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NDR Radiophilharmonie spielt deutsche Filmusik

Funkhaus NDR Radiophilharmonie spielt deutsche Filmusik

Die NDR Radiophilharmonie führt im Funkhaus durch die deutschen (Kino-)Geschichte. Der Moderator Desimo ordnet die Filme und ihre Musik historisch ein, so wird der Abend nicht nur eine Auffährung deutscher Filmmusik, sondern auch eine kleine, vertonte Geschichtsstunde. 

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Fertigmachen zum Abtauchen: Die Radiophilharmonie spielt die Musik zu „Das Boot“.

Quelle: Wyrwa

Hannover. Von der süffigen dunklen Romantik des „Nosferatu“-Soundtracks über den Bombast von „Metropolis“ bis zum Kitsch der „Winnetou“-Melodie: Bei der Aufführung deutscher Filmmusik der NDR Radiophilharmonie unter dem Dirigat von Frank Strobel sind viele Geschmacksrichtungen dabei.

Während das Herzstück des Konzertes zwar ein Medley aus Klaus Doldingers Soundtrack zum Film „Das Boot“ bildet – das durch die Orchesterbesetzung an Druck gewinnt, aber ohne elektronische Instrumente ein wenig seiner Atmosphäre beraubt wird –, ist der Höhepunkt des Konzertes doch ein anderer. Nämlich die Live-Vertonung des vielfach prämierten Tatorts „Im Schmerz geboren“ – inklusive Orchesterarrangement, dessen ausgeklügelten Soundtrack Dirigent Strobel teilweise für das Fernsehen mit dem HR-Orchester einspielte. „Klassische Musik für das Fernsehen einzuspielen“, sagt er dazu im Gespräch mit dem Moderator und Comedian Desimo, „läuft manchmal gegen die Art, wie man gewohnt ist, sie zu spielen.“

Grob strukturiert wird das Konzert durch Berührungspunkte der Filme mit der deutschen Geschichte – den Anfang machen „Metropolis“ und „Nosferatu“, weiter geht es mit „Sophie Scholl“ und dem NS-Propagandafilm „Die große Liebe“, später gibt es dann „Das Wunder von Bern“, „Das Leben der Anderen“ und „Goodbye Lenin“, für den Yann Tiersen die Musik komponierte. Moderator Desimo ordnet die Filme und ihre Musik historisch ein und macht dabei erfreulich wenige Witze.

Weiter Blickwinkel

Auch wenn diese Struktur manchmal durchbrochen wird, führt das letzte Konzert des Ring Pops nicht nur durch deutsche Filmmusik, sondern Stück für Stück auch durch immer wieder neue musikalische und filmische Blickwinkel auf Deutschland und seine Geschichte. Und die reichen weit, nämlich von der naiv-bombastischen, allumfassenden Dystopie von „Metropolis“ bis hin zum postmodern zusammengeklöppelten Blick des „Tatort“ auf den Wiesbadener Außenbezirk Erbenheim.

So wird der Abend nicht nur eine Aufführung deutscher Filmmusik – sondern auch eine kleine, vertonte Geschichtsstunde von einem Orchester und einem Dirigenten, denen die Aufführung sichtlich Spaß bereitet.
Noch einmal: Am Sonnabend um 20 Uhr.    

von Jan Fischer  

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