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Liebe und andere Katastrophen

Neue Romane im Herbst Liebe und andere Katastrophen

Auch wenn gerade erst der Sommer begonnen hat: Für Bücherfans steht eine starke Romansaison bevor – unter anderem mit einem neuen Werk von Jonathan Franzen. Martina Sulner gibt einen Überblick über die wichtigsten Neuerscheinungen im Herbst.

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Jonathan Franzen, hier auf der Frankfurter Buchmesse, legt mit „Unschuld“ einen amerikanisch-deutschen Gesellschaftsroman vor.

Quelle: Arno Burgi

Man liebt sich - und leidet aneinander. Man kennt sich - und ist überrascht von dem, was unter der Oberfläche brodelt. Familie! Das ist ein Dauerthema, auch und erst recht in der Literatur. Zahlreiche Autoren beschäftigen sich in ihren Neuerscheinungen auch in diesem Herbstprogramm mit dem familiären Kosmos; und sonderlich harmonisch geht es da nicht eben zu.

Karl-Heinz Ott zum Beispiel erzählt in „Die Auferstehung“ von vier Geschwistern mittleren Alters, die am Totenbett des Vaters noch einmal zusammenkommen. Da sind alte Rechnungen offen und alte Wunden nicht verheilt. Mit diesem Buch veröffentlicht Ott, der mit dem Roman „Ins Offene“ über ein „Vernichtungsspiel“ zwischen Mutter und Sohn debütierte, erstmals beim Hanser-Verlag. Der Münchner Verlag ist in Familiendingen in diesem Herbst auffällig gut aufgestellt: Der Schweizer Autor Rolf Lappert schildert in „Über den Winter“, wie ein mittelalter Mann gezwungen ist, ganz neu über Eltern und Schwestern nachzudenken. Auch Peter Høeg, dem vor zwei Jahrzehnten mit „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ ein Bestseller gelang, geht es, zumindest mittelbar, um die Familie. Die Experimentalphysikerin Susan kann Mann und Kinder retten, wenn sie die Protokolle eines Gremiums beschafft, das sich mit den Gefahren der Zukunft beschäftigt. „Der Susan Effekt“ erscheint bereits am 27. Juli.

Der neue Franzen hat 864 Seiten

Auch bei einem der renommiertesten amerikanischen Gegenwartsautoren dreht sich, mal wieder, vieles um familiäre Verstrickungen und Liebeswirren. Jonathan Franzen hat mit „Unschuld“ (Rowohlt, 4. September) ein Epos von 864 Seiten geschrieben. Über die rein persönliche Ebene geht Franzen allerdings hinaus. Zu seinen Hauptfiguren gehört zum Beispiel auch ein deutscher Whistleblower, dessen Vater einst ein hohes Tier in der DDR-Politikerkaste war.

Zutiefst privat, dennoch untrennbar mit den gesellschaftlichen Entwicklungen ihres Heimatlandes verbunden sind die Geschichten der israelischen Autorin Zeruya Shalev. Ihr neuer Roman „Schmerz“ (Berlin-Verlag, 14. September) erzählt von einer Frau mittleren Alters, die noch mal neu durchstarten will - mit, na klar, einem neuen Mann an ihrer Seite. Doch diese Iris trägt eine schwere Last mit sich herum: Vor Jahren wurde sie - wie auch Zeruya Shalev - bei einem Terroranschlag in Israel verletzt. Der Schmerz ist noch nicht vorüber.

Die Lage seines Landes nimmt auch US-Autor Richard Ford in all seinen Romanen in den Blick. In „Frank“ (Hanser Berlin, 28. September) erzählt wieder Frank Bascombe, der berühmte Held (oder besser: Antiheld) der sogenannten Bascombe-Reihe, die 1989 mit „Der Sportreporter“ begann. Mittlerweile ist der frühere Journalist und Makler 68 - und nicht eben gut gelaunt angesichts der persönlichen und politischen Probleme, die er beobachtet.

Erpenbeck widmet sich den Flüchtlingen

Um die Katastrophe der Flüchtlinge, die nach Europa gelangen oder zu gelangen versuchen, geht es in Jenny Erpenbecks Buch „Gehen, ging, gegangen“ (Knaus). Der neue Roman der vielfach ausgezeichneten Autorin handelt von einem emeritierten Professor, der in Berlin jungen afrikanischen Flüchtlingen begegnet. Erpenbeck gehört zu den renommierten deutschen Schriftstellern, die in diesem Herbst vielversprechende Titel herausbringen. Feridun Zaimoglu schreibt in „Siebentürmeviertel“ (Kiepenheuer & Witsch) über einen Deutschen im Istanbul der Dreißigerjahre. Joachim Meyerhoff setzt seine autobiografische Romanreihe mit „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ (Kiepenheuer & Witsch) fort; und Gerhard Henschel hat das mittlerweile sechste Buch über seinen Helden Martin Schlosser geschrieben, „Künstlerroman“ (Hoffmann und Campe). Neue Romane bringen auch Katharina Hacker („Skip“), Ulrich Peltzer („Das bessere Leben“) und Ilija Trojanow („Macht und Widerstand“, alle bei S. Fischer) heraus. Und von Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano, im vergangenen Dezember ausgezeichnet, erscheint „Damit du dich im Viertel nicht verirrst“ (Hanser).

...und ein paar Fortsetzungen

Das gehört literarisch in die erste Liga, die ganz großen Umsätze wird Modianos Buch voraussichtlich jedoch nicht machen. Dafür sind im Herbstgeschäft andere Autoren zuständig - etwa David Safier, dessen Roman „Mieses Karma“ sich 2,5 Millionen Mal verkauft hat. Jetzt erscheint „Mieses Karma hoch 2“ (Kindler). Krimispezalist Sebastian Fitzek legt „Das Joshua-Profil“ (Lübbe) vor, und Schauspieler Dominique Horwitz debütiert als Krimiautor: „Tod in Weimar“ (Knaus) handelt von einem Kutscher und ehemaligen Schauspieler, der mysteriöse Todesfälle in einem Seniorenheim aufklärt.

Tot ist auch Will, Held aus Jojo Moyes’ Bestseller „Ein ganzes halbes Jahr“. Doch die Geschichte, die allein in Deutschland rund 1,2 Millionen Mal verkauft wurde, geht weiter: In ihrem Roman „Ein ganz neues Leben“ erzählt die Britin, wie es der ehemaligen Kellnerin und Krankenpflegerin Lou nach dem Tod Wills ergeht. Wird die Frau, die eine Vorliebe für geringelte Strumpfhosen hat, tatsächlich Modedesign studieren? Und wird sie sich mit Wills Eltern zusammenraufen? Ohne Familie geht es auch hier nicht.

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