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Kultur Hanns Lilje: Der Bischof, der Krieg und die Haft
Nachrichten Kultur Hanns Lilje: Der Bischof, der Krieg und die Haft
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00:16 17.11.2016
Von Simon Benne
Lichtgestalt des Luthertums: Hanns Lilje.
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Hannover

Die grausige Erkenntnis kam ihm schleichend: Die dunklen Flecken, die sich überall in seiner Zelle im Gestapo-Gefängnis fanden, waren kein Schmutz, sondern Blutspritzer. Am 19. August 1944 war der Theologe Hanns Lilje verhaftet worden. In seinem Buch „Im finstern Tal“ beschrieb er später im eleganten Feuilletonstil die Dumpfheit seiner Bewacher, die Schreie seiner gequälten Mithäftlinge – und wie sein Glaube ihm in der Zeit des Martyriums eine innere Unabhängigkeit verlieh.

„Im finstern Tal“, nach dem Krieg ein Bestseller, ist jetzt neu erschienen (LVH, 136 Seiten, 12,95 Euro). Die Lektüre lohnt noch immer; die Schrift ist zugleich Zeitdokument und bewegendes Glaubenszeugnis. Nach dem Krieg verschaffte die Haft dem Theologen „eine Art Glaubwürdigkeitskredit“, wie der langjährige NDR-Religionsredakteur Ralph Ludwig jetzt in seiner Biografie „Hanns Lilje – Ein frommer Weltbürger“ schreibt (Wichern-Verlag, 144 Seiten, 14,95 Euro).

Attentatsplänen gegen Hitler hatte Lilje fern gestanden; politischer Widerstand gegen die Obrigkeit lag dem Lutheraner nicht. Den Nazis war er vor allem suspekt, weil er internationale Kontakte hatte und führende Widerständler seine Gottesdienste besuchten. Bei den Alliierten trug ihm seine Gestapo-Haft dennoch großes Vertrauen ein; Lilje wurde nicht nur 1947 Hannovers Landesbischof, er machte auch als Präsident des Lutherischen Weltbundes Karriere. Lilje wurde zur prägenden Persönlichkeit des Protestantismus, manche sahen in ihm eine Lichtgestalt des Luthertums.

Gemessen daran zeichnet Ralph Ludwig die Vita Liljes sehr nüchtern nach. Sein Buch ist weniger ausführlich als die umfangreichen Lilje-Biografien von Johannes Jürgen Siegmund oder Harry Oelke, doch es bietet einen kenntnisreichen, gut lesbaren Überblick über den Weg des Theologen, dessen Vater Diakon an der Apostelkirche in Hannover gewesen war. Ludwig skizziert, wie der welt- und mediengewandte Lilje nach dem Krieg das „Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt“ und die Evangelische Akademie gründete und wie er an der Wiege der Evangelischen Kirchentage Pate stand.

Differenziert geht Ludwig mit heiklen Stellen in Liljes Biografie um: Dieser hatte 1933 die Machtübernahme der Nazis als „neuen deutschen Morgen“ begrüßt. Erst später wandelte er sich zum NS-Gegner. Doch noch 1941 verfasste er den umstrittenen Aufsatz „Der Krieg als geistige Leistung“. Beim Kirchentag 1969 kam es zum Eklat, weil Studenten ihm Kriegsverherrlichung vorwarfen – was Lilje nie völlig entkräften konnte. Schon kurz nach Kriegsende hatte er einen Schlussstrich in Sachen Vergangenheitsbewältigung gefordert. Wenn die Kirche sich erst spät anschickte, die unrühmlichen Seiten ihrer Geschichte aufzuarbeiten, lag das auch an ihm. Andererseits brach der eher konservative Lilje eine Lanze für Brandts Ostpolitik.

Ein Amt blieb ihm dennoch zeitlebens verwehrt: Nie wurde er zum Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland gewählt. Er scheiterte am Widerspruch der Kirchenvertreter aus der DDR. Da er die bundesdeutsche Wiederbewaffung verteidigt hatte, war er dort als „Nato-Bischof“ verschrien.

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