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Nachrichten Kultur Neue Modelabels sollen Hannover Glamour verleihen
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10:23 04.07.2011
Die Absolventen aus Hannover zeigen ihre Modekollektionen. Quelle: dpa
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Hannover

Im grellen Scheinwerferlicht laufen die Models über den Laufsteg und präsentieren die Abschlusskollektionen angehender Modedesigner. Mit der Verleihung des Modepreises will die Fachhochschule Hannover einem Klischee entgegen wirken - dem Klischee, dass sich die kreative Modeszene nur in Berlin, Düsseldorf oder München tummeln würde. „Auch in Hannover ist der Trend zu kleinen Modelabels angekommen“, sagt Martina Glomb, FH-Professorin für Modedesign in Hannover.

Rund 20 selbstständige Modedesigner leben derzeit in Hannover - und es werden immer mehr. Denn in Hannover gibt es drei Modeschulen, und einige der Absolventen bleiben in der niedersächsischen Landeshauptstadt. „In den Absolventen steckt viel Potenzial“, meint Mara Michel, Geschäftsführerin vom Verband Deutscher Mode- und Textildesigner. Die kleinen Labels könnten der Stadt ein kreatives Image und etwas Glamour verleihen.

Noch ist das Lieblingsziel vieler Designer mit ihren Abschlusskollektionen die deutsche Hauptstadt. „Aber Berlin ist übersättigt und voller Konkurrenz“, ist Professorin Glomb überzeugt. Deswegen schauten sich viele ihrer Absolventen nach Alternativen um. „Die große Chance für Modedesigner besteht in der lokalen Bezugnahme der Käufer“, sagt die Modeexpertin. Viele modebewusste Kunden fragten sich inzwischen: Welche Modelabels kommen eigentlich aus meiner Stadt?

Zu einer heimlichen Modemetropole ist Hannover durch diese Entwicklung zwar nicht geworden. Doch die ansässigen Modelabels sind zufrieden. Julia Penkina hat sich bereits vor sechs Jahren mit ihrem Label „Kina“ selbstständig gemacht. Die 34-Jährige näht „Schals mit Funktion“. Die sogenannten Ärmelschals können wie ein herkömmlicher Schal oder wie eine Art Bolero getragen werden. „Die Menschen sind für Accessoires eher bereit Geld auszugeben“, erklärt Penkina ihre Gründungsidee.

Auch Eva Diederich hat ihre erste Modekollektion an der Fachhochschule entworfen. Unter dem Label „Dreameater“ hat sie anschließend etwa im Alltag tragbare Trachtenmode in Hannover verkauft. „In Hannover gibt es noch viele Mode-Lücken, hier kann man noch seine Nische finden“, meint sie. Momentan hat Diederich eine Pause eingelegt, doch sie hat schon eine Idee für neue Entwürfe: „Eine Mischung aus skandinavischem Schick und dem abgewrackten Style in London.“

Penkina verkauft in ihrem eigenen Geschäft im Studentenviertel Hannovers, der Nordstadt. „Den meisten Umsatz mache ich aber über Internet-Verkäufe und Angebote in anderen Städten“, sagt die Designerin. Für die Gründung des Labels hat Penkina ihre Ersparnisse aufgebraucht und erst mal nebenberuflich angefangen, ihre Kollektion zu vertreiben. „Eine Förderung durch die Stadt Hannover wäre aber hilfreich gewesen“, meint die Modedesignerin.

„Deutschlandweit ist das die erste Initiative, die in die richtige Richtung geht.“

Eine solche Förderung hat die 26 Jahre alte Ann Kristin Raaber bekommen. 10.000 Euro hat sie zusammen mit einer Geschäftspartnerin bei einem Wettbewerb der Stadt Hannover gewonnen. Die Voraussetzung: Sie eröffnen einen Modeladen in der etwas heruntergekommenen Deisterstraße. „Unser Ziel war es, dem Viertel zu mehr Attraktivität zu verhelfen“, sagt Markus Berg vom hannoverschen Gründungspreis StartUp-Impuls. Deshalb durften Raaber und ihre Partnerin ein Jahr mietfrei ihr Geschäft betreiben.

Dreieinhalb Jahre lang ging das gut, inzwischen ist der „Grossstadtrekorder“ weggezogen. Es fehlten die Laufkundschaft und weitere Modeläden. Nun versucht sich Raaber mit einem neuen Label: Unter „Parvenew“ näht sie alltagstaugliche Taschen und Kleidungsstücke in einem Atelier in Hannover und vertreibt sie im Internet. „Das Projekt der Stadt war super“, meint Raaber. „Es hat uns sehr bei der Selbstständigkeit geholfen.“

Die Idee, Modelabels zu fördern und so Straßenzügen mehr Glanz zu geben, sei „ganz großartig“, findet Michel vom Modeverband. Sie müsse nur konsequent umgesetzt werden: Jedes Jahr neue Modeläden, besser zwei Jahre Mietfreiheit als nur eines. „Deutschlandweit ist das die erste Initiative, die in die richtige Richtung geht.“ Denn Deutschland sei das einzige Land Europas, in dem es keine direkte finanzielle Unterstützung von Modesdesignern gebe. „Mit der richtigen Förderung kann Leerstand und modischem Einheitsbrei entgegen gewirkt werden.“

dpa

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