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Neuauflage von Salgados Bildband "Exodus"

Brasilianischer Fotograf über Flucht und Migration Neuauflage von Salgados Bildband "Exodus"

Der 72-jährige Fotograf Sebastião Salgado zeigt in seinem Bildband "Exodus" beeindruckende und berührende Aufnahmen zum Thema Migration und Flucht. Jetzt wird das Buch des Brasilianers neu aufgelegt.

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Beklemmend – und höchst aktuell: Sebastião Salgados Fotografien von Flucht und Migration.

Quelle: Sebastião Salgado

Hannover. Eine Mutter schaut hinab auf ihr Kind, das hoffnungsvoll lächelnd zur Mutter aufblickt – ein Moment der Zuversicht und Privatheit inmitten eines Panoramas erbarmungsloser Öffentlichkeit und Hoffnungslosigkeit, den Sebastião Salgados Kamera in einem afrikanischen Flüchtlingslager festgehalten hat. Es ist der genaue Blick für solche kleinen Details im großen Bewegungsstrom von Flucht und Vertreibung, Migration und Exil, der die Bilder des brasilianischen Fotografen auszeichnet.

Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgados zeigt in der Neuauflage seines Bildbandes "Exodus" Fotografien über Flucht und Migration.

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Zu erleben ist dieses Nebeneinander von Intimem und Öffentlichem jetzt in dem Bildband „Exodus“. Darin konfrontiert der brasilianische Fotograf Panoramen von rauchüberzogenen Zeltstädten, von hektisch über Bahnsteige eilenden Menschenmassen oder dem einsamen Zug eine Indogruppe durch die Anden mit der sorgenzerfurchten Stirn eines Wanderarbeiters oder dem Lächeln einer Schwarzen, die mehrere Bastmatten auf dem Kopf balanciert.

Ein Lächeln ist eher die Aufnahme auf den Fotografien Salgados. „Exodus“ zeigt Flüchtende, Elende, Hungernde, Sterbende und Tote. Manche Bilder sind schier unerträglich, lösen beim Betrachter spontan Beklemmungen aus. Dabei sind die Fotografien des 72-Jährigen, den Wim Wenders 2014 mit seinem Dokumentarfilm „Salz der Erde“ einem großen Kinopublikum bekannt gemacht hat.

In vier Kapiteln erzählt das Buch vom Leben der Migranten, afrikanischen Tragödien, der Landflucht in Lateinamerika und den Megastädten Asiens. Salgado, der seine Fotografen-Laufbahn 1973 in Paris begann, gelingt mit „Exodus“ indes mehr als ein Lamento über den Lauf der Welt. Seine Aufnahmen schaffen Empathie mit den Benachteiligten auf dieser Erde. Und die Erläuterungen im 32 Seiten schmalen Begleitheft fördern das Verständnis der Konflikte, die in dem Bildband vorkommen. Das Werk erlaubt ein Staunen über diese, unsere Welt. Es zeugt auch von der Kraft des Lebens, erzählt von Mühsal und Arbeit, Hoffnung und Verzweiflung.
Das alles ist nicht neu. Die Fotos in „Exodus“ entstanden in den Neunzigerjahren, erschienen sind sie erstmals 2000 unter dem Titel „Migranten“ im Verlag Zweitausendeins. Längst war dieser Band vergriffen, erläutert der Taschen-Verlag, der die Neuauflage besorgte. Die Schauplätze und Fluchtwege haben sich seither verlagert, „doch das Phänomen bleibt das gleiche“, schreibt Salgado in seinem Vorwort zur Neuausgabe.

Tatsächlich ist das Thema des Bildbandes aktueller denn je: Mit 65 Millionen Menschen hat die Zahl der Geflüchteten weltweit gerade einen neuen Rekord erreicht, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen kürzlich mit. Salgado zeigt, wie das im einzelnen, konkreten Fall aussieht.     

Von Roland Siegloff

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