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18:38 23.02.2018
Schuld, Krisen, Leidenschaften: „Der Amokläufer“ neu erzählt nach Stefan Zweig. Quelle: Maria Hoffmann
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Hannover

Wir spinnen uns an dieser Geschichte entlang und wechseln die Perspektiven“, skizziert Theaterfrau Ingeborg Hoffmann ihren Inszenierungsansatz. Die Literaturwissenschaftlerin hat sich einen komplexen Stoff vorgenommen: die Novelle „Der Amokläufer“ von Stefan Zweig. Die Story aus dem frühen 20. Jahrhundert handelt von Liebe, Besessenheit und Tod, von einer geheimnisvollen Frau, die nach einem illegalen Schwangerschaftsabbruch stirbt, von einem Arzt, der unerhörte Forderungen stellt und der Toten schließlich aus innerer Bedrängnis heraus folgt. „Wer sind diese Figuren, was treibt sie an, was treibt sie um?“ Regisseurin Hoffmann interessiert sich für klassische Literatur. „Ich liebe die poetische Kraft dieser Texte, deshalb möchte ich sie auch für ein neues, junges Publikum erschließen und in die Gegenwart holen.“ Das hat die Theatermacherin als Regieassistentin am Schauspiel Hannover in unterschiedlichen Projekten durchgespielt. Etwa in der Seifenoper „Whaaat“, die sie im Ballhof Café mit Jugendlichen weitergeschrieben hat. „Mein Herzensprojekt“, schwärmt sie noch heute. „Wir haben Figuren der Weltliteratur befragt, mit Helden aus der Pop-Kultur überschrieben und so ins Hier und Jetzt übertragen. Das eröffnet ganz neue Zugänge.“

So gehe es auch diesmal nicht darum, die Novelle von Stefan Zweig in eine Bühnenform zu bringen, sondern um das Innenleben der Figuren, die in neuer Konstellation zum Leben erweckt werden: eine Frau, die nach einem Schicksalsschlag vollkommen zurückgezogen lebt, und ein merkwürdiges junges Paar, das plötzlich in diese Einsamkeit eindringt. Gemeinsam müssen sie mit ihren Traumata klarkommen: mit Schuld, Identitätskrisen und ungezügelten Leidenschaften. Sie alle stehen nah am Abgrund. Dabei verwischen sich die Grenzen zwischen Realität und Fiktion und neue Wahrheiten treten zutage. „Wir erzählen die Geschichte - anders als Stefan Zweig - bewusst aus dem weiblichen Blickwinkel. In den Texten, die wir während der Proben entwickeln, kommen aber immer wieder Original-Passagen aus der Novelle vor. Auch das ist uns sehr wichtig.“

Zweig-Kenner, betont die Regisseurin, kämen dabei ebenso auf ihre Kosten wie Zweig-„Beginner“. Das Projekt, das Ingeborg Hoffmann konzipiert hat, ist eine Kooperation mit den Hannoverschen Kammerspielen unter der Leitung von Harald Schandry, dem Chef des Kindertheaterhauses im Alten Magazin. Es spielen Manuel Dragan, der jüngst am Neuen Theater in dem Komödienklassiker „Charleys Tante“ zu sehen war, Elisabeth Frank, die zum Ensemble von Klecks/Hannoversche Kammerspiele gehört, und Shana May M’Baye, die derzeit in dem Klassenzimmerstück „Untenrum“ in Schulen unterwegs ist. Dz

Premiere ist am 30. März, 20 Uhr, im Alten Magazin. Karten unter (05 11) 81 69 81.

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