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Kultur „Jaaa-Tatatata“
Nachrichten Kultur „Jaaa-Tatatata“
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08:18 28.08.2014
Von Jutta Rinas
Konzentriert: Andrew Manze mit Stargeiger Daniel Hope. Quelle: Eberstein

Wie klingt Hollywood? Was genau ist der Sound, der Filmklassiker aus dem Mekka der Filmindustrie so unvergesslich macht? Ist es am Ende – auch musikalisch – der Glamourfaktor, der überwiegt? Oder sind es die großen Gefühle: Liebe, Sehnsucht, Schmerz oder Tod? Um nichts weniger als das geht es bei der neuen CD des Stargeigers Daniel Hope „Escape to Paradise“, die morgen erscheint.

Genau darum ging es jetzt auch bei der öffentlichen Probe, mit der der neue Chefdirigent der Radiophilharmonie, Andrew Manze, sich gestern im Großen NDR-Sendesaal zum ersten Mal dem hannoverschen Publikum präsentierte. Denn Hope, südafrikanisch-britischer musikalischer Nonkonformist mit irisch-deutsch-jüdischen Wurzeln, führt Teile seines mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra aufgenommenen CD-Programms auch mit der NDR-Radiophilharmonie unter Manze auf. Zunächst – Ende der Woche – an zwei Abenden beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival, später in Berlin, Düsseldorf und im Funkhaus in Hannover (20. November, 20 Uhr).

Hope, selbst Kind aus einer von Exilsuche geprägten Familie, fasziniert, wie Flüchtlinge aus Europa besonders während des Zweiten Weltkriegs die amerikanische Filmmusik prägten. Musik von Miklós Rósza aus der Hitchcock-Verfilmung „Spellbound“ spielt er deshalb mit der Radiophilharmonie, eine Violinsuite von Kurt Weill und dazu Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert in D-Dur op. 35 aus dem Jahr 1945.

Mit einer öffentlichen Probe präsentiert sich der neue Chefdirigent der Radiophilharmonie, Andrew Manze, im Großen NDR-Sendesaal zum ersten Mal dem hannoverschen Publikum.

Süffig, schwelgerisch, ohne jede falsche Scheu vor Hollywood-Schmalz, aber nie pathetisch-kitschig, klingt es, als er bei einem Durchlauf mit dem Orchester im Funkhaus den zweiten Satz von Korngolds Violinkonzert interpretiert.
Dass große Gefühle in der Musik allerdings akribischer Arbeit am Detail bedürfen, das kann man bei dieser Probe hautnah erleben. Und auch, dass sich Andrew Manze auch von einem großen Publikum hinter ihm bei der Arbeit in keinster Weise ablenken lässt. Rund 1000 Besucher sind zur Freude von Orchestermanager Matthias Ilkenhans ins Funkhaus gekommen, um „den Neuen“ – wie Ilkenhans Manze liebevoll-flapsig nennt – beim ersten Zusammenspiel mit „seiner“ Radiophilharmonie und dem Stargeiger zu hören. Das ist eine erstaunliche Zahl, auch wenn Hopes massive mediale Vermarktung seiner CD mit Auftritten in Kultursendungen und Talkshows sicher beim Publikumszustrom hilft. Dennoch: Es handelt sich nur um eine Probe, sogar nur um Auszüge einer Probe.

Der öffentliche Teil des Übens der Radiophilharmoniker ist gerade mal eine Dreiviertelstunde lang. Manze, leger gekleidet in Pulli und Turnschuhen, hat zwar – wie Hope auch – ein Mikrofon umhängen, sodass das Publikum alle seine Ansagen versteht. Showtime aber ist später. Hier geht es zunächst um einzelne Takte, Töne, um das langsame Zusammenwachsen von Solist, Dirigent und Orchester. Da ist beispielsweise dieser vermaledeite Takt 45 im zweiten Satz von Korngolds so süffiger, bildhafter, so oft sich selbst zitierender Musik. Manze lässt den Takt  mehrfach wiederholen, weil ihm im Orchester, genauer: in den Streichern, der Rhythmus noch nicht genau genug ist.Überhaupt, der Rhyhthmus: Immer wieder fordert er freundlich, fast zögerlich im Ton, aber hartnäckig in der Sache, größere Präzision.

„Get rhythm in here“, sagt er. „Jaaa-Tatatatata“ spricht er einzelne Stellen genau vor und lässt sie vom Orchester wiederholen. „Zu schnell“, wendet sich Daniel Hope an einer Stelle erläuternd und leise lachend ans Publikum. Manze hingegen lässt sich keine Sekunde von seiner Arbeit mit dem Orchester abbringen. Er ist, das spüren hier alle, ein Music Maniac.

Dass er auch ein großartiger Unterhalter ist, merkt man, als er anschließend mit dem Fernsehjournalisten Rolf Seelmann-Eggebert redet. Manze flachst über sein fast nicht vorhandenes Deutsch, über gute und schlechte Dirigenten, gibt Anekdoten aus seiner Zeit als Barockgeiger zum Besten, schwärmt von „seinen“ Radiophilharmonikern. Immer wieder spricht er jetzt auch das begeisterte, hannoversche Publikum an. „Sie sind es, die uns zu einem guten Orchester machen“, sagt er mehrfach. Er tut es in einem so sympathischen, empathischen Ton, dass man ihm wirklich nicht widersprechen möchte.

Hier gibt es noch Karten

Wer Daniel Hope mit seinen Hollywood Sounds verpasst hat, kann ihn noch einmal in Hannover hören, sollte sich aber beeilen. Für das Konzert am 20. November um 20 Uhr im NDR-Funkhaus gibt es Restkarten unter (0511) 27 78 98 99. Neben Korngold, Weill und Rósza sind auch Stücke von Dohnanyi und Strawinsky zu hören.

Wer es nicht abwarten kann, Chefdirigent Andrew Manze in Aktion zu erleben, hat dazu überdies noch einmal vor seinem Antrittskonzert die Gelegenheit: bei der öffentlichen Generalprobe für das Hannover-Proms-Konzert im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich der Personalunion am Freitag, 12. September, um 19 Uhr. Zu hören sind die Radiophilharmonie, mehrere hannoversche Chöre sowie die Geigerin Arabella Steinbacher. 20 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr kosten die Karten auf allen Plätzen. Für das Konzert selbst am 13. September geht nichts mehr, es war innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft. ( jr)

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