassik und Jazz in einem Konzert. So programmierten Thorsten Encke, Chef des Kammerochesters musica assoluta und Jazzpianist Achim Kück ihr Konzert „Das himmlische Leben“ in der Christuskirche. Zunächst spielte das Orchester spielte die 4. Symphonie von Gustav Mahler. Allerdings in einer Version für solistisch besetztes Kammerensemble. Pawel Zuzanski, Geiger in Enckes Orchester, hatte Mahlers symphonische Partitur so bearbeitet, dass eine neue Durchsichtigkeit und Klarheit der Stimmführung entstand. Erstaunlich, dass auch in dieser solistischen Fassung die klanglichen Verdichtungen und dynamischen Höhepunkte symphonische Kraft behielten. Und nichts ging von dem Geist dieser Symphonie verloren. Thorsten Enckes Dirigat spürte feinsinnig die Ambivalenz auf, in der die bürgerliche Behaglichkeit immer gefährdet scheint und das heitere Tänzchen jäh zum Tanz auf dem Vulkan werden kann. Und für den groß angelegten letzten Teil der Symphonie hatte der Dirigent mit Ania Vegry eine wunderbar singende Sopranistin an seiner Seite. Ihre edle Stimme beherrschte alle Register und hatte viele ausdrucksstarke Klangfarben zur Verfügung. Lediglich die Verständlichkeit des Textes verlor sich hier und da im stimmungsvollen Kirchenraum.

Und dann wagte Thorsten Encke das Experiment, direkt an die Sinfonie die vier Lieder op. 13 für Sopran und Instrumente von Anton Webern anzuschließen. Mit einem Ruck konfrontierte sich damit die romantische Tonsprache Mahlers mit der atonalen Klangwelt Weberns. Es war, als wäre ein Schleier von der Musik Mahlers beiseite gezogen und nur noch die abstrakte Struktur von Musik erkennbar. In diesen Miniaturen nach Texten von Kraus, Bethge und Trakl ging Encke nicht ganz so differenziert vor wie in der Mahlersinfonie. Dadurch konnten die minimalistischen Instrumentallinien und konzentriert geschichteten Klänge nicht immer vollständig ihre innere Spannung entfalten. Trotzdem war es eine beachtliche und schöne Interpretation von Sopran und Ensemble. 

Viel Beifall, Pause, und dann die „Night of music“, die Achim Kück mit seinen jazzenden Freunden professionell gestaltete. Dabei gab es auch eine kurze Kooperation von musica assoluta und Jazzcombo, als sich beide Gruppen mit viel Spaß durch eine swingende Version der „Nussknacker“-Musik von Tschaikowsky groovten. Als Clou am Schluss setzte sich Ania Vegry auf den Barhocker am Klavier und sang zum ersten Mal Jazztitel, darunter auch mit passendem Sound die Ballade „My funny Valentine“. Die arrivierte Konzert- und Opernsängerin strahlte dabei eine verschmitzte Freude aus, als hätte sie Lust auf mehr. Es würde sich lohnen.

Am 19. April spielt Musica assoluta Werke von Luciano Berio im Sprengel-Museum.

Von Claus-Ulrich Heinke

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