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In den Archiven von Frida Kahlo

Mexikos Kunstikone In den Archiven von Frida Kahlo

Die Malerin Frida Kahlo ist die wohl bekannteste Künstlerin Lateinamerikas. Ihr Werk und ihr Leben gelten als gut erforscht. Trotzdem fördern Wissenschaftler aus den Archiven immer wieder neue Details über die faszinierende Frau ans Tageslicht.

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Besucher warten vor dem Bucerius Kunstforum in Hamburg auf den Einlass zur Ausstellung mit Werken der mexikanischen Malerin Frida Kahlo.

Quelle: Maurizio Gambarini/dpa

Mexiko-Stadt. Ob in der Liebe oder im Leid – schonungslos offen hat die mexikanische Malerin Frida Kahlo stets ihr Innerstes nach Außen gekehrt. In ihren Selbstbildnissen zeigte sie sich als körperlich Versehrte und emotional Verratene. Dennoch gibt es auch 60 Jahre nach ihrem Tod noch immer Neues über die wohl bedeutendste Künstlerin Lateinamerikas zu entdecken.

In ihrem Geburtshaus Casa Azul in Mexiko-Stadt ist derzeit der Mode von Frida Kahlo eine Ausstellung gewidmet. Für „Die Erscheinung trügt: Die Kleider von Frida Kahlo“ hat das Museum den Kleiderschrank der Malerin geöffnet. „Frida Kahlos Garderobe wurde von zwei Tragödien beeinflusst“, sagt die Kuratorin Circe Henestrosa. „Erstens die Kinderlähmung, die ihr rechtes Bein unbrauchbar machte. Und zweitens der Unfall 1925, bei dem sie schwer verletzt wurde.“

Die für Kahlo typischen langen Röcke seien nicht nur ein modisches Statement, sondern auch der Versuch gewesen, ihre körperlichen Gebrechen zu kaschieren, erklärt Henestrosa. Ihr Stil gilt bis heute als wegweisend. Kahlo machte die traditionelle Tracht der Indios auch unter intellektuellen Städtern populär und den Schal Rebozo auf der ganzen Welt bekannt. Anfang des Jahres veröffentlichte die Modezeitschrift „Vogue“ ein Buch über die Trendsetterin.

Als Tochter des deutschen Fotografen Carl Wilhelm „Guillermo“ Kahlo und von Matilde Calderón y González wurde Frida 1907 in Coyoacán im heutigen Mexiko-Stadt geboren. Als Sechsjährige erkrankte sie an Kinderlähmung, mit 18 Jahren erlitt sie einen schweren Verkehrsunfall, der sie fast das Leben kostete. Sie wurde über 30-mal operiert und musste jahrelang ein Stahlkorsett tragen.

Die ständigen körperlichen Schmerzen verarbeitete Kahlo in ihren Bildern. Prägend war zudem ihre Beziehung zu dem Maler Diego Rivera, den sie zweimal heiratete. Über die ständigen Seitensprünge ihres Mannes tröstete sie sich mit eigenen Affären hinweg – sowohl mit Männer als auch mit Frauen. Am 13. Juli 1954 starb sie an einer Lungenembolie.

Kahlos Archive wurden erst vor zehn Jahren geöffnet. Seitdem sichten Wissenschaftler und Kuratoren die über 30.000 Dokumente, Fotografien und Objekte. „Die Stücke sind sehr beredt. Bei einigen Dingen denkt man vielleicht, sie hätten keinen großen Wert, die Schuhe zum Beispiel sind alt und kaputt“, sagte kürzlich der Fotograf Pablo Ortiz Monasterio der Zeitung „El Universal“. „Aber sie erzählen uns von einem beeindruckenden Paar, großen Künstlern des 20. Jahrhundert.“

Die jüngste Forschung hat auch ein neues Licht auf die Beziehung zwischen Frida und Diego geworfen. So hätten sie sich in Briefen gegenseitig um künstlerischen Rat gefragt. „Das zeigt, es war eine Beziehung unter Gleichen, geprägt von intellektuellem und künstlerischem Respekt“, sagt die Leiterin des Frida-Kahlo-Museums, Hilda Trujillo. „Frida war sie selbst und Diego respektierte sie.“

Doch der weltberühmte Wandmaler war nicht der einzige Mann, der eine wichtige Rolle in Fridas Leben spielte. Ihr Vater hat die Künstlerin wohl viel stärker geprägt, als bislang angenommen. „Die Fotoleidenschaft von Guillermo Kahlo war entscheidend. Wir haben 30 Selbstporträts von ihm gefunden, einige wurden wahrscheinlich noch in Deutschland gemacht. Das war sehr wichtig für sie“, erklärt Ortiz Monasterio.

Die Restauratorin Liliana Dávila sagt, die Familienfotos hätten sowohl für Frida als auch für Diego große Bedeutung besessen und dem Paar auch zur künstlerischen Inspiration gedient. „Es ist interessant, die Fotos zu sehen, die Frida bei ihren Bilder halfen. Wir haben mehrere unvollendete Gemälde gefunden, von denen wir wissen, dass Fotos als Vorlage gedient haben“, sagt Dávila.

Von Denis Düttmann/dpa

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