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Neue Gruppenschau im Kunstverein

„Körper und Bühnen“ Neue Gruppenschau im Kunstverein

Pünktlich zum Tanzkongress startet im Kunstverein Hannover die Gruppenschau „Körper und Bühnen“. Vier Künstler setzen sich mit dem Thema Körperlichkeit und Identität auseinander. 

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Körper von Alexandra Bachzetsis.

Quelle: Florian Petrow

Hannover. Drei Leiber räkeln sich auf dem Boden. Mal nebeneinander, mal ineinander verschränkt. Und auch deshalb schwer voneinander zu unterscheiden, weil alle so merkwürdige Fleisch- und Sehnenkostüme tragen, als wären sie aus den Körperwelten Gunther von Hagens entwischt. Doch es sind die drei Akteure des Videos „From A to B via C“ der Tanzchoreografin Alexandra Bachzetsis, die sich in diesem Video (schwarzgelockt) auch selbst miträkelt. Körper in Bewegung sind hier alles, die Bühnenzutaten nichts.

Genau umgekehrt geht es im Video „Memory Island“ zu, für das die Queer-Ikone Clarence Dennis Sanders, bekannter unter ihrer Künstleridentität Vaginal Davis, ein Arsenal aus Trash und Kitsch, aus Kulisse und Maske vor der Kamera versammelt, in die ihre Akteure seltsam sediert hineinstarren. Hier sind die Bühnenzutaten alles. Und die Körper reglos.
Die beiden Videos kann man jetzt in entgegengesetzten Ecken des Künstlerhauses besichtigen – als zwei polare Positionen zum Thema „Körper und Bühnen“, wie die neue Kunstvereinsausstellung heißt. „Für Alexandra Bachzetsis geht es um die Erfahrung des körperlichen Ausdrucks“, sagt Kunstvereinsdirektorin Kathleen Rahn, „ganz losgelöst von jeder Transzendenz.“ Für die in Los Angeles geborene und in Berlin lebende Vaginal Davis geht es, gerade umgekehrt, um soziale Repräsentanzen. „Welche Hüllen ziehen wir uns an, ist da die zentrale Frage“, sagt Kuratorin Ute Stuffer, „welche Rollen wollen wir spielen?“

Bachzetsis und Davis sind zwei der vier Künstler dieser Gruppenschau, hinzu kommen noch Beiträge des Australiers Adam Linder und des wie Bachzetsis in der Schweiz geborenen Shahryar Nashat. Der widmet sich in Siebdruckarbeiten menschlichen Posen, bietet dem Publikum Bänke für ein eigenes Posieren oder auch nur zum Verschnaufen an – und konfrontiert die derart Dahockenden auf Monitoren mit Kunstikonen wie Beyonce und Mona Lisa. All das ist räumlich (und raumgreifend) zwischen den Videos von Bachzetsis und Davis verteilt und wirkt ein wenig zusammengewürfelt. Vergleichsweise spannend ist noch Nashats Video „Hustle in Hand“. Das zeigt, dass auch die Kamera den Bühnenraum definieren und durch ihre Bewegungen unbelebte Objekte bewegt zeigen kann.

Spannend über die Ausstellungspräsentation hinaus bleibt, worin wohl der Beitrag des Tänzers und Choreografen Adam Linder bestehen wird. Das vorerst einzige Dokument dazu hängt am Eingang. Es handelt sich um einen kleinen Zettel mit der Aufschrift „Some Cleaning“ und der Vereinbarung, gegen einen Stundenlohn von 275 Euro insgesamt 20-mal „choreografische Arbeit“ abzuliefern, die „symbolisch und experimentell die Örtlichkeit des Auftraggebers reinigt“. Kathartische Kunsteffekte dürften da inbegriffen sein, schließlich lässt sich Katharsis auch mit Reinigung übersetzen.

Nicht nur von solchen (Körper-)Bewegungen wird der Kunstverein jetzt erfüllt, er wird auch selbst bewegt. Denn Kathleen Rahn vernetzt ihn diesmal mit den Tanzexperten des Opernhauses sowie den Akteuren des Tanzkongresses, den die Kulturstiftung des Bundes mit der Landeshauptstadt in einer Woche in Hannover ausrichtet. Die Kunstvereinschefin hat sich dafür auch mit der Architektur des Künstlerhauses auseinandergesetzt. Sie öffnet die Oberlichter und damit neue Raumoptionen, wenn auch hier nur zur Belüftung. Damit nicht nur genug Platz, sondern auch Luft genug ist – für Liveauftritte über Linders „Cleaning“ hinaus.

Welche Wirkungen der unter der Regie von Opernballett-Betriebsdirektor Steven Markusfeld eigens installierte quadratische Schwingboden hat, demonstriert dieser gemeinsam mit Rahn und Stuffer durch einen Luftsprung – und man sieht: So ein federnder Boden kann erhebend sein.

Zu den Videokonserven bilden die Performances einen Kontrapunkt – und wer vom Liveerlebnis erschöpft ist, mag sich in einem eigens eingerichteten „Leseraum“ noch Texte zu Pina Bausch oder Sasha Waltz zu Gemüte führen. Oder den neuen Titel des Magazins „Kunstforum“, das „Partizipation als künstlerische Strategie“ empfiehlt. Ein Ratschlag, dem offenbar auch der Kunstverein folgt.

Ausstellungstipp

„Körper und Bühnen“. Bis 28. August im Kunstverein, Sophienstraße 2. Eröffnung am Freitag um 20 Uhr.

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