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Musicbanda Franiu zeigt Uraufführung

Kunstfestspiele Herrenhausen Musicbanda Franiu zeigt Uraufführung

Dem Himmel so nah: Die Musicbanda Franui hat eigens für die Kunstfestspiele Herrenhausen in Hannover eine Uraufführung kreiert.

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Armer Christensen: Erst muss er mehrfach in die Hölle stürzen, und dann wird er auch noch von einer Blaskapelle überrannt.

Quelle: Steiner

Hannover. Der Festsaal des Galeriegebäudes inmitten der Herrenhäuser Gärten mit seinen venezianisch anmutenden Fresken ist so weitläufig, dass selbst die üppigen Kronleuchter dezent wirken. Auf einer Länge von knapp 80 Metern erstreckt sich der Raum, der Ende des 17. Jahrhunderts nach den Wünschen von Kurfürstin Sophie gestaltet wurde. Die Wandmalereien erzählen aus dem Leben des trojanischen Helden Aeneas, der nach einem Kampf im Olymp landet. Über den Wolken spielt auch das Musiktheaterstück der Osttiroler Musicbanda Franui, das am 10. Juni im Rahmen der Kunstfestspiele Herrenhausen uraufgeführt wird. „Schau lange in den dunklen Himmel“, das sich mit Musik von Robert Schumann und Texten von Robert Walser auseinandersetzt, ist bewusst auf die historische Kulisse abgestimmt.

„Wir wollten den Saal mit seinen faszinierenden Malereien und seiner Architektur unbedingt in das Stück einbinden“, sagt Regisseurin Corinna von Rad. Und so sitzt die Musicbanda Franui als „Himmelsgremium“ zwischen mit weißen Laken verhüllten Stuhlreihen und begleitet musikalisch den mühsamen Weg eines neuen „Delinquenten“ ins Paradies. Der Schauspieler Daniel Christensen übernimmt diese Ein-Mann-Rolle und stürzt zwischendurch so oft vom Bühnenpodest in die imaginäre Hölle, dass das Festival-Thema „Fragiles Gleichgewicht“ für den Zuschauer höchst anschaulich wird.

Das Stück ist wie die Musik von Franui gleichermaßen schräg und schön. Die Musiker der von Andreas Schett vor 19 Jahren gegründeten Formation in der typischen Besetzung einer alpenländischen Tanzkapelle mit Instrumenten wie Trompete, Posaune, Tuba, Zither und dem „süßen Hölzl“ der Klarinetten, bezeichnen sich selbst als „Trauermarschspezialisten“. Wie man damit einen Abend unterhaltsam füllen kann, stellte Franui bereits im vergangenen Jahr in Hannover mit ihrer Interpretation von Mahler-Liedern unter Beweis. Festspielintendantin Elisabeth Schweeger beauftragte Schett schließlich für 2012 mit einer Schumann-Bearbeitung und führte ihn mit Musiktheaterregisseurin Corinna von Rad zusammen. Auf der Basis von Schumanns „Geistervariationen“, seiner letzten, bereits halb im Wahn geschriebenen Komposition und Texten von Robert Walser, etwa aus den „Kleinen Dichtungen“, schufen sie ein Stück, das zwischen Himmel und Hölle, Wahn und Wirklichkeit spielt. Dabei spielen die Musiker nicht einfach nur ihre Noten, sondern bringen sich auch mit kleinen Gesten und kurzen Sätzen in die Inszenierung ein. Geduldig und aufmerksam verfolgen sie bei der Probe Christensens Monologe, ohne ihren Einsatz zu verpassen.

Gesungen wird auch: Otto Katzameier ist für Christensen eine Art musikalischer Sidekick, wenn er Lieder wie Schumanns „Allnächtlich im Traume“ anstimmt. Die Akustik in der Galerie ist noch nicht optimal. Dennoch herrscht gute Stimmung auf der Probe. Theaterleute und Musiker verstehen sich ohne viele Worte.

Schett hat mit seinem Co-Komponisten Markus Kraler fast ein Jahr an der Musik für „Schau lange in den dunklen Himmel“ geschrieben. „Wir setzen jede Note zu zweit. Das fördert die Disziplin, und wir ergänzen uns optimal“, sagt er. Immer sei das Ziel, die Musik in ihrem „originalsten Zustand zu zelebrieren“. Dafür wird das Repertoire hier und da auch mal regelrecht entkernt. Von den „Geistervariationen“ wird nur die fünfte originalgetreu gespielt, jene, die Schumann nach seinem Selbstmordversuch mit einem Sturz in den Rhein verfasst haben soll. Die Bearbeitung ist die eigentliche Kunst der Banda. Und die ist stark beeinflusst von den alpenländischen Trauermärschen, die Dorfmusiker bei Beerdigungen spielen. Die Märsche werden niemals geprobt. Daher klingt vieles schief. Es ist Musik zwischen Weinen und Lachen. Auch das zelebriert Franui. „Ein Trauermarsch zieht und schiebt zugleich“, sagt Schett. „So muss Musik sein. Alles andere ist bedeutungslose Routine.“

Dass Franui weit von Routine und Belanglosigkeit entfernt ist, beweist letztlich auch der große Erfolg dieser wohl einzigartigen Grenzgänger zwischen Volksmusik und Klassikkunst. Neben Hannover stehen für den Sommer unter anderem noch Auftritte bei den Salzburger Festspielen und am Wiener Burgtheater an. Wie eine Großfamilie auf Reisen zieht Franui dann durch die Lande.

Die meisten Musiker kennen sich schließlich aus Kindertagen, weil sie zusammen im selben Dorf in Osttirol groß geworden sind. Zu dem gehört eine Almwiese namens Franui auf 1400 Metern über Normalnull. Dem Himmel ganz nah.

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