Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Bloß nicht das K-Wort

Neuer Studiengang der Hochschule Hannover Bloß nicht das K-Wort

2016 soll ein neuer künstlerischer Studiengang der Hochschule Hannover eingeführt werden. Insgesamt 35 Studienplätze werden 2016 in dem Studiengang „Szenografie – Kostüm – Experimentelle Gestaltung“ vergeben. Die Ausbildung soll eine „klare Berufsorientierung“ bieten.

Voriger Artikel
„Das hat mir einen Stromstoß versetzt“
Nächster Artikel
Mahler schießt auf Christbaumkugeln

In tragender Rolle: Studierende der Hochschule bei einer Performance im Fach Übergreifende Lehre.

Quelle: Garbert

Hannover . Gutes Gestalten setzt oft langen Atem voraus. Das wissen nicht nur Künstler, Kreative und Designer, das haben auch die gestalterischen Köpfe der hannoverschen Fachhochschule erlebt. Mehr als zwei Jahre hat es gedauert, bis ihre Blaupausen für einen neuen künstlerischen Studiengang spruchreif waren, nun aber ist es so weit: Nächstes Jahr wird es nach ihren Plänen wieder Hochschüler eines künstlerischen Vollstudiums in Hannover geben, insgesamt 35 Studienplätze werden 2016 in dem Studiengang „Szenografie – Kostüm – Experimentelle Gestaltung“ vergeben.

Die Einrichtung des neuen Studiengangs ohne zusätzliches Personal ist ein Beispiel dafür, dass man auch mit Bordmitteln große Ziele ansteuern kann. „Wir haben wirklich starke künstlerisch-kreative Leute unter den Lehrenden – einen Schatz, den wir zugunsten unserer Studierenden heben wollten“, sagt Martin Scholz, Dekan der Fakultät Medien, Information und Design an der Hochschule Hannover. Denn bislang wurden diese Professoren nur für die sogenannte übergreifende Lehre im ersten Studienjahr eingesetzt. „Viele würden dieses freie künstlerische Arbeiten gern fortsetzen“, sagt Ute Heuer, Kunstprofessorin und Sprecherin des Studiengangs. „Dazu bekommen Studierende jetzt Gelegenheit – und die Präsenz junger kreativer Leute wird sich in Hannover positiv bemerkbar machen.“

Die Studienpläne versprechen eine breite Aufstellung der Absolventen, eine klare Praxisorientierung sowie neue Impulse für den Kunststandort Hannover:

Für breite Studienpositionierung: Der achtsemestrige Bachelorstudiengang soll ein breites Spektrum künstlerischer Techniken und Wissensgebiete an die Hand geben. Die drei Schwerpunkte sollen künstlerische Methoden und Handwerkszeug vermitteln, um auf die berufliche Praxis vorzubereiten. Sie sollen aber auch Wege zum Masterstudium ebnen, etwa zum Masterstudiengang „Design und Medien“ an der Hochschule Hannover oder zu Studiengängen an anderen Fachhochschulen, Kunsthochschulen oder Universitäten.

Gegen die Krise des Künstlerberufs: Während vielerorts Kunststudiengänge unter Bewerbermangel leiden und Absolventen nur in Nischen Beschäftigung finden, soll dieser Studiengang eine „klare Berufsorientierung“ bieten, sagt Scholz. „97 Prozent der Absolventen von Kunstakademien und Kunsthochschulen können von ihrer Kunst nicht leben – das wird bei den Absolventen unseres neuen Studiengangs anders sein.“ Das Studium soll für Tätigkeiten in Theater und Oper, Medien und Designbüros sowie im Kunst- und Kulturbetrieb, in der Museumspädagogik und der Erwachsenenbildung qualifizieren.

Stärkung des Standorts Hannover: Positive Effekte erwarten die Professoren der Hochschule für die Landeshauptstadt. „Ich denke, dass die Präsenz junger, kreativer Leute in Hannover spürbar sein wird, dass durch sie neue Kunstformate, Ausstellungsorte und Performances in der Stadt sichtbar werden“, sagt Ute Heuer, „und ich hoffe, dass dadurch auch die Hochschule eine stärkere Wahrnehmung, vielleicht sogar ein eigenes Schaufenster in der Stadt, findet.“ Auch Martin Scholz gibt sich zuversichtlich: „Der Studiengang wird den Kunststandort voranbringen, er wird dazu beitragen, ein Klima zu schaffen, in dem die Künste in Hannover höheren Stellenwert und Künstler neue Gestaltungsräume finden.“  

Rückendeckung erhalten die Initiatoren aus der Kunstszene auf Bundes- und auf Landesebene. Die Pläne wiesen einen „dritten Weg“ zwischen einem „absoluten Prekariat“ von Künstlern und einer „unkünstlerischen Instrumentalisierung“ künstlerischer Fähigkeiten, hatte der Deutsche Künstlerbund in Berlin schon bei Bekanntwerden der ersten Ideen erklärt. „Wir können frische Ideen junger Leute gut gebrauchen“, sagt die Künstlerin und Kuratorin Dagmar Brandt unter Hinweis auf die alternde Kunstszene der Stadt. Wenn die etablierten Künstler sich der Kreativität und Konkurrenz dieses Nachwuchses stellen, kann aus der ,City of Music’ am Ende auch noch eine ,City of Art’ werden.“

Klagen über den Mangel an künstlerischem Nachwuchs sind in Hannover stets zu hören, seit die CDU/FDP-Landesregierung unter Christian Wulff 2003 den Fachbereich „Bildende Kunst“ an der Fachhochschule abgeschafft und Hannover damit zur bundesweit einzigen Landeshauptstadt ohne Kunststudienoption gemacht hat. Begründet wurde die Entscheidung damals damit, dass Niedersachsen neben der Hochschule für Bildende Kunst (HBK) in Braunschweig keinen Kunsthochschulstandort benötige.

Angesichts der Sorgen vor Konkurrenzen und Doppelstrukturen lässt sich ahnen, dass es recht experimentell zugegangen sein muss, bis der neue Studiengang gestaltet war. Erst sollte er „Angewandte Kunst“, dann „Interdisziplinäre Kunst“ heißen, jetzt ist das „Kunst“-Wort ganz aus dem Namen verbannt. Hat die Einrichtung eines Studiums der Kunst hier die Kunst einer Studienverklausulierung vorausgesetzt?

Niedersachsens Wissenschafts- und Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic erklärte, sie erwarte, dass der neue Studiengang „ein hohes Maß an Praxisorientierung bietet“ und dass er seine Absolventen „für eine breite Palette kreativer Berufe ausbildet und ihnen damit Chancen auf dem Arbeitsmarkt gibt“. Und die Grünen-Politikerin lobte, dass der neue Studiengang die vorhandenen Stärken der Fakultät Medien, Information und Design ausbaue und das Studienangebot sinnvoll abrunde.

Wie entspannt man mit den kreativen Impulsen aus Hannover umgehen kann, lässt sich unterdessen in Braunschweig erleben. „Wir begrüßen jede Initiative, die zu mehr künstlerischen Angeboten in Niedersachsen führt“, sagt Nikolas Lange, der Präsident der HBK Braunschweig, und fügt hinzu: „Wir freuen uns schon auf die inhaltliche Zusammenarbeit mit den Kollegen in Hannover.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Billy Talent in Hannover

Billy Talent in Hannover: Die besten Bilder des Konzerts in der Swiss-Life-Hall.