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„Ich lerne langsam, mit dem Job umzugehen“

Interview „Ich lerne langsam, mit dem Job umzugehen“

Dirigent Eivind Gullberg Jensen kehrt nach zwei Jahren zu dem Orchester zurück, bei dem er fünf Jahre lang Chef war: zur NDR Radiophilharmonie. Hier spricht der noch immer junge Norweger über gemischte Gefühle vor dem Wiedersehen, seine Zukunftspläne und seine persönliche personelle Verstärkung.

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Eivind Gullberg Jensen

Quelle: Hennek

Hannover. Herr Gullberg Jensen, im März kehren Sie erstmals nach Ihrem Abschied vor zwei Jahren zu Ihrem alten Orchester zurück. Wie ist Ihre Stimmung vor der Rückkehr nach Hannover?

Vor allem freue ich mich, das Orchester und alle anderen Kollegen im Haus wiederzusehen. Und ich bin optimistisch, dass wir sehr schöne Konzerte haben werden.

Sie haben die Radiophilharmonie fünf Jahre lang geprägt. Inzwischen hat sich das Orchester verändert. Ist das nicht ein bisschen so, als kehrte man zur Familie zurück und ist doch irgendwie fremd?

Das ist absolut möglich. Es hat allerdings schon ein bisschen gedauert, bis das Orchester und ich unseren gemeinsamen Klang gefunden haben – eigentlich war es erst in den letzten beiden Spielzeiten so weit. Die Frage ist, ob sich jetzt schon etwas verändert hat. Darauf bin ich sehr gespannt. Ich denke aber, dass wir trotz der zwei Jahre, die wir uns nicht gesehen haben, schnell zusammenfinden werden und wieder erreichen, was wir früher gehabt haben.

Bei Ihrem Konzert ist mit der Geigerin Hilary Hahn eine außergewöhnlich prominente Solistin mit von der Partie. Wie kommt es dazu?

Es kann sein, dass es ein Wunsch von Hilary war, noch einmal mit mir in Hannover zusammenzuarbeiten, weil es das letzte Mal so gut geklappt hat. Wir haben damals auch eine kleine Tournee durch Deutschland und Polen gemacht. Das war sehr schön.

Wenn man Ihren Terminkalender ansieht, sind Sie im Moment schwer beschäftigt.

Ja, ich habe gerade sehr viel zu tun. Eigentlich wollte ich es nach Hannover ein bisschen ruhiger angehen lassen, um mal wieder den Kopf über dem Wasser zu halten nach all den Jahren mit vielen, vielen anstrengenden Programmen. Das hat auch ein paar Monate lang geklappt. Aber dann bin ich für Riccardo Muti an der römischen Oper eingesprungen, und es wurde gleich wieder heftig. Ich bin aber etwas besser darin geworden, die Zeit zu organisieren und Phasen zu haben, in denen ich nicht dirigieren muss, sondern neue Stücke einstudieren und auch mal Urlaub machen kann. Ich lerne langsam, mit diesem Job umzugehen. Es wird auch Zeit: Im Sommer bekommen meine Frau und ich noch ein Kind.

Herzlichen Glückwunsch. Das wie vielte ist es denn?

Für mich kommt jetzt Opus vier und für meine Frau nach unserer Tochter Alma, die bald drei wird, Opus zwei: wahrscheinlich ein Junge. Wir freuen uns sehr darauf, und halten dann ein bisschen Ruhe. Es gibt also Phasen, in denen viel zu tun ist und solche, die weniger von der Arbeit geprägt sind.

Ist es für Sie angenehmer frei zu arbeiten oder Chefdirigent zu sein?

Nach meiner Zeit in Hannover war ich schon sehr froh, ein paar Spielzeiten ohne Verantwortung für ein Orchester zu sein. In vieler Hinsicht ist das natürlich einfacher und angenehmer: Man muss sich nur um seine eigene Konzerte kümmern, hat keine Personalverantwortung. Es gibt ja viele und auch berühmte Dirigenten, die das dauerhaft so machen. Es gibt jetzt aber ein paar Orchester, die sich interessiert gezeigt haben, eine feste Zusammenarbeit einzugehen, und ich bin wohl auch bald wieder so weit. Ich habe in Hannover schließlich auch viele, viele gute Erfahrungen mit so einer Position gemacht. Es dauert sicher nicht mehr lange, bis ich mich wieder verpflichte.

Wollen Sie lieber an ein Opernhaus oder zu einem Sinfonieorchester gehen?

Das werden wir sehen. Ich bin offen für beides. Es ist natürlich einfacher mit einem Sinfonieorchester, ein Opernhaus bringt erheblich mehr Verpflichtungen. Es hängt jetzt aber davon ab, welches Angebot am besten passt. Wenn es gute Ansätze für eine gemeinsame musikalische Entwicklung gibt, ist mir alles recht. Ich habe aber nichts zugesagt und mich auch noch nicht endgültig entschieden.

Eivind Gullberg Jensen ist 1972 im norwegischen Bergen geboren und hat unter anderem bei dem finnischen „Dirigentenmacher“ Jorma Panula studiert. Von 2009 bis 2014 war er Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie in Hannover. Er ist mit der Sopranistin Mari Eriksmoen verheiratet und hat zwei Kinder aus erster Ehe. Am Donnerstag, 10. März und am Freitag, 11. März, dirigiert er im Funkhaus Werke von Robert Schumann, Carl Maria von Weber und Henri Vieuxtemps, Solistin ist die amerikanische Geigerin Hilary Hahn. Beide Konzerte sind bereits ausverkauft.

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