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Neuer Chefdirigent gibt gefeierten Einstand

Staatsoper Hannover Neuer Chefdirigent gibt gefeierten Einstand

Ivan Repusic hat in der Oper seinen Einstand als hannoverscher Generalmusikdirektor nachgeholt. Der kroatische Dirigent - der seinen geplanten Einstand eine Woche zuvor noch krankheitsbedingt absagen musste - wurde für die effektvolle "Symphonie fantastique" von Hector Berlioz frenetisch gefeiert.

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Fabelhafte Partner: Dirigent Ivan Repusic (am Pult), Solist Simon Trpceski (am Klavier).

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Das Mädchen in der siebten Reihe staunt. Woher kommen alle diese Klänge? Die Glockenschläge, das dumpfe Donnergrollen, das den Saal von der einen zur anderen Seite zu durchlaufen scheint, und dann dies unheimlich hämische Kichern? Das Mädchen reckt den Kopf nach links und rechts und wieder zurück, um an den Vorsitzenden vorbei endlich einen Blick auf die Ursache dieser Seltsamkeiten zu erhaschen. Doch es gelingt ihm nicht. Es sieht nur, was die ganze Zeit schon auf der Opernbühne zu sehen war: die Musiker des Niedersächsischen Staatsorchesters.

Ivan Repusic stellt sich im Konzert als Chefdirigent an der Oper vor - und löst Begeisterung aus.

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Der Dirigent Ivan Repusic hat zu seinem nachgeholten Einstand als hannoverscher Generalmusikdirektor – für die Premiere von „Manon Lescaut“ musste er eine Woche zuvor erkrankt absagen – eines der effektvollsten Orchesterstücke auf das Programm gesetzt. Hector Berlioz hat in seiner „Symphonie fantastique“ so wild mit den Möglichkeiten eines Sinfonieorchesters experimentiert, dass dabei etwas ganz Unerhörtes herausgekommen ist, das auch heute noch nicht nur kleine Mädchen überraschen kann. Die Instrumente des riesigen Orchesterapparats werden ohne Rücksicht auf althergebrachte Klangideale in immer neuen Zusammenstellungen kombiniert. Grelle Piccoloflöten, ein rumpeliges Fagottquartett, gleich zwei Tuben und Schlagzeuger, die ihre Röhrenglocken und Felle hinter der Bühne und dem Zuschauerraum zum Klingen bringen, sind nur einige der Bestandteile von Berlioz‘ musikalischem Hexengebräu. Mit drastischen Mitteln schildert der Komponist (s)ein eskaliertes Liebesleben: Auf die ersten zarten Gefühle und eine rauschende Ballnacht folgt bald die emotionale Hinrichtung mit einer anschließenden Totenfeier voller Geister und Ungeheuer.

Ivan Repusic ist noch nicht 40 Jahre alt und hat doch schon jahrzehntelange Erfahrung mit diesem exaltierten Werk: Es stand auf dem Programm seiner Abschlussprüfung und ist für ihn seither eine Art Glücksstück, wie er bei der Vorstellung der Saison vor einem halben Jahr sagte. Tatsächlich hat es auch jetzt funktioniert: Das Publikum im nicht ganz ausverkauften Saal wollte vor Begeisterung kaum aufhören zu klatschen.

Repusic hat erkennbar Lust am hitzigen Spektakel und weiß es doch stets klug und kühl zu dosieren. Seine „Symphonie fantastique“ überwältigt nicht mit Lärm und Exzentrik, sondern mit wunderbar abgemischten Holzbläserfarben, mit einem vollen, leidenschaftlichen Streicherklang und mit Blechbläsern, die zusätzlichen Glanz entfalten, ohne alles andere zu übertönen. Mit sparsamen, effizienten Bewegungen erweist sich der Dirigent als ein souveräner Klangregisseur, der mitreißen kann, ohne selbst den Halt zu verlieren.

Das nächste Sinfoniekonzert leitet Ivan Repusic am 4. und 5. Dezember. Auf dem Programm steht Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“. Karten unter Telefon (05 11) 99 99 11 11.

Das war auch in etwas kleinerer Besetzung bei Rachmaninows zweitem Klavierkonzert gut zu hören. Repusic ist ohne Zweifel vom ersten Ton an der richtige Mann für den nostalgisch schwärmerischen Tonfall dieses Stückes – und bewahrt sich doch bis kurz vor Schluss einen letzten Trumpf, wenn er die Melodie im Finale ein letztes Mal mit bis dahin aufgesparter Intensität gleißend aufleuchten lässt. Pianist Simon Trpceski (der am Sonntag Geburtstag hatte und dem das Publikum nach der Pause unter Anleitung der Sopranistin Helen Donath ein Ständchen sang) ist dabei ein fabelhafter Partner mit Sinn nicht nur für die großen Bögen, sondern auch für viele vibrierende Details. Charmant war auch seine Zugabe: ein mazedonisches Volkslied in einer Bearbeitung für Klavier und Geige, die er gemeinsam mit der nach längerer Pause wieder ans Erste Pult zurückgekehrten Konzertmeisterin Lucja Madziar spielte.

Musik aus der kroatischen Heimat des Dirigenten gab es zu Beginn des Abends mit dem „Sinfonischen Kolo“ von Jakov Gotovac: ein schwungvolles, präzise und raffiniert musiziertes Werk, das sofort große Erwartungen weckt. Mit diesem Chefdirigenten stehen der Oper drei gute Jahre bevor.

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